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ganz

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
ganz
Worttrennung
ganz

Ganz wird in seinen gewöhnlichen Bedeutungen nicht gesteigert. Eine vollständige Einheit wird nicht durch eine reguläre Vergleichsform noch vollständiger. In ein ganzer Tag ist ganzer die gebeugte Grundstufe und kein Komparativ.

Formen und Verwendung im Detail

Ganz: Vollständig, ungeteilt oder unbeschädigt; vor anderen Eigenschaften je nach Zusammenhang auch völlig, sehr oder nur einigermaßen.

Was bedeutet ganz?

Als Adjektiv beschreibt ganz häufig eine vollständige Einheit: ein ganzer Apfel ist kein bloßes Stück. Der ganze Bericht umfasst den Bericht vollständig. In der umgangssprachlichen Aussage „Die Tasse ist noch ganz“ heißt es dagegen, dass sie unbeschädigt geblieben ist.

Vor einem anderen Adjektiv kann ganz unterschiedliche Wirkungen haben. „Ganz sicher“ kann völlige Gewissheit ausdrücken; „ganz nett“ klingt oft zurückhaltender und bedeutet etwa einigermaßen nett. Betonung und Gesprächssituation helfen bei der Deutung. Man darf deshalb nicht überall automatisch vollständig einsetzen.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Sie liest den ganzen Brief.“ Die Angabe betrifft den Umfang: Kein Teil des Briefs wird ausgelassen.
  • „Nach dem Sturz ist die Schale noch ganz.“ Hier geht es um Unversehrtheit, nicht um die Größe oder Füllmenge.
  • „Der Film war ganz gut.“ Ohne weiteren Kontext kann dies ein mäßiges Lob sein. Eine begeisterte Betonung kann den Eindruck verändern.

Synonyme für ganz: passend zum Zusammenhang

Ganz bezeichnet Vollständigkeit oder Unversehrtheit und kann außerdem andere Eigenschaften verstärken oder abschwächen. Ein Synonym muss die jeweilige Funktion im Satz treffen. Besonders „ganz gut“ kann ohne passenden Tonfall kein uneingeschränktes Lob sein.

Welcher Ausdruck passt zu deiner Aussage?
AlternativePassender ZusammenhangBedeutungsunterschied
vollständigEin Gegenstand, Text oder Umfang wird ohne Auslassung erfasst.Passt zur Gesamtheit; bei einer unbeschädigten Tasse wäre die Bedeutung weniger genau getroffen.
heilEin Gegenstand ist unbeschädigt geblieben.Beschreibt den Zustand, nicht den Füllstand oder die Menge vorhandener Gegenstände.
einigermaßenEine Bewertung gilt nur mit Einschränkung.Kann das zurückhaltende Lob in ganz gut erläutern, würde völlige Gewissheit in ganz sicher aber verfehlen.

Eigene Satzbeispiele: Was ändert sich?

Ausgangssatz: „Sie liest den ganzen Bericht.“

Alternative: „Sie liest den Bericht vollständig.“

Vollständig bezeichnet hier den Umfang des Lesens: Sie lässt keinen Teil aus. In „Sie liest den vollständigen Bericht“ könnte das Adjektiv dagegen nur die ungekürzte Fassung bezeichnen.

Ausgangssatz: „Die Vase ist nach dem Sturz noch ganz.“

Alternative: „Die Vase ist nach dem Sturz noch heil.“

Heil klärt die Unversehrtheit. Die Vase muss weder gefüllt noch Teil eines vollständigen Sets sein; genau diese anderen Bedeutungen von ganz treten zurück.

Nicht gleichbedeutend: Voll ist kein allgemeiner Ersatz. Eine ganze beziehungsweise heile Tasse kann leer sein. Füllstand und Unbeschädigtheit beschreiben unterschiedliche Merkmale.

Beim Formulieren: „Nicht ganz zufrieden“ lässt teilweise Zufriedenheit zu. „Ganz unzufrieden“ verstärkt dagegen den negativen Zustand. Die Stellung von ganz und nicht darf beim Umformulieren nicht verloren gehen.

Bei knappen Urteilen wie „ganz nett“ helfen die folgenden Sätze. Lob, Einwände und Betonung zeigen, ob eine Einschränkung oder eine deutlich positive Bewertung gemeint ist.

Weitere Abgrenzungen: Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Gesamt passt zum Umfang, ungeteilt zur vollständigen Einheit und heil zum unbeschädigten Zustand. Diese Ersatzwörter sind nicht in jedem Satz austauschbar. Eine heile Tasse kann beispielsweise leer sein; ganz bedeutet dort nicht voll.

Bei „nicht ganz zufrieden“ wird die Zufriedenheit eingeschränkt. Das ist etwas anderes als „ganz unzufrieden“, das die Unzufriedenheit verstärkt. Für eine genaue Textdeutung lohnt sich daher die Frage, auf welchen Teil der Aussage ganz und eine mögliche Verneinung jeweils wirken.

Schreibweise und Grammatik

Vor einem Nomen wird ganz gebeugt: ein ganzer Tag, die ganze Woche, ganze Seiten. Vor artikellosen geografischen Namen bleibt es unverändert: ganz Berlin. Als nähere Bestimmung eines Adjektivs bleibt es ebenfalls endungslos: eine ganz neue Idee. Substantivierungen werden großgeschrieben, etwa das Ganze und im Großen und Ganzen.

Steigerung

Ganz wird in seinen gewöhnlichen Bedeutungen nicht gesteigert. Eine vollständige Einheit wird nicht durch eine reguläre Vergleichsform noch vollständiger. In ein ganzer Tag ist ganzer die gebeugte Grundstufe und kein Komparativ.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativganzerganzeganzesganze
Genitivganzenganzerganzenganzer
Dativganzemganzerganzemganzen
Akkusativganzenganzeganzesganze
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativganzeganzeganzeganzen
Genitivganzenganzenganzenganzen
Dativganzenganzenganzenganzen
Akkusativganzenganzeganzeganzen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativganzerganzeganzesganzen
Genitivganzenganzenganzenganzen
Dativganzenganzenganzenganzen
Akkusativganzenganzeganzesganzen

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Gesprächsszene fragt eine Schülerin nach einer Theateraufführung. Ihr Freund antwortet zuerst nur „ganz gut“ und lobt anschließend ausdrücklich das Bühnenbild, kritisiert aber die langen Pausen.

Sein „ganz gut“ fasst einen gemischten Eindruck zusammen. Das zurückhaltende Lob wird durch die folgenden Einzelurteile verständlich: Er schätzt die Gestaltung, bleibt mit dem Ablauf jedoch teilweise unzufrieden.

Die Deutung stützt sich auf den weiteren Gesprächsverlauf und nicht allein auf das kurze Wort. Ohne die Ergänzungen wäre die Stärke des Lobs weniger sicher. Für eine Charakterisierung wäre außerdem zu prüfen, ob die Zurückhaltung typisch ist oder nur diese Aufführung betrifft.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.