unbegreiflich
Form & Grammatik
- Stichwort
- unbegreiflich
- Worttrennung
- un·be·greif·lich
- Komparativ
- unbegreiflicher
- Superlativ
- am unbegreiflichsten
Die wahrnehmende Person steht im Dativ: mir unbegreiflich. Vergleichsformen können größere Verständnisschwierigkeit ausdrücken; als bloße Verstärkung bleibt das Wort unverändert.
Unbegreiflich bedeutet nicht oder nur äußerst schwer zu verstehen oder nachzuvollziehen.
Was bedeutet unbegreiflich?
Das Wort kann eine gedankliche Schwierigkeit benennen: Ein Zusammenhang erschließt sich einer Person nicht. Es kann aber auch starkes Erstaunen oder Unverständnis über ein Verhalten ausdrücken. In „Das ist mir unbegreiflich“ steht die Perspektive des Sprechers ausdrücklich im Mittelpunkt.
Unbegreiflichkeit kann vorläufig sein. Fehlende Informationen können später einen Zusammenhang erklären. Bei menschlichem Verhalten bleibt zudem zu unterscheiden zwischen dem Verstehen eines Motivs und seiner Billigung. Eine Handlung kann nachvollziehbar erklärt werden, ohne dadurch richtig zu werden.
Vor einem anderen Adjektiv kann unbegreiflich auch ein außergewöhnlich hohes Maß ausdrücken: unbegreiflich groß verstärkt dann die Größenvorstellung. Die Wendung muss keine sachliche Unmöglichkeit des Verstehens behaupten.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Ohne die fehlende Seite bleibt ihr der Gedankengang unbegreiflich.“ Das Verständnis scheitert an einer benannten Informationslücke.
- „Ihm ist unbegreiflich, weshalb die Gruppe den einfachen Vorschlag ablehnt.“ Der Satz zeigt sein Unverständnis, nicht die objektive Grundlosigkeit der Ablehnung.
- „Nach der Erklärung wirkt der zunächst unbegreifliche Entschluss nachvollziehbarer.“ Zusätzliche Informationen verändern die Bewertung.
Synonyme für unbegreiflich: passend zum Zusammenhang
Unbegreiflich kann ein Verständnisproblem oder starkes Erstaunen ausdrücken. Die geeignete Alternative hängt davon ab, ob Informationen fehlen, ein Motiv unklar bleibt oder jemand etwas besonders erstaunlich findet. Ein Verhalten nicht zu billigen ist zudem etwas anderes, als seinen Grund nicht zu verstehen. Diese beiden Urteile sollten beim Wortwechsel auseinandergehalten werden.
| Alternative | Passender Zusammenhang | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| unverständlich | Gedanken oder Verhalten, die sich nicht erschließen | Nahe Alternative; kann zusätzlich eine undeutliche Ausdrucksweise betreffen. |
| nicht nachvollziehbar | Fehlender Zugang zu einem Gedankengang oder Motiv | Benötigt möglichst eine Perspektive und den Grund des Verständnisproblems. |
| erstaunlich | Starke Verwunderung über etwas | Schwächer; setzt keine grundsätzliche Schwierigkeit des Verstehens voraus. |
Eigene Satzbeispiele: Was ändert sich?
Ausgangssatz: „Ohne die erste Rechenzeile bleibt mir der Lösungsweg unbegreiflich.“
Alternative: „Ohne die erste Rechenzeile bleibt mir der Lösungsweg unverständlich.“
Die Informationslücke und die persönliche Perspektive bleiben ausdrücklich genannt. Mit der fehlenden Zeile könnte sich das Problem auflösen; der Weg wird nicht als grundsätzlich falsch bezeichnet.
Ausgangssatz: „Ihre unbegreiflich schnelle Erholung überraschte die ganze Gruppe.“
Alternative: „Ihre erstaunlich schnelle Erholung überraschte die ganze Gruppe.“
Erstaunlich nimmt die starke Übertreibung zurück. Die zweite Fassung sagt weniger darüber, ob eine Erklärung tatsächlich fehlt, und mehr über die Verwunderung der Beobachtenden.
Nicht gleichbedeutend: Unglaublich kann Zweifel an der Wahrheit ausdrücken. Ein zweifelsfrei geschehenes Ereignis kann dennoch unbegreiflich wirken, wenn niemand seinen Ablauf versteht. Unerklärlich betrifft das Fehlen einer Erklärung und sollte ebenfalls nicht vorschnell absolut verwendet werden.
Beim Formulieren: Aus mir unbegreiflich wird für mich nicht nachvollziehbar: Die Umschreibung verändert den Anschluss. Wer die Perspektive streicht, macht aus persönlichem Unverständnis leicht eine allgemeine Behauptung.
In einer Analyse lässt sich der fehlende Zusammenhang oft direkt benennen: Welche Information kennt die Figur noch nicht, welches Motiv bleibt verborgen? Das hilft mehr als eine bloße Steigerung des Erstaunens.
Weitere Abgrenzungen: Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Unverständlich kann stärker eine unklare Formulierung oder Darstellung bezeichnen. Unbegreiflich betont häufig die Schwierigkeit, einen Zusammenhang innerlich zu erfassen.
Unglaublich kann ausdrücken, dass etwas kaum glaubhaft erscheint. Eine glaubhaft berichtete Handlung kann trotzdem unbegreiflich bleiben, wenn ihr Motiv nicht verstanden wird.
Schreibweise und Grammatik
Man schreibt unbegreiflich mit ei. Formen sind ein unbegreiflicher Vorgang und wegen unbegreiflicher Entscheidungen. Die Verbindung jemandem unbegreiflich sein verlangt den Dativ: mir, ihr, ihnen.
Steigerung
Vergleichsformen wie unbegreiflicher und am unbegreiflichsten sind vor allem bei einer wertenden Abstufung verständlich. Für eine genaue Erklärung ist hilfreicher, die fehlende Information oder den Widerspruch zu nennen.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unbegreiflicher | unbegreifliche | unbegreifliches | unbegreifliche |
| Genitiv | unbegreiflichen | unbegreiflicher | unbegreiflichen | unbegreiflicher |
| Dativ | unbegreiflichem | unbegreiflicher | unbegreiflichem | unbegreiflichen |
| Akkusativ | unbegreiflichen | unbegreifliche | unbegreifliches | unbegreifliche |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unbegreifliche | unbegreifliche | unbegreifliche | unbegreiflichen |
| Genitiv | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen |
| Dativ | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen |
| Akkusativ | unbegreiflichen | unbegreifliche | unbegreifliche | unbegreiflichen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unbegreiflicher | unbegreifliche | unbegreifliches | unbegreiflichen |
| Genitiv | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen |
| Dativ | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen | unbegreiflichen |
| Akkusativ | unbegreiflichen | unbegreifliche | unbegreifliches | unbegreiflichen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Erzählung sagt eine Figur ihre Teilnahme an einer lang erwarteten Reise ab. Zunächst kennt niemand den Grund; später wird eine familiäre Verpflichtung sichtbar.
Der Entschluss erscheint den Freunden zuerst unbegreiflich. Die spätere Information verändert nicht den Entschluss selbst, sondern ihren Zugang zu seinem Motiv.
Die Analyse kennzeichnet die begrenzte Perspektive. Sie behandelt das erste Unverständnis nicht als endgültiges Urteil über die Figur.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
