sitt
Sitt ist ein bewusst vorgeschlagenes Wort für nicht mehr durstig. Es wurde 1999 in einem Wortfindungswettbewerb ausgewählt, ist aber kein allgemein geläufiger Ersatz für die verständliche Umschreibung.
Was bedeutet sitt?
Die Idee hinter dem Wort ist einfach: Nach dem Essen kann man satt sein; für den entsprechenden Zustand nach dem Trinken sollte ein ähnlich kurzes Adjektiv entstehen. Sitt bezeichnet in diesem Vorschlag also den gestillten Durst, nicht ein allgemeines Wohlgefühl.
Dass ein Wort vorgeschlagen oder in einem Wettbewerb ausgewählt wird, bedeutet nicht, dass es sich im Alltag breit durchsetzt. Sprache wird durch tatsächlichen Gebrauch getragen. Wer sitt verwendet, sollte deshalb damit rechnen, es erklären zu müssen. „Ich habe keinen Durst mehr“ funktioniert dagegen ohne dieses zusätzliche Vorwissen.
Schreibweise und Grammatik
Der Vorschlag ist als Adjektiv angelegt und wird kleingeschrieben: Ich bin sitt. Für einen allgemeinen Gebrauch ist vor allem diese ungebeugte Verwendung nach sein verständlich. Eine Tabelle vermeintlich fest etablierter Steigerungs- oder Beugungsformen würde die tatsächliche Gebräuchlichkeit des Wortes überzeichnen.
Man kann sich nach dem Muster anderer Adjektive zwar grammatisch Formen vorstellen. Daraus folgt aber nicht, dass diese sprachlich üblich oder den Lesenden vertraut sind. Im normalen Text empfiehlt sich daher eine Formulierung wie ohne Durst oder nicht mehr durstig, wenn kein Wortspiel beabsichtigt ist.
| Ausdruck | Gemeint ist |
|---|---|
| sitt | Wortvorschlag: nicht mehr durstig |
| satt | nicht mehr hungrig |
| erfrischt | angenehm belebt oder abgekühlt |
| nicht mehr durstig | unmittelbar verständliche Umschreibung |
Drei eigene Beispiele mit Erklärung
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
„Nach dem Trinken bin ich nicht mehr durstig.“
Die gewöhnliche Umschreibung nennt den Zustand unmittelbar und verlangt keine Erklärung eines neuen Wortes.
„In unserem erfundenen Dialog sagt Tom scherzhaft: ‚Jetzt bin ich sitt.‘“
Die Kennzeichnung als Scherz macht deutlich, dass ein ungewöhnlicher Wortvorschlag eingesetzt wird.
„Die Klasse diskutiert, warum sich manche neuen Wörter verbreiten und andere kaum.“
Sitt eignet sich als Beispiel für den Unterschied zwischen Worterfindung und allgemeinem Sprachgebrauch.
Bedeutungsunterschiede und Verwendung
Satt bezieht sich gewöhnlich auf gestillten Hunger; durstlos ist verständlich, aber nicht in jeder Situation ebenso gebräuchlich wie nicht durstig. Erfrischt beschreibt ein Gefühl und ist nicht gleichbedeutend: Jemand kann sich nach einer Dusche erfrischt fühlen und trotzdem Durst haben.
Für die Beschäftigung mit Sprache zeigt das Wort, dass ein fehlendes Einzelwort nicht bedeutet, dass sich ein Gedanke nicht ausdrücken lässt. Die Umschreibung erfüllt den Zweck bereits. Ein neuer Ausdruck kann zusätzlich witzig, knapp oder einprägsam sein; ob er dauerhaft gebraucht wird, lässt sich nicht durch seine Einführung allein entscheiden.
Kurz üben
Ist jemand nach einer Abkühlung automatisch sitt?
Lösung und Erklärung
Nein. Erfrischt und nicht mehr durstig sind unterschiedliche Zustände. Wer den seltenen Wortvorschlag sitt verwendet, meint den gestillten Durst.
Weitere Wörter findest du im Stichwörterbuch.
