Meine Wörter

gewinnend

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
gewinnend
Worttrennung
ge·win·nend
Komparativ
gewinnender
Superlativ
am gewinnendsten

Steigerung bei sympathischer Wirkung. Ein gewinnendes Auftreten ist keine Aussage über einen tatsächlichen Sieg und kein Beleg moralischer Zuverlässigkeit.

Formen und Verwendung im Detail

Gewinnend beschreibt eine liebenswürdige, angenehme Art, die andere für jemanden einnimmt und Sympathie entstehen lässt.

Was bedeutet gewinnend?

Gewinnend bezeichnet die positive Wirkung einer Person oder ihres Auftretens auf andere. Ein gewinnendes Lächeln, eine zugewandte Antwort oder eine unaufdringliche Begrüßung kann Nähe erleichtern und anfängliche Zurückhaltung vermindern. Dabei geht es nicht um einen Wettkampfsieg oder einen finanziellen Gewinn, sondern bildlich darum, Menschen für sich einzunehmen.

Die Wirkung muss nicht aus besonders auffälligem Verhalten entstehen. Gerade ruhige Aufmerksamkeit, verständnisvolle Reaktionen oder ein freundlicher Umgang mit einer peinlichen Situation können gewinnend sein. Das Wort ist meist anerkennend. Es beschreibt jedoch zunächst, wie jemand auf das Gegenüber wirkt; über sämtliche Absichten oder späteren Handlungen ist damit noch nichts entschieden.

In einer Erzählung kann dieser erste Eindruck bestätigt oder enttäuscht werden. Eine Figur gewinnt schnell Vertrauen und handelt später zuverlässig, oder sie nutzt ihre angenehme Art gezielt, um Bedenken zu zerstreuen. Beides ist sprachlich möglich. Eine Analyse sollte deshalb die gewinnende Wirkung nicht automatisch mit Ehrlichkeit verwechseln, ihr aber auch nicht ohne Textbeleg Manipulation unterstellen.

Drei Beispiele für gewinnend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Mit gewinnender Offenheit gestand die neue Kollegin ihren kleinen Irrtum ein und nahm damit der angespannten Runde die Verlegenheit.“

Die freundliche, unkomplizierte Reaktion erleichtert den Umgang. Der Satz benennt eine Wirkung auf andere.

„Sein gewinnendes Lächeln ermutigte den schüchternen Gast, sich an dem Gespräch zu beteiligen.“

Hier trägt eine zugewandte Geste zur Annäherung bei. Lautstärke oder demonstrative Selbstdarstellung sind dafür nicht nötig.

„Die Besucherin fand seine Art zunächst gewinnend, prüfte später aber trotzdem die widersprüchlichen Angaben.“

Angenehmer Eindruck und sachliche Überprüfung bleiben getrennt. Das Beispiel lässt die weitere Bewertung offen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

charmant
Ist bei liebenswürdigem, einnehmendem Auftreten sehr nahe. Beide Wörter können denselben Eindruck beschreiben; eine starre Trennung wäre unpassend.
freundlich
Betont den wohlwollenden Umgang. Gewinnend hebt besonders dessen einnehmende Wirkung und das Entstehen von Sympathie hervor.
siegreich
Bezeichnet einen gewonnenen Wettkampf oder eine erfolgreiche Auseinandersetzung. Diese Ergebnisbedeutung ist nicht mit dem festen Adjektiv gewinnend gleichzusetzen.

Schreibung und Grammatik

Gewinnend hat die Form des Partizips I von gewinnen. Adjektivisch heißt es ein gewinnender Ton, eine gewinnende Art und ein gewinnendes Lächeln. Steigerungen sind gewinnender, am gewinnendsten. In sie lächelt gewinnend beschreibt das unveränderte Adjektiv adverbial die Art und Wirkung des Lächelns.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von gewinnend

Ein gewinnendes Lächeln nimmt andere für jemanden ein. Das beschreibt eine sympathische Wirkung und ist keine Aussage über einen Sieg oder finanziellen Gewinn.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgewinnendergewinnendegewinnendesgewinnende
Genitivgewinnendengewinnendergewinnendengewinnender
Dativgewinnendemgewinnendergewinnendemgewinnenden
Akkusativgewinnendengewinnendegewinnendesgewinnende
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgewinnendegewinnendegewinnendegewinnenden
Genitivgewinnendengewinnendengewinnendengewinnenden
Dativgewinnendengewinnendengewinnendengewinnenden
Akkusativgewinnendengewinnendegewinnendegewinnenden
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgewinnendergewinnendegewinnendesgewinnenden
Genitivgewinnendengewinnendengewinnendengewinnenden
Dativgewinnendengewinnendengewinnendengewinnenden
Akkusativgewinnendengewinnendegewinnendesgewinnenden

Herkunft und Wortbildung

Die Wortbildung verbindet gewinnen mit der Partizipendung -d am Infinitiv. Für die feste Eigenschaftsbedeutung ist die Vorstellung maßgeblich, andere für sich zu gewinnen. Daraus ergibt sich der Bezug auf Sympathie und einnehmende Wirkung, während andere Verwendungen des Grundverbs einen Sieg oder materiellen Ertrag betreffen können.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur hört dem verlegenen Gast aufmerksam zu, reagiert mit einer freundlichen Bemerkung und erreicht, dass er sich sichtbar entspannt. Das kann gewinnendes Auftreten belegen. Besonders hilfreich ist die Verbindung von konkreter Geste und Reaktion des Gegenübers. Eine bloße Behauptung des Erzählers lässt sich dagegen zunächst als Zuschreibung untersuchen.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Gewinnend in der Übersicht der Charaktereigenschaften