roh
Roh bedeutet je nach Zusammenhang ungegart, noch unbearbeitet oder grob und rücksichtslos.
Was bedeutet roh?
Bei Lebensmitteln bezeichnet roh den ungegarten Zustand. Daraus allein folgt weder frisch noch verdorben: Garzustand und Frische sind unterschiedliche Merkmale.
Bei Materialien, Daten oder Texten meint roh häufig eine noch nicht weiterbearbeitete Ausgangsform. Eine rohe Fassung kann bereits verständliche Gedanken enthalten, aber noch sprachliche und sachliche Überarbeitung benötigen.
Bei Handlungen und Verhaltensweisen ist roh eine negative Wertung. Rohe Gewalt oder ein roher Umgang betonen die grobe, verletzende oder rücksichtslose Art. Diese Lesart muss von der neutraleren Materialbeschreibung getrennt werden.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die Zeichnung unterscheidet rohe und gegarte Zutaten.“ Gemeint ist der Garzustand.
- „Die rohe Fassung enthält noch Wiederholungen und offene Übergänge.“ Der Text liegt vor der abschließenden Überarbeitung vor.
- „Die Figur versucht, den Widerstand mit roher Gewalt zu brechen.“ Roh bewertet hier die brutale Art des Vorgehens.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Grob überschneidet sich mit roh bei unfeinem oder verletzendem Verhalten. Bei einem ungegarten Lebensmittel wäre es kein passender Ersatz.
Unvollständig bedeutet, dass Teile fehlen. Eine rohe Fassung kann schon alle Teile enthalten und trotzdem unbearbeitet wirken.
Schreibweise und Grammatik
Die Grundform lautet roh, mit Dehnungs-h. Bei der Beugung bleibt es erhalten: ein roher Entwurf, rohes Material.
Steigerung
Die Reihe lautet roh – roher – am rohesten, auch am rohsten. Es entsteht kein Umlaut. Ob ein Vergleich sinnvoll ist, hängt von der Lesart ab.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | roher | rohe | rohes | rohe |
| Genitiv | rohen | roher | rohen | roher |
| Dativ | rohem | roher | rohem | rohen |
| Akkusativ | rohen | rohe | rohes | rohe |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | rohe | rohe | rohe | rohen |
| Genitiv | rohen | rohen | rohen | rohen |
| Dativ | rohen | rohen | rohen | rohen |
| Akkusativ | rohen | rohe | rohe | rohen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | roher | rohe | rohes | rohen |
| Genitiv | rohen | rohen | rohen | rohen |
| Dativ | rohen | rohen | rohen | rohen |
| Akkusativ | rohen | rohe | rohes | rohen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Schreibwerkstatt sammelt Eva zunächst Gedanken in groben Sätzen. Anschließend ordnet sie die Absätze und ersetzt unklare Formulierungen.
Die erste Version ist eine rohe Fassung, weil ihre sprachliche Ausarbeitung noch aussteht. Ihre Gedanken müssen deshalb nicht wertlos sein.
Der Ausdruck bewertet den Bearbeitungsstand des Textes, nicht Evas persönliche Umgangsformen.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
