schuldig
Schuldig bedeutet Schuld an etwas tragend oder jemandem eine Leistung, Erklärung oder andere Verpflichtung noch nicht erfüllt habend.
Was bedeutet schuldig?
In der ersten Bedeutung trägt jemand Verantwortung für ein Unrecht oder einen Fehler. Rechtliche Schuld, eine moralische Bewertung und ein persönliches Schuldgefühl sind dabei zu unterscheiden. Dass sich jemand schuldig fühlt, beweist für sich allein keine tatsächlich begangene Tat.
In der zweiten Bedeutung ist etwas noch geschuldet: Eine Person kann jemandem Geld oder eine Erklärung schuldig sein. Das Wort bezeichnet dann eine offene Verpflichtung. Es behauptet nicht automatisch, dass eine Straftat begangen oder absichtlich falsch gehandelt wurde.
In gehobenen Verbindungen wie schuldiger Respekt bedeutet das Adjektiv so viel wie gebührend oder pflichtgemäß entgegenzubringen. Diese Verwendung ist heute weniger alltäglich. Der Zusammenhang entscheidet, ob eine Schuldzuweisung oder eine Erwartung gemeint ist.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die Figur fühlt sich nach dem Streit schuldig.“ Beschrieben wird zunächst ihr Empfinden, nicht ein bewiesener Rechtsverstoß.
- „Ich bin dir noch zehn Euro schuldig.“ Eine Zahlung steht noch aus.
- „Die Rednerin erweist dem Verstorbenen die schuldige Achtung.“ Achtung wird als angemessen und gebührend dargestellt.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Verdächtig bezeichnet einen Verdacht. Es ist keine gleichwertige Aussage darüber, ob jemand tatsächlich schuldig ist.
Verantwortlich kann auch eine neutrale Zuständigkeit meinen. Schuldig enthält in der ersten Lesart eine zusätzliche negative Bewertung oder rechtliche Feststellung.
Schreibweise und Grammatik
Schuldig schreibt man mit d. Typisch sind jemandem etwas schuldig sein mit Dativ und sich einer Sache schuldig machen mit Genitiv. Gebeugt heißt es etwa ein schuldiger Beteiligter und die schuldige Anerkennung.
Steigerung
Schuldig – schuldiger – am schuldigsten sind beim Vergleich von Verantwortungsanteilen oder Empfindungen möglich. Eine offene Geldsumme ist dagegen größer, nicht grammatisch schuldiger.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | schuldiger | schuldige | schuldiges | schuldige |
| Genitiv | schuldigen | schuldiger | schuldigen | schuldiger |
| Dativ | schuldigem | schuldiger | schuldigem | schuldigen |
| Akkusativ | schuldigen | schuldige | schuldiges | schuldige |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | schuldige | schuldige | schuldige | schuldigen |
| Genitiv | schuldigen | schuldigen | schuldigen | schuldigen |
| Dativ | schuldigen | schuldigen | schuldigen | schuldigen |
| Akkusativ | schuldigen | schuldige | schuldige | schuldigen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | schuldiger | schuldige | schuldiges | schuldigen |
| Genitiv | schuldigen | schuldigen | schuldigen | schuldigen |
| Dativ | schuldigen | schuldigen | schuldigen | schuldigen |
| Akkusativ | schuldigen | schuldige | schuldiges | schuldigen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Erzählung hat eine Figur einen Streit beobachtet, aber nicht ausgelöst. Später macht sie sich Vorwürfe, weil sie nicht eingegriffen hat. Eine Analyse unterscheidet ihr Schuldgefühl von der Frage nach ihrem tatsächlichen Handlungsspielraum.
Die Figur empfindet sich als schuldig. Ob sie den Ausgang überhaupt hätte verhindern können, bleibt nach der Szene offen.
Die Formulierung macht die Perspektive sichtbar. Sie erklärt nicht jeden Vorwurf für gerechtfertigt und ersetzt keine rechtliche Beurteilung eines wirklichen Geschehens.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
