handgreiflich
Form & Grammatik
- Stichwort
- handgreiflich
- Worttrennung
- hand·greif·lich
- Komparativ
- handgreiflicher
- Superlativ
- am handgreiflichsten
Steigerung besonders bei Anschaulichkeit oder Offensichtlichkeit. Bei körperlichen Übergriffen die tatsächliche Handlung benennen; eine stärkere Wortform beschreibt den Vorgang nicht genau.
Handgreiflich: Mit körperlicher Gewalt verbunden; außerdem übertragen: unmittelbar fassbar oder sehr deutlich erkennbar.
Was bedeutet handgreiflich?
Handgreiflich bedeutet bei einer Auseinandersetzung, dass körperliche Gewalt eingesetzt wird. Die Wendung handgreiflich werden beschreibt den Übergang von Worten zu tätlichem Vorgehen, etwa Schubsen oder Schlagen.
Daneben besitzt das Wort eine übertragene Bedeutung: Ein handgreiflicher Unterschied oder ein handgreiflicher Beweis ist besonders deutlich und anschaulich fassbar. Diese Verwendung hat nichts mit einer gewaltsamen Auseinandersetzung zu tun.
Die benachbarten Wörter helfen bei der Unterscheidung. In einem handgreiflichen Streit steht Gewalt im Vordergrund; bei einem handgreiflichen Vorteil die unmittelbar erkennbare Wirkung. Für ein breites Publikum können körperlich gewaltsam beziehungsweise deutlich erkennbar die klareren Umschreibungen sein.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die Auseinandersetzung wird handgreiflich, als eine Figur die andere schubst.“ Das konkrete Verhalten erklärt die Gewaltbedeutung.
- „Die beiden Modelle zeigen einen handgreiflichen Unterschied in der Größe.“ Übertragen ist ein unmittelbar anschaulicher Unterschied gemeint.
- „Die Figur bleibt bei Worten und wird nicht handgreiflich.“ Der Satz grenzt sprachliche Aggression von körperlichem Vorgehen ab.
Synonyme für handgreiflich: passend zum Zusammenhang
Handgreiflich bezeichnet bei einem Streit körperliches Vorgehen. In Wendungen wie „ein handgreiflicher Unterschied“ ist dagegen die deutliche Erkennbarkeit gemeint. Die zweite Verwendung wirkt weniger alltäglich; eine Umschreibung kann hier Missverständnisse vermeiden.
| Alternative | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| tätlich | Streit, Angriff oder Auseinandersetzung | Ist eine nahe Alternative für körperliche Übergriffe. |
| körperlich gewaltsam | konkrete Art eines Konflikts | Erklärt die Aussage ausdrücklich und unterscheidet sie von rein sprachlicher Aggression. |
| greifbar; deutlich erkennbar | Unterschiede und Auswirkungen | Passt zur übertragenen Bedeutung, ohne einen Gewaltbezug nahezulegen. |
| offenkundig | erkennbare Tatsachen und Zusammenhänge | Betont die Evidenz; die zugrunde liegende Behauptung bleibt dennoch prüfbedürftig. |
Im Satz vergleichen: Die folgenden Beispiele sind eigens formuliert.
Ausgangssatz: Nach dem Streit wurde einer der Beteiligten handgreiflich.
Alternative: Nach dem Streit ging einer der Beteiligten tätlich gegen den anderen vor.
Die Umformulierung benennt die Handlungsebene genauer. Falls bekannt, kann anschließend die konkrete Handlung beschrieben werden.
Ausgangssatz: Die neue Anordnung brachte einen handgreiflichen Vorteil: Der Weg wurde kürzer.
Alternative: Die neue Anordnung brachte einen deutlich erkennbaren Vorteil: Der Weg wurde kürzer.
Die zweite Fassung löst die übertragene Bedeutung auf. Tätlich wäre bei einem Vorteil vollkommen unpassend.
Weitere Abgrenzungen: Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Aggressiv kann auch ein rein sprachliches oder drohendes Verhalten beschreiben. Handgreiflich legt bei einem Streit den körperlichen Übergriff näher fest. Umgekehrt ist eine bloße Berührung nicht schon im üblichen Sinn eine Handgreiflichkeit.
Greifbar überschneidet sich mit der übertragenen Bedeutung. Wer einen handgreiflichen Beweis nennt, behauptet besonders klare Erkennbarkeit; ob der Beweis tatsächlich trägt, muss der Inhalt zeigen. Das starke Wort ersetzt keine Begründung.
Schreibweise und Grammatik
Handgreiflich wird zusammengeschrieben, mit ei in greiflich. Es heißt eine handgreifliche Auseinandersetzung, ein handgreiflicher Streit, mit handgreiflichen Übergriffen. In handgreiflich werden steht die unveränderte Grundform. Das Nomen lautet die Handgreiflichkeit.
Steigerung
Vergleichsformen wie handgreiflicher und am handgreiflichsten sind möglich, besonders beim Grad der Anschaulichkeit. Bei Gewaltbeschreibungen ist meist genauer, die konkrete Handlung und ihre Entwicklung zu benennen, statt Übergriffe nur pauschal zu steigern.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | handgreiflicher | handgreifliche | handgreifliches | handgreifliche |
| Genitiv | handgreiflichen | handgreiflicher | handgreiflichen | handgreiflicher |
| Dativ | handgreiflichem | handgreiflicher | handgreiflichem | handgreiflichen |
| Akkusativ | handgreiflichen | handgreifliche | handgreifliches | handgreifliche |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | handgreifliche | handgreifliche | handgreifliche | handgreiflichen |
| Genitiv | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen |
| Dativ | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen |
| Akkusativ | handgreiflichen | handgreifliche | handgreifliche | handgreiflichen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | handgreiflicher | handgreifliche | handgreifliches | handgreiflichen |
| Genitiv | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen |
| Dativ | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen | handgreiflichen |
| Akkusativ | handgreiflichen | handgreifliche | handgreifliches | handgreiflichen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Szene streiten zwei Figuren zunächst laut. Eine stößt schließlich die andere vom Stuhl. Eine Schülerin schreibt, die Stimmung sei lediglich etwas gereizter geworden.
Mit dem Stoß wird die Auseinandersetzung handgreiflich. Die Beschreibung sollte diesen qualitativen Wechsel benennen: Aus dem Wortstreit wird ein körperlicher Übergriff. Gereizter allein erfasst die dargestellte Handlung nicht.
Die genaue Wortwahl macht den Ablauf verständlich, ohne zusätzliche Motive zu erfinden. Für eine Charakterisierung kann die Handlung wichtig sein; ob sie ein dauerhaftes Muster zeigt, muss anhand weiterer Szenen geprüft werden.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
