gegenwärtig

Gegenwärtig: Zur jetzigen Zeit bestehend oder geschehend; außerdem anwesend beziehungsweise im Bewusstsein lebendig.

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Was bedeutet gegenwärtig?

Gegenwärtig stellt meist einen Bezug zur jeweiligen Gegenwart her. Die gegenwärtige Lage ist die Lage zur Zeit der Aussage. In einem älteren Text kann damit also ein längst vergangener Zeitpunkt gemeint sein. Entscheidend ist, aus welcher zeitlichen Perspektive gesprochen wird.

Daneben kann gegenwärtig anwesend oder zugegen bedeuten; dieser Gebrauch wirkt heute häufig gehoben oder älter. Übertragen bleibt ein Erlebnis gegenwärtig, wenn es im Bewusstsein lebendig ist. Es liegt dann möglicherweise lange zurück und wird dennoch innerlich deutlich wahrgenommen.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Gegenwärtig arbeitet die Figur an ihrem zweiten Entwurf.“ Gemeint ist die Zeit, auf die sich die Erzählung gerade bezieht.
  • „Die gegenwärtige Situation unterscheidet sich von der früheren.“ Zwei Zeitstände werden miteinander verglichen.
  • „Das Gespräch ist ihr noch deutlich gegenwärtig.“ Die Erinnerung ist lebendig, obwohl das Gespräch bereits stattgefunden hat.

Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Aktuell kann gegenwärtig gültig oder bedeutsam heißen und zusätzlich die Neuigkeit einer Information betonen. Gegenwärtig ist bei Zeitangaben oft neutraler: Es benennt, was jetzt besteht. Etwas Gegenwärtiges muss nicht neu sein.

Anwesend ist für die Teilnahme an einem Ort oder Anlass meist der geläufigere Ausdruck. Geistesgegenwärtig bedeutet wiederum rasch und angemessen auf eine überraschende Situation reagierend. Gegenwärtig allein trägt diese Aussage nicht.

Schreibweise und Grammatik

Gegenwärtig wird mit ä geschrieben. Es kann vor einem Nomen stehen: ein gegenwärtiger Zustand, die gegenwärtige Lage, mit gegenwärtigen Möglichkeiten. Adverbial bleibt es unverändert: Gegenwärtig fehlt Zeit. In „Der Vorfall ist mir gegenwärtig“ bezeichnet die Dativform die Person, in deren Erinnerung etwas lebendig ist.

Steigerung

Bei der zeitlichen Einordnung ist eine gewöhnliche Steigerung nicht sinnvoll: Ein Zustand gehört zur Gegenwart oder nicht. Bei geistiger Präsenz sind Abstufungen möglich, etwa stärker gegenwärtig. Sie betreffen die Deutlichkeit oder Intensität der Erinnerung, nicht den Kalenderzeitpunkt.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativgegenwärtigergegenwärtigegegenwärtigesgegenwärtige
Genitivgegenwärtigengegenwärtigergegenwärtigengegenwärtiger
Dativgegenwärtigemgegenwärtigergegenwärtigemgegenwärtigen
Akkusativgegenwärtigengegenwärtigegegenwärtigesgegenwärtige
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativgegenwärtigegegenwärtigegegenwärtigegegenwärtigen
Genitivgegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigen
Dativgegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigen
Akkusativgegenwärtigengegenwärtigegegenwärtigegegenwärtigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativgegenwärtigergegenwärtigegegenwärtigesgegenwärtigen
Genitivgegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigen
Dativgegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigengegenwärtigen
Akkusativgegenwärtigengegenwärtigegegenwärtigesgegenwärtigen

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: Eine erfundene Schülerin liest einen Brief aus der Vergangenheit. Darin berichtet die Absenderin, gegenwärtig in einem kleinen Dorf zu wohnen. Die Schülerin soll den Satz für eine Inhaltsangabe erklären.

Gegenwärtig bezieht sich im Brief auf die Zeit des Schreibens. Die Absenderin beschreibt ihren damaligen Wohnort als ihre Gegenwart. Für die heutige Inhaltsangabe ist deshalb „zu dieser Zeit“ eine passende erläuternde Formulierung.

Die Erklärung verhindert, dass die zeitliche Perspektive des Briefes unbemerkt mit der Gegenwart der Lesenden gleichgesetzt wird. Sie ergänzt keine späteren Wohnorte. Ob die Absenderin noch lange dort blieb, müsste aus weiteren Angaben hervorgehen.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.