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jugendlich

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
jugendlich
Worttrennung
ju·gend·lich
Komparativ
jugendlicher
Superlativ
am jugendlichsten

Formen und Verwendung im Detail

Jugendlich: Zur Jugend gehörend oder an Jugend erinnernd; bei Auftreten, Aussehen und Verhalten häufig als frisch, lebhaft oder wenig gealtert empfunden.

Was bedeutet jugendlich?

Jugendlich kann zunächst eine Altersphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter betreffen. Eine jugendliche Figur ist dann eine junge Person. Daneben beschreibt das Wort einen Eindruck: Auch ein älterer Mensch kann jugendlich wirken, etwa durch lebhafte Bewegung, einen bestimmten Kleidungsstil oder große Begeisterungsfähigkeit.

Alter und Wirkung sind voneinander zu trennen. Jugendliches Aussehen beweist kein genaues Lebensalter, und ein ruhiger junger Mensch ist deshalb nicht weniger jung. Außerdem sind Vorstellungen davon, welches Verhalten jugendlich wirkt, von Erwartungen geprägt. Die Beschreibung sollte deshalb die konkreten Merkmale nennen, statt ein ganzes Alter mit einer festen Persönlichkeit gleichzusetzen.

Für eine Charakterisierung ist jugendlich allein oft zu ungenau. Geht es um Tatendrang, spielerische Freude, Unerfahrenheit oder nur das äußere Erscheinungsbild? Diese Möglichkeiten haben unterschiedliche Bedeutungen. Das Wort ist weder automatisch ein Lob noch ein Vorwurf mangelnder Reife.

Auf den PunktJugendlich kann Alter oder einen Eindruck bezeichnen. Beides sagt für sich genommen wenig über Reife, Urteilskraft oder moralische Eigenschaften.

Beispiele und Verwendung

Die jugendliche Figur besucht noch die Schule.

So ist es gemeint: Das Adjektiv wird als allgemeine Altersbeschreibung verwendet.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters wirkte der Erzähler durch seine lebhafte Neugier jugendlich.

So ist es gemeint: Die Wirkung wird von der tatsächlichen Lebensphase unterschieden.

Ihre jugendliche Kleidung sagte nichts darüber aus, wie sorgfältig sie Entscheidungen traf.

So ist es gemeint: Äußerer Stil und innere Urteilsfähigkeit werden getrennt.

Typische Verbindungen: jugendlich wirken, ein jugendliches Aussehen, jugendlicher Schwung, eine jugendliche Figur.

Synonyme für jugendlich: passend zum Zusammenhang

Jugendlich kann eine Lebensphase oder eine an Jugend erinnernde Wirkung bezeichnen. Die Alternative muss diese Ebenen trennen. Ein älterer Mensch kann jugendlich wirken, ohne dadurch jung zu sein. Bei einer Beschreibung von Schwung oder Neugier sind konkrete Wörter oft genauer als eine allgemeine Zuschreibung an ein bestimmtes Lebensalter.

Alternativen nach Zusammenhang auswählen
AlternativePassend beiUnterschied
jungGeringes Alter im passenden VergleichNur dann gleichwertig, wenn tatsächlich das Alter und nicht bloß der Eindruck gemeint ist.
lebhaftRege Bewegungen und BeteiligungBeschreibt beobachtbares Verhalten ohne eine feste Alterszuordnung.
frischWacher, unverbrauchter EindruckPasst zur Wirkung, kann aber ebenso einen vorübergehend erholten Zustand bezeichnen.

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterung.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Die jugendliche Besucherin nimmt zum ersten Mal an der Führung teil.“

Alternative: „Die junge Besucherin nimmt zum ersten Mal an der Führung teil.“

Jung erhält die allgemeine Altersbeschreibung, ist aber weiter gefasst. Für eine genaue altersbezogene Voraussetzung wäre eine konkrete Altersangabe erforderlich.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Trotz ihres hohen Alters beteiligt sie sich mit jugendlichem Schwung.“

Alternative: „Trotz ihres hohen Alters beteiligt sie sich mit lebhaftem Schwung.“

Lebhaft benennt die rege Beteiligung unmittelbar. Die Beschreibung braucht dafür keine Annahme, dass Menschen dieses Alters normalerweise weniger neugierig oder aktiv wären.

Grenze des Austauschs: Kindlich betrifft Kindheit oder daran erinnernde Merkmale und ist nicht allgemein gleichbedeutend. Unreif wäre eine zusätzliche Bewertung von Einsicht oder Verantwortung, die aus lebhaftem Auftreten oder einem Kleidungsstil nicht folgt.

Jugendlich wirken bezeichnet einen Eindruck, jugendlich sein kann eine Alterszuordnung meinen. Dieser Unterschied muss beim Umschreiben erhalten bleiben. Eine Charakterisierung sollte daher sagen, ob Bewegung, Sprache, Begeisterung oder äußere Gestaltung den Eindruck erzeugt, statt Jugendlichkeit als Erklärung für sämtliche Fähigkeiten und Haltungen zu verwenden.

Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
Jung
Bezeichnet vor allem ein geringes Alter im jeweiligen Vergleich. Jugendlich kann auch nur eine an Jugend erinnernde Wirkung meinen.
kindlich
Bezieht sich auf das Kindesalter oder auf entsprechende Merkmale und ist nicht mit jugendlich gleichzusetzen.
aufgeweckt
Betont lebendige Aufmerksamkeit und rasches Interesse. Diese Eigenschaft ist nicht auf junge Menschen beschränkt.

Gealtert oder reif kann je nach Bezug eine andere Seite des Vergleichs beschreiben. Reife und jugendliche Lebendigkeit schließen sich jedoch nicht aus.

Jugendlich in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Familiengeschichte ist die Großtante bereits im Ruhestand. Bei einem Ausflug probiert sie mit sichtbarer Freude ein ihr unbekanntes Spiel aus, stellt viele Fragen und lacht über eigene Fehlversuche. Zugleich achtet sie darauf, dass eine erschöpfte Begleiterin eine Pause erhält.

  1. Beobachtung: Die Großtante zeigt lebhafte Neugier und spielerische Freude, handelt aber zugleich aufmerksam gegenüber anderen.
  2. Deutung: Ihr Auftreten kann als jugendlich beschrieben werden, wenn damit die lebendige Wirkung gemeint ist.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene macht sie weder tatsächlich jung noch unreif. Die rücksichtsvolle Pause widerspricht gerade einer Gleichsetzung von Lebendigkeit und Verantwortungslosigkeit.

Musterformulierung

Die Großtante wirkt durch ihre neugierige und spielerische Beteiligung jugendlich. Sie probiert das unbekannte Spiel aus und nimmt eigene Fehlversuche mit Freude hin. Ihre Aufmerksamkeit für die erschöpfte Begleiterin zeigt zugleich, dass die lebhafte Wirkung mit Rücksicht und Erfahrung vereinbar ist.

Der Absatz erläutert, welches Verhalten den Eindruck trägt, und hält ihn vom tatsächlichen Alter getrennt. Die zusätzliche Beobachtung verhindert eine stereotype Gleichsetzung von Jugendlichkeit und Unreife.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
ju·gend·lich
Verwandtes Nomen
die Jugend; die Jugendlichkeit

Jugendlich wird mit d vor lich geschrieben. Als Adjektiv heißt es eine jugendliche Person; als substantivierte Personenbezeichnung eine Jugendliche oder ein Jugendlicher. Die Steigerung betrifft vor allem die an Jugend erinnernde Wirkung. Eine festgelegte Alterszuordnung wird nicht sinnvoll durch jugendlicher abgestuft.

Grundformjugendlich
Komparativjugendlicher
Superlativam jugendlichsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativjugendlicherjugendlichejugendlichesjugendliche
Genitivjugendlichenjugendlicherjugendlichenjugendlicher
Dativjugendlichemjugendlicherjugendlichemjugendlichen
Akkusativjugendlichenjugendlichejugendlichesjugendliche
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder jugendlichedie jugendlichedas jugendlichedie jugendlichen
Genitivdes jugendlichender jugendlichendes jugendlichender jugendlichen
Dativdem jugendlichender jugendlichendem jugendlichenden jugendlichen
Akkusativden jugendlichendie jugendlichedas jugendlichedie jugendlichen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein jugendlichereine jugendlicheein jugendlicheskeine jugendlichen
Genitiveines jugendlicheneiner jugendlicheneines jugendlichenkeiner jugendlichen
Dativeinem jugendlicheneiner jugendlicheneinem jugendlichenkeinen jugendlichen
Akkusativeinen jugendlicheneine jugendlicheein jugendlicheskeine jugendlichen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Adjektiv ist bereits in älteren deutschen Sprachstufen belegt, unter anderem mittelhochdeutsch jugentlich. Im heutigen Wortaufbau ist die Verbindung von Jugend und -lich erkennbar. Die übertragenen Verwendungen beziehen Merkmale, die als jugendlich wahrgenommen werden, auf Menschen anderer Altersgruppen.

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