hungrig
Hungrig: Hunger verspürend; übertragen auch stark nach etwas verlangend. Als Beschreibung einer Haltung braucht das Wort meist eine Ergänzung, etwa hungrig nach Wissen oder Erfolg.
Was bedeutet hungrig?
Hungrig bezeichnet zunächst ein körperliches Bedürfnis nach Nahrung. Wer nach einer langen Wanderung hungrig ist, besitzt deshalb keine bestimmte Charaktereigenschaft. Der Zustand kann sich mit einer Mahlzeit verändern. In einer Personenbeschreibung ist also zuerst zu unterscheiden, ob der Text ein aktuelles Bedürfnis oder eine länger anhaltende Einstellung meint.
Übertragen bezeichnet hungrig ein starkes Verlangen: Eine Figur kann nach Anerkennung, Wissen, Abenteuern oder Erfolg hungrig sein. Die Ergänzung entscheidet über die Bedeutung. Wissenshunger kann zum Fragen und Lernen führen; Anerkennungshunger kann sehr unterschiedliche Verhaltensweisen begleiten. Das Adjektiv allein bewertet noch nicht, welche Mittel jemand dafür einsetzt.
Auch ein hungriger Blick ist mehrdeutig. Er kann sich auf Essen richten, aber ebenso auf eine ersehnte Möglichkeit. Für eine Charakterisierung helfen deshalb das Ziel des Verlangens und die folgenden Handlungen. Ein starker Wunsch bedeutet nicht automatisch Rücksichtslosigkeit oder Gier.
Beispiele und Verwendung
Nach dem Training war Mira hungrig und bereitete sich etwas zu essen zu.
So ist es gemeint: Gemeint ist ein vorübergehendes körperliches Bedürfnis.
Hungrig nach neuen Erkenntnissen fragte der Schüler nach einem zweiten Versuch.
So ist es gemeint: Die Nahrungsvorstellung wird auf den Wunsch zu lernen übertragen.
Das Team blieb auch nach dem ersten Sieg hungrig auf weitere Erfolge.
So ist es gemeint: Der Ausdruck beschreibt fortbestehenden Ehrgeiz, ohne die eingesetzten Mittel zu bewerten.
Typische Verbindungen: hungrig sein, hungrig werden, hungrig nach Wissen, hungrig auf Erfolg, ein hungriger Blick.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- begierig
- Ist nahe an der übertragenen Bedeutung und hebt ein starkes Verlangen hervor. Das körperliche Hungergefühl steht dabei nicht im Mittelpunkt.
- ehrgeizig
- Bezieht sich gezielt auf das Streben nach Leistung, Anerkennung oder Erfolg; hungrig kann auf viele andere Ziele gerichtet sein.
- gierig
- Bewertet das Verlangen häufig als maßlos oder zu stark. Diese Kritik ist in hungrig nicht automatisch enthalten.
Satt ist der Gegenbegriff zum körperlichen Hunger. Im übertragenen Sinn können zufrieden oder ohne weiteren Ehrgeiz passen; welches Wort trifft, hängt vom genannten Ziel ab.
Hungrig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Forschergeschichte gelingt Lio ein kleiner Versuch. Statt nur das Ergebnis zu feiern, notiert er neue Fragen und bittet darum, eine veränderte Anordnung ausprobieren zu dürfen. Als das Labor schließt, akzeptiert er die Pause und plant den nächsten Versuch für den folgenden Tag.
- Beobachtung: Lio reagiert auf den Erfolg mit neuen Fragen und dem Wunsch nach weiterer Untersuchung.
- Deutung: Er lässt sich als hungrig nach Erkenntnis beschreiben, weil das Erreichte sein Interesse weiter anregt.
- Grenze der Aussage: Die akzeptierte Pause spricht gegen eine Gleichsetzung mit unkontrolliertem Drang. Das Wort betrifft hier seine Wissenssuche, nicht seinen Appetit.
Musterformulierung
Lio zeigt sich hungrig nach Erkenntnis. Der gelungene Versuch ist für ihn Anlass zu neuen Fragen, die er notiert und in einem weiteren Aufbau untersuchen möchte. Dass er die Schließzeit akzeptiert, macht zugleich deutlich, dass sein starkes Interesse mit Rücksicht auf äußere Grenzen vereinbar ist.
Die Ergänzung nach Erkenntnis verhindert die Verwechslung mit einem körperlichen Zustand. Der Absatz erklärt das Bild anhand konkreter Lernhandlungen und begrenzt es durch Lios Umgang mit der Pause.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- hung·rig
- Verwandtes Nomen
- der Hunger
Man schreibt hungrig ohne zusätzliches e zwischen g und r. Das verwandte Nomen heißt Hunger. Gebeugt sind Formen wie ein hungriger Gast möglich. Die Steigerung kann die Stärke des Hungergefühls oder übertragen eines Verlangens vergleichen. Nach nach steht der Dativ: hungrig nach neuen Erfahrungen.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | hungriger | hungrige | hungriges | hungrige |
| Genitiv | hungrigen | hungriger | hungrigen | hungriger |
| Dativ | hungrigem | hungriger | hungrigem | hungrigen |
| Akkusativ | hungrigen | hungrige | hungriges | hungrige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der hungrige | die hungrige | das hungrige | die hungrigen |
| Genitiv | des hungrigen | der hungrigen | des hungrigen | der hungrigen |
| Dativ | dem hungrigen | der hungrigen | dem hungrigen | den hungrigen |
| Akkusativ | den hungrigen | die hungrige | das hungrige | die hungrigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein hungriger | eine hungrige | ein hungriges | keine hungrigen |
| Genitiv | eines hungrigen | einer hungrigen | eines hungrigen | keiner hungrigen |
| Dativ | einem hungrigen | einer hungrigen | einem hungrigen | keinen hungrigen |
| Akkusativ | einen hungrigen | eine hungrige | ein hungriges | keine hungrigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Hungrig gehört zur Wortfamilie von Hunger; ältere Formen sind schon im Althochdeutschen belegt. Die übertragene Verwendung greift das starke Bedürfnis nach Nahrung als Bild für andere Wünsche auf. Aus diesem Sprachbild folgt keine medizinische Aussage über das jeweilige Verlangen.
