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lasterhaft

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
lasterhaft
Worttrennung
las·ter·haft
Komparativ
lasterhafter
Superlativ
am lasterhaftesten

Gebrauch: Attributiv und prädikativ verwendbar; deutlich moralisch wertend. Bezug auf Laster als verwerfliche Neigung, nicht auf Lastkraftwagen.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Lasterhaft beschreibt ein Verhalten oder eine Lebensweise, die nach einer bestimmten moralischen Vorstellung als verwerflich gilt. Das Wort kann auch jemanden bezeichnen, der einem als schlecht bewerteten Hang nachgibt. Es enthält ein deutliches Urteil und ist keine neutrale Beobachtung.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Als moralisch verwerflich bewertet

Lasterhaft kann sich auf Menschen, Gewohnheiten, Vergnügungen oder eine ganze Lebensweise beziehen. Welche Verhaltensweisen dabei verurteilt werden, hängt von den Wertvorstellungen der sprechenden Person und vom historischen Zusammenhang ab.

Einem Laster ergeben: Mit Laster ist hier eine als schädlich oder verwerflich betrachtete Neigung gemeint. Das Adjektiv gehört damit zur moralischen Bedeutung des Nomens und nicht zum umgangssprachlichen Wort für Lastkraftwagen.

In älteren Erzählungen können etwa Vergnügungssucht oder ein ausschweifendes Leben als lasterhaft bezeichnet werden. Eine heutige Analyse sollte diese Bewertung der jeweiligen Stimme im Text zuordnen. Aus dem Wort allein ergibt sich weder eine medizinische Diagnose noch ein nachgewiesener Rechtsverstoß.

„Die Nachbarin nannte das Vergnügen lasterhaft, während die Gäste darin nichts Verwerfliches sahen.“

Das Wort gibt hier die moralische Bewertung einer bestimmten Person wieder. Die übrigen Beteiligten teilen sie nicht.

Synonyme: andere Wörter für lasterhaft

Die Ersatzwörter verändern oft die Stärke und den Maßstab des moralischen Urteils.

Eine moralische Verurteilung ausdrücken

moralisch verwerflich · sittenlos · verdorben

Moralisch verwerflich macht den Wertungsmaßstab ausdrücklich. Sittenlos bezieht sich besonders auf geltende sittliche Vorstellungen. Verdorben kann als pauschale Beurteilung einer Person noch stärker wirken. Alle drei Ausdrücke verlangen einen nachvollziehbaren Zusammenhang.

„Die Tante nennt sein Leben lasterhaft.“ → „Die Tante hält seine Lebensweise für moralisch verwerflich.“ Die zweite Fassung zeigt deutlicher, wessen Urteil wiedergegeben wird.

Ein konkretes Verhalten beschreiben

ausschweifend · genusssüchtig · hemmungslos

Diese Wörter setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ausschweifend bezeichnet übermäßiges Genießen, genusssüchtig ein starkes Verlangen nach Genuss. Hemmungslos kann auch andere Handlungen betreffen. Sie sind deshalb keine beliebig austauschbaren Etiketten.

„Der Erzähler beschreibt ihn als lasterhaft“ ist allgemeiner als „Der Erzähler zeigt, wie er jedes Einkommen sofort für Vergnügungen ausgibt“. Die zweite Fassung nennt eine konkrete Verhaltensweise.

Beispiele und Verwendung

Verschiedene Wertungen gegenüberstellen

„Im Roman verurteilt der Vater die Theaterbesuche seiner Tochter als lasterhaft; sie selbst sieht darin eine Freude an der Kunst.“

Die beiden Perspektiven widersprechen sich. Eine Interpretation sollte die väterliche Bewertung nicht ungeprüft als objektive Eigenschaft übernehmen.

Die Funktion eines Urteils erkennen

„Der Prediger zeichnet ein lasterhaftes Leben, um es seinem Ideal der Selbstbeherrschung gegenüberzustellen.“

Das Adjektiv erfüllt hier eine argumentative Funktion. Was als Laster gilt, muss aus dem beschriebenen Verhalten und dem Wertmaßstab erschlossen werden.

Grammatik und Beugung

Vor einem Nomen wird das Adjektiv gebeugt: „ein lasterhaftes Leben“, „wegen lasterhaften Verhaltens“. In prädikativer Verwendung bleibt die Grundform stehen: „Er gilt als lasterhaft.“ Die Steigerung lautet lasterhafter, am lasterhaftesten.

Die Form lasterhafter kann zweierlei sein: In „lasterhafter Genuss“ ist sie der gebeugte Positiv; in „Er erscheint lasterhafter als zuvor“ ist sie der Komparativ. Erst der Satz macht die Funktion eindeutig.

Starke Beugung: ohne Artikel
FallMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativlasterhafterlasterhaftelasterhafteslasterhafte
Genitivlasterhaftenlasterhafterlasterhaftenlasterhafter
Dativlasterhaftemlasterhafterlasterhaftemlasterhaften
Akkusativlasterhaftenlasterhaftelasterhafteslasterhafte
Schwache Beugung: mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativder lasterhaftedie lasterhaftedas lasterhaftedie lasterhaften
Genitivdes lasterhaftender lasterhaftendes lasterhaftender lasterhaften
Dativdem lasterhaftender lasterhaftendem lasterhaftenden lasterhaften
Akkusativden lasterhaftendie lasterhaftedas lasterhaftedie lasterhaften
Gemischte Beugung: mit ein; im Plural mit keine
FallMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativein lasterhaftereine lasterhafteein lasterhafteskeine lasterhaften
Genitiveines lasterhafteneiner lasterhafteneines lasterhaftenkeiner lasterhaften
Dativeinem lasterhafteneiner lasterhafteneinem lasterhaftenkeinen lasterhaften
Akkusativeinen lasterhafteneine lasterhafteein lasterhafteskeine lasterhaften

Wertung und Beleg auseinanderhalten

Für eine Charakterisierung ist die Frage „Wer nennt die Figur lasterhaft?“ oft ergiebiger als die bloße Übernahme des Wortes. Zeige anschließend ein Verhalten und erkläre, warum die betreffende Stimme es verurteilt.

Eine sachliche Formulierung kann lauten: „Die Figur wird von ihrem Umfeld als lasterhaft betrachtet, weil sie dessen strenge Vorstellungen vom richtigen Leben nicht teilt.“ Ob der Text diese Sicht bestätigt oder kritisiert, muss an weiteren Stellen geprüft werden.