informell
Informell bedeutet meist ohne festgelegte Förmlichkeiten oder außerhalb eines offiziellen Verfahrens. Ein informelles Gespräch ist beispielsweise ein Austausch in lockerem Rahmen; eine informelle Absprache erfolgt außerhalb des vorgesehenen förmlichen Entscheidungswegs.
Was bedeutet informell?
Bei informell lohnt sich die Frage: Was ist hier weniger geregelt? Manchmal geht es um den Umgangston, manchmal um den Ablauf oder die Rolle der Beteiligten. Ein Treffen ohne feste Tagesordnung kann informell sein, obwohl die Beteiligten ernsthafte Fragen besprechen. Lockerer Rahmen bedeutet nicht, dass der Inhalt unwichtig ist.
Eine informelle Verständigung kann einer späteren offiziellen Entscheidung vorausgehen. Die Beteiligten tauschen Ideen aus, erkunden Positionen oder einigen sich zunächst untereinander. Ob daraus bereits eine verbindliche Zusage entsteht, lässt sich aus dem Adjektiv allein nicht ablesen. Wer genau berichten will, nennt deshalb zusätzlich, was besprochen, zugesagt oder noch offengelassen wurde.
Bei einer informellen Gruppe steht die Verbindung der Mitglieder außerhalb einer ausdrücklich festgelegten Organisation im Vordergrund. Kolleginnen und Kollegen können sich etwa regelmäßig gegenseitig helfen, ohne als Arbeitsgruppe eingesetzt worden zu sein. Eine solche Gruppe kann trotzdem gemeinsame Gewohnheiten und Erwartungen entwickeln.
Das Wort begegnet häufig in beruflichen, politischen und pädagogischen Zusammenhängen. Im Alltag ist oft eine einfachere Formulierung genauer: ein lockeres Gespräch, eine erste Abstimmung oder ein Treffen ohne Tagesordnung. Diese Ausdrücke sind jedoch keine beliebig austauschbaren Synonyme; sie benennen jeweils eine bestimmte Seite des informellen Rahmens.
Wie sprechen die Beteiligten? Locker oder förmlich.
Welchen Status hat das Gespräch? Erster Austausch oder offizielles Verfahren.
Ein freundlicher Ton allein macht eine offizielle Sitzung noch nicht informell.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Vor der Sitzung sammeln wir bei einem informellen Treffen erste Vorschläge.“ Das Treffen bereitet einen weiteren Schritt vor. Es ist noch nicht die Sitzung, in der nach den vorgesehenen Regeln entschieden wird.
- „Nach den Vorträgen geht das Gespräch in einen informellen Austausch über.“ Die Gesprächsform wird lockerer. Der Satz sagt nicht, dass die besprochenen Themen unwichtig oder die Aussagen unzuverlässig wären.
- „Im Betrieb hat sich ein informelles Netzwerk für die Einarbeitung gebildet.“ Die Beschäftigten unterstützen sich, ohne dass das Netzwerk eigens als zuständige Stelle eingerichtet wurde.
- „Beim gemeinsamen Reparieren lernt Mila informell, wie man einen Reifen flickt.“ Der Lernanlass entsteht bei einer alltäglichen Tätigkeit und nicht in einem eigens dafür eingerichteten Unterricht.
Informell, formell, formal und informativ
Formell ist bei Verfahren und Umgangsformen der wichtigste Gegensatz. Eine formelle Einladung folgt einem vorgesehenen Rahmen; eine informelle Einladung kann kurz und persönlich ausfallen. Beide können höflich und ernst gemeint sein. Informell bedeutet weder nachlässig noch unhöflich.
Formal betrifft häufig Form, Aufbau oder äußere Voraussetzungen. Ein Gedicht hat formale Merkmale wie Strophen und Verse. Deren Gegenteil sind nicht „informelle Merkmale“: Gemeint wäre dort beispielsweise die inhaltliche Seite. Bei der Beschreibung von Verfahren können sich formal und formell dagegen überschneiden.
Inoffiziell betont, dass etwas nicht offiziell erfolgt oder bekannt gegeben wurde. Zwanglos beschreibt eher die Atmosphäre. Ein informeller Austausch kann beides sein, muss aber nicht heimlich stattfinden. Vertraulich betrifft dagegen die Frage, wer von seinem Inhalt erfahren soll.
Daneben ist für informell eine Bedeutung im Sinne von kurz informierend belegt. Wer ausdrücken möchte, dass ein Vortrag viel Wissenswertes vermittelt, schreibt heute eindeutiger informativ. Ein informelles Treffen kann informativ sein; der lockere Rahmen und der Informationsgehalt sind zwei verschiedene Eigenschaften.
Was ist informelles Lernen?
Informelles Lernen entsteht bei Alltagsaktivitäten, etwa im Beruf, in der Familie oder in der Freizeit. Man eignet sich Wissen oder Fertigkeiten an, obwohl die betreffende Situation nicht ausdrücklich als Lernveranstaltung organisiert ist. Es kann beiläufig geschehen, zum Beispiel beim Zuschauen und Mithelfen.
Ein lockerer Unterricht ist deshalb nicht allein wegen seiner angenehmen Atmosphäre informelles Lernen. Auch nicht-formales Lernen ist nicht einfach dasselbe: Ein organisierter Kurs außerhalb des üblichen Bildungsgangs kann feste Lernziele und Übungszeiten haben. Entscheidend ist hier die Lernorganisation, nicht die Strenge der Lehrperson.
Schreibweise und Grammatik
Informell ist ein Adjektiv und wird mit zwei l geschrieben. Die Worttrennung lautet in·for·mell. Vor einem Nomen erhält es eine Endung: ein informelles Treffen, bei einem informellen Austausch. Nach sein bleibt die Grundform stehen: Das Treffen ist informell. Adverbial verwendet heißt es etwa Wir sprechen zunächst informell miteinander. Das Wort ist nicht die Kurzform von Information; aus dieser Ähnlichkeit lässt sich die häufige Bedeutung ohne Förmlichkeiten nicht ableiten.
Steigerung
Wenn du den Grad der Förmlichkeit vergleichst, sind informell – informeller – am informellsten möglich: Die zweite Gesprächsrunde verlief informeller als die erste. Bei einer Einordnung als Lernform oder Organisationsart ist dagegen meist die Grundstufe passend. Ein informeller Austausch enthält nur eine Beugungsendung; erst ein informellerer Austausch ist ein Komparativ vor einem Nomen.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | informeller | informelle | informelles | informelle |
| Genitiv | informellen | informeller | informellen | informeller |
| Dativ | informellem | informeller | informellem | informellen |
| Akkusativ | informellen | informelle | informelles | informelle |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | informelle | informelle | informelle | informellen |
| Genitiv | informellen | informellen | informellen | informellen |
| Dativ | informellen | informellen | informellen | informellen |
| Akkusativ | informellen | informelle | informelle | informellen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | informeller | informelle | informelles | informellen |
| Genitiv | informellen | informellen | informellen | informellen |
| Dativ | informellen | informellen | informellen | informellen |
| Akkusativ | informellen | informelle | informelles | informellen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Ein Treffen präzise beschreiben
Erfundenes Beispiel: Vor einer geplanten Schulveranstaltung stehen drei Mitglieder des Organisationsteams in der Pause zusammen. Ohne Tagesordnung vergleichen sie zwei Ideen für den Ablauf. Sie vereinbaren, beide Vorschläge in der nächsten Teamsitzung vorzustellen. Eine Entscheidung treffen sie noch nicht.
In der Pause tauschen die drei Teammitglieder informell erste Vorschläge aus. Das Gespräch findet ohne festgelegten Ablauf statt und dient der Vorbereitung der nächsten Sitzung. Die Auswahl einer Idee bleibt dieser Sitzung vorbehalten.
Der Absatz erklärt, worin der informelle Charakter besteht: Anlass, Ablauf und vorläufiges Ergebnis werden sichtbar. „Sie treffen sich informell und beschließen alles“ würde ohne weitere Angaben offenlassen, welchen Status der Beschluss hat. Für eine Charakterisierung ließe sich aus dem lockeren Gespräch außerdem noch nicht auf eine grundsätzlich unverbindliche Persönlichkeit schließen.
Miniübung: Ist jeder freundliche Elternabend informell?
Nein. Ein Elternabend kann freundlich und entspannt verlaufen und trotzdem eine offizielle Veranstaltung mit festen Zuständigkeiten und Tagesordnung sein. Beschreibe entweder die Atmosphäre als locker oder erläutere, welcher Teil tatsächlich außerhalb des formellen Ablaufs stattfindet.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
