schauerlich
Form & Grammatik
- Stichwort
- schauerlich
- Worttrennung
- schau·er·lich
- Komparativ
- schauerlicher
- Superlativ
- am schauerlichsten
Schauder oder Entsetzen erregend; bei stark negativer Bewertung und als Verstärkung umgangssprachlich abwertend.
Definition · kurz erklärt
Schauerlich beschreibt etwas, das einen Schauder oder Entsetzen auslöst. Umgangssprachlich kann das Wort außerdem etwas als äußerst unangenehm bewerten oder eine andere Aussage stark verstärken. Der Zusammenhang entscheidet, ob Grusel, schlechte Qualität oder ein hoher Grad gemeint ist.
Bedeutungen
1 Schauder oder Entsetzen auslösend
Ein schauerlicher Anblick, ein Geräusch oder eine Erzählung kann erschrecken und einen Schauder hervorrufen. Die Wirkung kann von einer wirklichen Begebenheit oder von einer erfundenen Szene ausgehen. Das Wort beschreibt nicht von sich aus, wie wahrscheinlich eine Gefahr ist.
„Aus dem stillgelegten Schacht dringt ein schauerliches Heulen.“
Die Beschreibung setzt eine beängstigende Wirkung. Ob Wind, ein Tier oder etwas anderes das Geräusch verursacht, bleibt ungeklärt.
2 Äußerst unangenehm oder schlecht
Umgangssprachlich und abwertend kann schauerlich eine starke Unzufriedenheit ausdrücken. Eine schauerliche Darbietung muss keine Angst machen: Sie kann in den Augen der bewertenden Person schlicht sehr schlecht sein.
„Die Aufnahme klingt schauerlich, weil das Mikrofon ständig knackt.“
Der Nachsatz nennt einen konkreten Grund für das negative Urteil. Über den Inhalt des aufgenommenen Gesprächs sagt die technische Kritik nichts aus.
3 Eine Aussage stark verstärken
Umgangssprachlich kann schauerlich vor einem anderen Adjektiv oder bei einem Verb stark verstärkend stehen. In diesem abwertend gefärbten Gebrauch ist die wörtliche Vorstellung eines Schauders oft in den Hintergrund getreten.
„In ihrer Nachricht übertreibt sie schauerlich und macht aus drei Minuten eine ganze Stunde.“
Schauerlich verstärkt hier die Kritik am Übertreiben. Es behauptet kein tatsächliches Angstgefühl der Lesenden.
schauerlich: Synonyme und andere Wörter
Schauerlich, schaurig oder unheimlich?
Schaurig ist bei einer Gruselwirkung nahe verwandt. Unheimlich kann besonders die Beklemmung durch etwas schwer Erklärbares hervorheben.
Ein Ersatz muss die konkrete Lesart erhalten. Eine Geschichte kann mit Absicht schauerlich gestaltet sein und gerade deshalb als gelungene Unterhaltung gelten.
„Die Erzählung endet mit einem schauerlichen Klopfen.“ – „Die Erzählung endet mit einem unheimlichen Klopfen.“ Beide Fassungen betonen die Wirkung; keine beweist eine wirkliche Bedrohung.
Grauslich, entsetzlich schlecht oder sehr?
Grauslich ist besonders bairisch und österreichisch gefärbt. Entsetzlich schlecht macht ein Qualitätsurteil ausdrücklich; sehr kann eine bloße Verstärkung zurücknehmen.
Die stärkere Wertung und der Ton sind Teil der Aussage. Sehr ist deshalb nicht in jeder Verbindung ein gleichwertiger Ersatz.
„Die Probe war schauerlich“ kann eine übertriebene Kritik am Ergebnis sein. „Die Probe war sehr schlecht“ macht dieses Urteil eindeutiger und verzichtet auf das Bild des Schauders.
Beispiele und Verwendung
Eine Wirkung am Text erklären
„Die Szene wirkt schauerlich: Das Klopfen wird lauter, während die Ursache verborgen bleibt.“
Die Erklärung nennt ein erzählerisches Mittel. Sie lässt offen, ob später eine harmlose Auflösung folgt.
Eine Kritik nachvollziehbar machen
„Die Tonspur ist schauerlich verzerrt; einzelne Wörter sind kaum verständlich.“
Der konkrete Befund macht die starke Wertung überprüfbar. Eine bloße Wiederholung von schauerlich würde den Mangel nicht erklären.
Wertung und Ereignis trennen
„Sie nennt den Abend schauerlich, weil die Heizung ausfiel und der Vortrag ständig unterbrochen wurde.“
Der Satz ordnet die Wertung einer Person zu und nennt ihre Gründe. Andere Teilnehmende können denselben Abend anders erlebt haben.
Grammatik und Beugung
Die Worttrennung lautet schau·er·lich. Die Steigerung heißt schauerlich, schauerlicher, am schauerlichsten. Sie kann eine stärkere Gruselwirkung oder eine stärkere negative Bewertung ausdrücken. In einer bereits verstärkenden Verbindung wie schauerlich übertreiben bleibt die Grundform üblich.
Vor einem Nomen erhält das Adjektiv eine passende Endung: ein schauerlicher Laut, eine schauerliche Aufnahme. Nach sein oder wirken und bei einer näheren Bestimmung steht es ohne diese Kasusendung: Die Aufnahme klingt schauerlich; die Stimme ist schauerlich verzerrt. Der Satzgebrauch allein macht daraus kein neu zu erfindendes weiteres Lexem.
Die drei Tabellen zeigen die tatsächlich belegten Formen der Grundstufe. Im Plural der gemischten Beugung wird keine verwendet, weil ein keinen Plural besitzt. Nur die tatsächlichen Adjektivendungen sind markiert.
| Fall | Maskulinum | Femininum | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | schauerlicher | schauerliche | schauerliches | schauerliche |
| Genitiv | schauerlichen | schauerlicher | schauerlichen | schauerlicher |
| Dativ | schauerlichem | schauerlicher | schauerlichem | schauerlichen |
| Akkusativ | schauerlichen | schauerliche | schauerliches | schauerliche |
| Fall | Maskulinum | Femininum | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der schauerliche | die schauerliche | das schauerliche | die schauerlichen |
| Genitiv | des schauerlichen | der schauerlichen | des schauerlichen | der schauerlichen |
| Dativ | dem schauerlichen | der schauerlichen | dem schauerlichen | den schauerlichen |
| Akkusativ | den schauerlichen | die schauerliche | das schauerliche | die schauerlichen |
| Fall | Maskulinum | Femininum | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein schauerlicher | eine schauerliche | ein schauerliches | keine schauerlichen |
| Genitiv | eines schauerlichen | einer schauerlichen | eines schauerlichen | keiner schauerlichen |
| Dativ | einem schauerlichen | einer schauerlichen | einem schauerlichen | keinen schauerlichen |
| Akkusativ | einen schauerlichen | eine schauerliche | ein schauerliches | keine schauerlichen |
