ultramontan
Ultramontan bezeichnet besonders in historischen Zusammenhängen eine starke Ausrichtung auf den Papst und die kirchliche Autorität in Rom.
Was bedeutet ultramontan?
Im kirchlich-politischen Sprachgebrauch steht die Bindung an Rom im Vordergrund. Das Wort begegnet besonders bei der Beschäftigung mit dem Katholizismus des 19. Jahrhunderts. Es ist nicht einfach ein anderes Wort für katholisch: Gemeint ist eine bestimmte Ausrichtung innerhalb dieses Zusammenhangs.
Die Bezeichnung konnte auch polemisch verwendet werden. Politische Gegner konnten damit behaupten, kirchliche Bindung verdränge die Loyalität zum eigenen Staat. Beim Lesen historischer Texte ist deshalb zu fragen, wer die Bezeichnung verwendet und welche Bewertung damit verbunden wird.
Die zugrunde liegende räumliche Vorstellung lautet „jenseits der Berge“, insbesondere der Alpen. Daneben ist ein älterer geografischer Gebrauch belegt. Welche Seite der Alpen gemeint ist, hängt dann vom Sprecherstandpunkt ab; der kirchenpolitische Begriff darf nicht rein geografisch übersetzt werden.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Der Aufsatz untersucht die ultramontane Ausrichtung einer historischen Zeitung.“ Gefragt ist ihre Orientierung an der päpstlichen Autorität, nicht der Standort ihrer Druckerei.
- „Die Figur nennt ihre Gegner ultramontan und wirft ihnen mangelnde Unabhängigkeit vor.“ Das Wort erscheint als Teil einer polemischen Bewertung.
- „Katholisch und ultramontan werden im Text nicht gleichgesetzt.“ Konfessionelle Zugehörigkeit und eine besondere kirchenpolitische Ausrichtung bleiben getrennt.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Ultrakonservativ beschreibt eine besonders stark bewahrende Ausrichtung. Ultramontan ist enger auf die Orientierung an Rom bezogen. Beide Wörter können in einem historischen Zusammenhang zusammentreffen, sind aber keine vollständigen Synonyme.
Religiös ist sehr viel weiter. Es kann verschiedenste religiöse Überzeugungen und Praktiken bezeichnen, ohne einen Bezug zum Papst vorauszusetzen.
Schreibweise und Grammatik
Die Schreibung lautet ultramontan. Vor einem Nomen heißt es eine ultramontane Haltung, mit ultramontanen Vorstellungen. Das zugehörige Nomen wird großgeschrieben: Ultramontanismus.
Steigerung
Als historische Zuordnung wird gewöhnlich die Grundform verwendet. Unterschiede in der Bindung an die päpstliche Autorität lassen sich genauer durch konkrete Positionen und Entscheidungen beschreiben.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ultramontaner | ultramontane | ultramontanes | ultramontane |
| Genitiv | ultramontanen | ultramontaner | ultramontanen | ultramontaner |
| Dativ | ultramontanem | ultramontaner | ultramontanem | ultramontanen |
| Akkusativ | ultramontanen | ultramontane | ultramontanes | ultramontane |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ultramontane | ultramontane | ultramontane | ultramontanen |
| Genitiv | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen |
| Dativ | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen |
| Akkusativ | ultramontanen | ultramontane | ultramontane | ultramontanen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ultramontaner | ultramontane | ultramontanes | ultramontanen |
| Genitiv | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen |
| Dativ | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen | ultramontanen |
| Akkusativ | ultramontanen | ultramontane | ultramontanes | ultramontanen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Übung zur Quellenanalyse bezeichnet ein politischer Redner eine katholische Zeitung als ultramontan. Die Lernenden sollen zunächst die Bedeutung der Bezeichnung erläutern, bevor sie den Vorwurf prüfen.
Mit ultramontan ordnet der Redner die Zeitung einer stark auf Rom ausgerichteten Haltung zu. Ob seine weitergehende Kritik zutrifft, muss an ihren tatsächlichen Positionen untersucht werden.
Die Erklärung trennt Wortbedeutung, Sprecherabsicht und historische Überprüfung. Der Beispielsatz ist keine überlieferte historische Quelle.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
