taub
Form & Grammatik
- Stichwort
- taub
- Worttrennung
- taub
- Komparativ
- tauber
- Superlativ
- am taubsten
Die Formen tauber und am taubsten sind sprachlich möglich, etwa für einen zunehmenden Eindruck fehlender Empfindung. Eine Identitätszuordnung oder medizinische Einordnung lässt sich damit nicht sinnvoll pauschal abstufen.
Taub kann gehörlos bedeuten, eine verminderte oder fehlende Empfindung beschreiben oder übertragen eine fehlende Reaktion auf Worte und Bitten ausdrücken.
Was bedeutet taub?
Bei Menschen kann taub eine Selbstbezeichnung im Zusammenhang mit Gehörlosigkeit und der Gebärdensprachgemeinschaft sein. Daraus folgt nicht, dass jemand sprachlos oder stumm ist. In der konkreten Ansprache ist die Selbstbezeichnung der Person maßgeblich.
Ein tauber Finger betrifft dagegen die Empfindung und nicht das Hören. Übertragen kann jemand „für Bitten taub“ sein, also auf sie nicht eingehen. Diese Wendung behauptet nicht unbedingt einen Hörverlust.
Weitere sachliche Verwendungen sind etwa taube Nüsse ohne ausgebildeten verwertbaren Kern oder im Bergbau taubes Gestein ohne den gesuchten nutzbaren Rohstoff. Die verschiedenen Bedeutungen dürfen nicht ineinander übertragen werden.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die taube Referentin hält den Vortrag in Gebärdensprache.“ Taub bedeutet hier nicht, dass sie sich nicht sprachlich ausdrücken könnte.
- „Nach langem Druck fühlte sich sein Finger taub an.“ Gemeint ist die Empfindung im Finger; der Satz stellt keine Diagnose.
- „Die Figur blieb für alle Einwände taub.“ Die übertragene Wendung beschreibt das Nichtaufgreifen der Einwände.
Synonyme für taub: passend zum Zusammenhang
Taub besitzt mehrere getrennte Verwendungen: Es kann Gehörlosigkeit, fehlende Empfindung oder bildlich das Nichtaufgreifen von Worten bezeichnen. Ein Ersatzwort muss diese Bereiche auseinanderhalten. Bei Menschen ist außerdem die gewählte Selbstbezeichnung wichtig. Taub bedeutet weder sprachlos noch grundsätzlich unfähig zur sprachlichen Kommunikation.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| gehörlos | Bezeichnung im Zusammenhang mit dem Hören | Ist eine mögliche Entsprechung; individuelle Selbstbezeichnungen sollten nicht ungefragt korrigiert werden. |
| gefühllos an dieser Stelle | beschriebener körperlicher Empfindung | Muss ausdrücklich auf eine Körperstelle bezogen sein, damit keine emotionale Haltung unterstellt wird. |
| für Einwände unzugänglich | übertragenem Nichtberücksichtigen von Kritik | Erklärt die Haltung ohne die bildliche Verbindung zum Hören. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Die taube Referentin hält ihren Vortrag in Gebärdensprache.“
Alternative: „Die gehörlose Referentin hält ihren Vortrag in Gebärdensprache.“
Beide beschreiben hier den Hörkontext. Welche Bezeichnung die Person selbst verwendet, ist zu berücksichtigen. Ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit wird durch die Gehörlosigkeit nicht verneint.
Ausgangssatz: „Der Leiter bleibt für die Einwände taub.“
Alternative: „Der Leiter bleibt für die Einwände unzugänglich.“
Die Umschreibung stellt klar, dass er die Gründe nicht aufgreift. Es geht nicht um sein Hörvermögen. Ob er die Einwände kennt, sollte die Szene erkennen lassen.
Hier passt der Austausch nicht: Schwerhörig ist nicht automatisch gleichbedeutend. Die veraltete pauschale Bezeichnung taubstumm verbindet Hören zudem unzutreffend mit fehlender Sprachfähigkeit und ist kein geeigneter allgemeiner Ersatz.
Ein tauber Finger gehört zu einer anderen Lesart als ein tauber Mensch. Im Sachzusammenhang können auch Nüsse oder Gestein taub heißen; dann ist der fehlende nutzbare Inhalt gemeint. Solche Verwendungen dürfen nicht auf Menschen übertragen werden. Für eine klare Beschreibung ist häufig eine genaue Umschreibung des jeweiligen Merkmals am hilfreichsten.
Weitere Abgrenzungen: Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Gehörlos ist im Hörkontext eine mögliche Entsprechung. Schwerhörig ist nicht in jedem Zusammenhang gleichbedeutend und sollte nicht wahllos ersetzt werden.
Die veraltete Bezeichnung taubstumm verbindet Hören fälschlich pauschal mit Sprachfähigkeit. Für taube Menschen ist sie im Allgemeinen unpassend.
Schreibweise und Grammatik
Taub wird vor einem Nomen gebeugt: ein tauber Mensch, mit tauben Fingern. Im übertragenen Gebrauch heißt es etwa taub für Kritik. Als Selbstbezeichnung ist der jeweilige Sprachgebrauch der Person zu respektieren.
Steigerung
Die Formen tauber und am taubsten sind sprachlich möglich, etwa für einen zunehmenden Eindruck fehlender Empfindung. Eine Identitätszuordnung oder medizinische Einordnung lässt sich damit nicht sinnvoll pauschal abstufen.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | tauber | taube | taubes | taube |
| Genitiv | tauben | tauber | tauben | tauber |
| Dativ | taubem | tauber | taubem | tauben |
| Akkusativ | tauben | taube | taubes | taube |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | taube | taube | taube | tauben |
| Genitiv | tauben | tauben | tauben | tauben |
| Dativ | tauben | tauben | tauben | tauben |
| Akkusativ | tauben | taube | taube | tauben |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | tauber | taube | taubes | tauben |
| Genitiv | tauben | tauben | tauben | tauben |
| Dativ | tauben | tauben | tauben | tauben |
| Akkusativ | tauben | taube | taubes | tauben |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: Eine erfundene Erzählung zeigt, dass ein Leiter die Warnung deutlich hört und sogar wiederholt, sie aber bei seiner Entscheidung nicht berücksichtigt.
Der Leiter ist für die Warnung taub: Nicht sein Hören, sondern sein Umgang mit dem verstandenen Hinweis steht zur Kritik.
Die zusätzliche Handlung klärt die übertragene Bedeutung. Ohne sie wäre die Wendung missverständlich.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
