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geisteskrank

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
geisteskrank
Worttrennung
geis·tes·krank

Eine Steigerung ist für eine sachliche Beschreibung nicht geeignet. Umgangssprachliche Übertreibungen mit solchen Formen machen die Bezeichnung nicht fachlich genauer. Unterschiede zwischen Erkrankungen oder Belastungen können nicht durch eine Rangfolge „kränkerer“ Personen angemessen erklärt werden.

Formen und Verwendung im Detail

Geisteskrank: Veraltete und stark abwertende Bezeichnung für psychisch krank; heute keine geeignete neutrale Personenbeschreibung.

Was bedeutet geisteskrank?

Geisteskrank begegnet in älteren Texten als Bezeichnung psychischer Erkrankung und in abwertender Alltagssprache. Der Ausdruck ist unspezifisch und stark belastet. Er benennt keine einzelne Diagnose. Wer einen Text analysiert, muss deshalb zwischen der verwendeten Bezeichnung und einer fachlich gesicherten Aussage unterscheiden.

In einem literarischen Dialog kann das Wort auch eine Beschimpfung sein. Dann zeigt es zunächst, wie die sprechende Figur über jemanden urteilt oder ihn herabsetzt. Die Analyse sollte diese Wertung kenntlich machen, statt sie als sachliche Beschreibung der betroffenen Person zu übernehmen.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Der Kommentar erläutert, weshalb der alte Text das Wort geisteskrank verwendet.“ Hier wird ein historischer Sprachgebrauch untersucht, keine heutige Diagnose gestellt.
  • „Eine Figur nennt ihren Gegner geisteskrank.“ Die Äußerung kann eine Abwertung sein und belegt für sich keine Erkrankung.
  • „Die Überarbeitung ersetzt die pauschale Bezeichnung durch eine genaue, belegte Angabe.“ Eine sachliche Beschreibung richtet sich nach den verfügbaren Informationen.

Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Psychisch krank ist eine sachlichere allgemeine Formulierung, sofern überhaupt eine entsprechende Erkrankung belegt und für den Text relevant ist. Wo eine genaue Diagnose bekannt ist, kann deren präzise Benennung geeigneter sein. Ohne Beleg sollte man bei beobachtbarem Verhalten bleiben.

Geistesabwesend bedeutet gedanklich nicht bei der Sache und ist etwas anderes. Auch ungewöhnlich, unvernünftig oder gefährlich sind keine medizinischen Diagnosen. Eine Erkrankung darf weder aus ungewöhnlichem Verhalten noch aus einer Beleidigung abgeleitet werden.

Schreibweise und Grammatik

Geisteskrank wird zusammengeschrieben und enthält -es-. Grammatisch sind Formen wie eine als geisteskrank bezeichnete Figur möglich. Substantivierte Formen werden großgeschrieben, verstärken aber leicht die Reduktion einer Person auf ein Etikett. Die folgenden Tabellen dokumentieren die Sprachform; sie empfehlen deren Gebrauch nicht.

Steigerung

Eine Steigerung ist für eine sachliche Beschreibung nicht geeignet. Umgangssprachliche Übertreibungen mit solchen Formen machen die Bezeichnung nicht fachlich genauer. Unterschiede zwischen Erkrankungen oder Belastungen können nicht durch eine Rangfolge „kränkerer“ Personen angemessen erklärt werden.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativgeisteskrankergeisteskrankegeisteskrankesgeisteskranke
Genitivgeisteskrankengeisteskrankergeisteskrankengeisteskranker
Dativgeisteskrankemgeisteskrankergeisteskrankemgeisteskranken
Akkusativgeisteskrankengeisteskrankegeisteskrankesgeisteskranke
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativgeisteskrankegeisteskrankegeisteskrankegeisteskranken
Genitivgeisteskrankengeisteskrankengeisteskrankengeisteskranken
Dativgeisteskrankengeisteskrankengeisteskrankengeisteskranken
Akkusativgeisteskrankengeisteskrankegeisteskrankegeisteskranken
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativgeisteskrankergeisteskrankegeisteskrankesgeisteskranken
Genitivgeisteskrankengeisteskrankengeisteskrankengeisteskranken
Dativgeisteskrankengeisteskrankengeisteskrankengeisteskranken
Akkusativgeisteskrankengeisteskrankegeisteskrankesgeisteskranken

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Erzählung beschimpft ein Nachbar eine Frau als geisteskrank, nachdem sie einem verbreiteten Gerücht widersprochen hat. Der Text enthält keine weiteren Angaben zu ihrem Gesundheitszustand.

Der Nachbar verwendet die Bezeichnung geisteskrank, um die Frau abzuwerten. Die Szene zeigt seine herabsetzende Sprache und den Konflikt um ihre Aussage. Eine Erkrankung der Frau lässt sich daraus nicht ableiten.

Der Absatz ordnet das Wort dem Sprecher zu und trennt die sprachliche Handlung von einer Tatsachenbehauptung. Für die Charakterisierung ist hier das abwertende Verhalten des Nachbarn relevant. Die beschimpfte Person sollte nicht aufgrund dieser Äußerung mit einer erfundenen Diagnose versehen werden.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.