vermessen

Vermessen bezeichnet ein überzogenes Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten oder einen Anspruch, der als anmaßend erscheint.

Adjektivliste & Wortwerkstatt öffnen

Was bedeutet vermessen?

Wer einen Plan vermessen nennt, hält ihn nicht bloß für anspruchsvoll. In der Bezeichnung steckt der Vorwurf, dass jemand Grenzen, Schwierigkeiten oder berechtigte Ansprüche anderer missachtet. Das Wort ist wertend und klingt meist gehoben.

Die Form begegnet außerdem beim Verb vermessen: Ein vermessenes Grundstück wurde in seinen Maßen erfasst. Diese Bedeutung hat mit einem anmaßenden Verhalten nichts zu tun. Erst der Satz zeigt, welche Verwendung gemeint ist.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Ohne den Text gelesen zu haben, hielt er jedes andere Urteil für falsch – ein vermessener Anspruch.“ Die Überheblichkeit liegt hier im Anspruch auf ausschließliche Richtigkeit ohne Prüfung.
  • „Es wäre vermessen, aus dieser einen Beobachtung die gesamte Figur erklären zu wollen.“ Die Formulierung begrenzt eine Interpretation, weil die Grundlage nicht ausreicht.
  • „Auf dem Plan sind die neu vermessenen Grundstücke markiert.“ Hier ist das Partizip des Verbs gemeint: Die Flächen wurden ausgemessen.

Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Unüberlegt beschreibt fehlendes Nachdenken. Vermessen hebt besonders die unangemessene Selbstüberschätzung oder den überzogenen Anspruch hervor.

Unvernünftig ist weiter gefasst. Ein unvernünftiger Entschluss muss nicht auf übergroßem Selbstvertrauen beruhen.

Schreibweise und Grammatik

Man schreibt vermessen mit doppeltem s. Das Adjektiv steht etwa in ein vermessener Plan; die unveränderte Form folgt in der Anspruch ist vermessen. Das gleichlautende Verb wird aus dem Zusammenhang unterschieden.

Steigerung

Als wertendes Adjektiv ist die Steigerung vermessen – vermessener – am vermessensten möglich. Bei einem ausgemessenen Gegenstand bezeichnet vermessen dagegen einen Vorgang; eine Steigerung passt dort nicht.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativvermessenervermessenevermessenesvermessene
Genitivvermessenenvermessenervermessenenvermessener
Dativvermessenemvermessenervermessenemvermessenen
Akkusativvermessenenvermessenevermessenesvermessene
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativvermessenevermessenevermessenevermessenen
Genitivvermessenenvermessenenvermessenenvermessenen
Dativvermessenenvermessenenvermessenenvermessenen
Akkusativvermessenenvermessenevermessenevermessenen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativvermessenervermessenevermessenesvermessenen
Genitivvermessenenvermessenenvermessenenvermessenen
Dativvermessenenvermessenenvermessenenvermessenen
Akkusativvermessenenvermessenevermessenesvermessenen

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: Eine erfundene Romanfigur kennt nur den Anfang eines Konflikts. Trotzdem beansprucht sie, als einzige Person alle Beteiligten und ihre Absichten vollständig zu verstehen.

Der Anspruch der Figur wirkt vermessen: Ihre begrenzte Kenntnis steht im Widerspruch zu der Sicherheit, mit der sie alle anderen Urteile verwirft.

Die Charakterisierung erklärt das Werturteil durch den Gegensatz von Wissensstand und Anspruch. Selbstvertrauen allein wäre dafür kein ausreichender Beleg.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.