göttlich
Form & Grammatik
- Stichwort
- göttlich
- Worttrennung
- gött·lich
- Komparativ
- göttlicher
- Superlativ
- am göttlichsten
Die reine Zugehörigkeit zu einer Gottheit wird gewöhnlich nicht gesteigert. Im übertragenen Lob sind göttlicher und am göttlichsten als nachdrückliche Vergleiche möglich. In einer Analyse sollte zuerst die Bedeutung geklärt werden, bevor eine Form als religiöse Aussage oder bloße Übertreibung ausgelegt wird.
Göttlich: Gott oder einer Gottheit zugehörig, von ihr ausgehend oder ihr ähnlich; übertragen auch: außerordentlich herrlich.
Was bedeutet göttlich?
Göttlich kann einen religiösen oder mythologischen Bezug ausdrücken. Eine göttliche Weisung gilt innerhalb der betreffenden Vorstellung als von Gott oder einer Gottheit ausgehend. Göttliche Eigenschaften werden einer Gottheit zugeschrieben. Welche Vorstellung gemeint ist, muss der Textzusammenhang zeigen.
Das Wort kann außerdem eine Ähnlichkeit zu einer Gottheit oder eine entsprechende Verehrung bezeichnen. Im übertragenen, oft scherzhaften Gebrauch ist göttlich ein besonders starkes Lob: Eine Darbietung oder Speise kann göttlich genannt werden, ohne dass eine religiöse Behauptung beabsichtigt ist. Diese Lesarten unterscheiden sich erheblich.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Der Mythos erzählt von einem göttlichen Eingreifen.“ Die Handlung wird innerhalb der mythischen Welt einer Gottheit zugeschrieben.
- „Die Figur hält den Rat für eine göttliche Weisung.“ Der Satz berichtet ihre Deutung, ohne sie automatisch als Tatsache zu bestätigen.
- „Dieses Gebäck ist göttlich, sagt die begeisterte Besucherin.“ Hier wirkt das Wort als übertreibendes Lob und nicht als Material- oder Herkunftsangabe.
Synonyme für göttlich: passend zum Zusammenhang
Göttlich kann eine Zugehörigkeit zu einer Gottheit, einen entsprechenden Ursprung oder im übertragenen Gebrauch außerordentliches Gefallen ausdrücken. Diese Bedeutungen sind klar zu trennen. Wer eine Darbietung göttlich nennt, muss damit weder eine religiöse Aussage noch eine Behauptung über ihre Herkunft verbinden.
| Alternative | Passender Zusammenhang | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| von einer Gottheit ausgehend | Eine Handlung oder Weisung wird innerhalb einer religiösen oder mythischen Vorstellung einer Gottheit zugeschrieben. | Erläutert den Ursprung ausdrücklich, statt ein bloßes Qualitätslob zu formulieren. |
| himmlisch | Etwas ist dem Himmel zugeordnet oder wird als besonders herrlich empfunden. | Liegt im überschwänglichen Lob nahe, besitzt aber eigene religiöse und räumliche Bedeutungen. |
| ausgezeichnet | Eine Leistung oder Sache wird sehr positiv bewertet. | Ist im Alltagslob sachlicher und kommt ohne religiöses Bild aus. |
Eigene Satzbeispiele: Was ändert sich?
Ausgangssatz: „Die Sängerin gestaltet den Schluss göttlich.“
Alternative: „Die Sängerin gestaltet den Schluss ausgezeichnet.“
Ausgezeichnet benennt das starke Lob ohne die bildhafte Überhöhung. Ob göttlich ernst begeistert oder scherzhaft klingt, hängt vom Sprecher und Anlass ab.
Ausgangssatz: „Die Figur deutet den Traum als göttliche Warnung.“
Alternative: „Die Figur deutet den Traum als eine von einer Gottheit ausgehende Warnung.“
Die Umschreibung legt die gemeinte Zuschreibung offen. Beide Fassungen berichten die Deutung der Figur und bestätigen sie nicht unabhängig.
Nicht gleichbedeutend: Religiös bezeichnet einen Bezug zur Religion und ist nicht gleichbedeutend mit göttlich. Ein religiöser Text muss nicht als unmittelbar göttlichen Ursprungs gelten. Fromm beschreibt wiederum eine Glaubenshaltung von Menschen.
Beim Formulieren: Das Bezugswort hilft bei der Einordnung: „göttliches Eingreifen“ kann innerhalb eines Mythos wörtlich gemeint sein, „göttlicher Kuchen“ ist gewöhnlich ein übertreibendes Lob. Ein Austausch darf diese unterschiedlichen Aussageebenen nicht zusammenziehen.
In einer Textanalyse sollten Erzählerperspektive und Figurenrede getrennt werden. Ein ehrfürchtiger Ausdruck, eine ironische Überhöhung und begeisterte Alltagssprache können dieselbe Wortform verwenden, aber sehr unterschiedliche Wirkungen entfalten.
Weitere Abgrenzungen: Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Religiös bezeichnet allgemein einen Bezug zur Religion. Ein religiöser Gegenstand ist nicht deshalb selbst göttlich. Fromm beschreibt eine Glaubenshaltung; göttlich ordnet etwas einer Gottheit zu oder setzt einen entsprechenden Vergleich.
Im übertragenen Gebrauch können ausgezeichnet oder brillant eine ähnliche positive Bewertung ausdrücken. Göttlich verstärkt sie durch ein auffälliges Bild. Ob dieses Bild ernst, überschwänglich oder scherzhaft wirkt, hängt von Anlass und Sprecherhaltung ab.
Schreibweise und Grammatik
Göttlich wird mit ö und doppeltem t geschrieben. Formen sind ein göttlicher Ursprung, eine göttliche Gestalt, mit göttlichen Kräften. Das Adjektiv steht gewöhnlich klein. Substantiviert heißt es das Göttliche. Bei Verben bleibt die Form unverändert: göttlich schmecken.
Steigerung
Die reine Zugehörigkeit zu einer Gottheit wird gewöhnlich nicht gesteigert. Im übertragenen Lob sind göttlicher und am göttlichsten als nachdrückliche Vergleiche möglich. In einer Analyse sollte zuerst die Bedeutung geklärt werden, bevor eine Form als religiöse Aussage oder bloße Übertreibung ausgelegt wird.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | göttlicher | göttliche | göttliches | göttliche |
| Genitiv | göttlichen | göttlicher | göttlichen | göttlicher |
| Dativ | göttlichem | göttlicher | göttlichem | göttlichen |
| Akkusativ | göttlichen | göttliche | göttliches | göttliche |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | göttliche | göttliche | göttliche | göttlichen |
| Genitiv | göttlichen | göttlichen | göttlichen | göttlichen |
| Dativ | göttlichen | göttlichen | göttlichen | göttlichen |
| Akkusativ | göttlichen | göttliche | göttliche | göttlichen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | göttlicher | göttliche | göttliches | göttlichen |
| Genitiv | göttlichen | göttlichen | göttlichen | göttlichen |
| Dativ | göttlichen | göttlichen | göttlichen | göttlichen |
| Akkusativ | göttlichen | göttliche | göttliches | göttlichen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Erzählung liest eine Figur tagsüber eine Sage über göttliche Hilfe. Am Abend nennt sie begeistert die selbst gemachte Nachspeise ihrer Freundin göttlich. Eine Begleiterin bemerkt scherzhaft, dass das Wort nun etwas ganz anderes leiste.
In der Sage bezeichnet göttlich eine Handlung innerhalb einer religiös oder mythologisch vorgestellten Welt. Beim Abendessen drückt dasselbe Adjektiv überschwängliches Gefallen aus. Der Zusammenhang trennt die wörtliche Zuordnung von der bildlichen Wertung.
Der Absatz erklärt den Bedeutungswechsel anhand zweier klar unterschiedener Situationen. Er wertet keine religiöse Vorstellung ab und macht das Lob der Speise nicht zu einem Glaubensbekenntnis. Für eine Textanalyse ist entscheidend, die Funktion des Wortes im jeweiligen Satz statt nur seine Bestandteile zu betrachten.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
