notgeil
Notgeil: Derb und abwertend für jemanden, dem ein sehr starkes, beherrschendes Verlangen nach sexueller Befriedigung zugeschrieben wird. Das Wort ist keine sachliche Diagnose.
Was bedeutet notgeil?
Notgeil ist ein derber Ausdruck, der sexuelles Verlangen als besonders stark und drängend bewertet. Meist wird er nicht neutral verwendet, sondern soll eine Person herabsetzen oder ihr Verhalten spöttisch kommentieren. Die Bezeichnung sagt deshalb auch etwas über die Haltung des Sprechenden aus.
Sexuelles Interesse, eine unverbindliche Kontaktaufnahme und das Überschreiten fremder Grenzen sind verschiedene Dinge. Das Wort kann sie ungenau vermischen. Für eine sachliche Beschreibung ist besser zu benennen, was tatsächlich geschieht: etwa wiederholte zweideutige Bemerkungen, eine respektierte Absage oder das Fortsetzen unerwünschter Annäherungen.
In einer Charakterisierung sollte die Zuschreibung nicht ungeprüft übernommen werden. Entscheidend ist, wer sie ausspricht, welche Handlungen der Text zeigt und ob der Ausdruck Teil eines Streits oder einer Demütigung ist. Aus einer Beschimpfung lässt sich weder die Stärke des tatsächlichen Begehrens noch eine dauerhafte Eigenschaft sicher ableiten.
Beispiele und Verwendung
Im Streit bezeichnete sie ihren Bekannten als notgeil, nachdem er zum dritten Mal eine zweideutige Bemerkung gemacht hatte.
So ist es gemeint: Der Satz dokumentiert eine abwertende Zuschreibung und nennt ihren Anlass, bestätigt sie aber nicht als objektive Tatsache.
Der Erzähler verwendet notgeil, um die aufdringliche Wirkung der Figur zu verstärken.
So ist es gemeint: Hier steht die sprachliche Inszenierung im Vordergrund.
Dass zwei Erwachsene miteinander flirten, macht die Bezeichnung notgeil noch nicht zu einer angemessenen Beschreibung.
So ist es gemeint: Einvernehmliches Interesse ist vom herabsetzenden Urteil zu unterscheiden.
Typische Verbindungen: jemanden als notgeil beschimpfen, notgeil wirken, die derbe Bezeichnung notgeil.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- aufdringlich
- Beschreibt das Missachten erwünschter Distanz, auch außerhalb sexueller Situationen. Es lässt sich an wiederholtem unerwünschtem Verhalten begründen.
- begierig
- Bezeichnet starkes Verlangen nach etwas und ist nicht auf Sexualität beschränkt. Es besitzt nicht automatisch denselben beleidigenden Ton.
- sexuell interessiert
- Ist eine deutlich neutralere Beschreibung. Sie behauptet weder einen beherrschenden Drang noch mangelnde Rücksicht.
Ein passender Gegenbegriff hängt vom gemeinten Aspekt ab. Zurückhaltend beschreibt das Auftreten, sexuell uninteressiert das Interesse. Beides ist nicht dasselbe.
Notgeil in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Erzählung weist Nora eine zweideutige Einladung zurück. Ihr Bekannter wiederholt sie trotz der klaren Absage. Nora nennt ihn daraufhin notgeil und beendet das Gespräch. Seine Gedanken werden nicht erzählt.
- Beobachtung: Der Bekannte wiederholt eine Annäherung nach einer eindeutigen Absage; Nora reagiert mit einer derben Beschimpfung.
- Deutung: Das Verhalten lässt sich als aufdringlich beschreiben. Notgeil kennzeichnet zusätzlich Noras empörte Bewertung.
- Grenze der Aussage: Über den inneren Antrieb des Bekannten und seine sonstigen Beziehungen macht die Szene keine verlässliche Aussage.
Musterformulierung
Nora bezeichnet ihren Bekannten als notgeil, nachdem er ihre Absage missachtet hat. Die Beschimpfung verdeutlicht ihre Empörung; unmittelbar beobachtbar ist seine wiederholte, unerwünschte Annäherung. Eine Aussage über sein gesamtes Sexualverhalten oder einen inneren Zwang lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Formulierung ordnet das problematische Verhalten klar ein, übernimmt aber die Beschimpfung nicht als wissenschaftliche oder psychologische Feststellung.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- not·geil
- Verwandtes Nomen
- die Notgeilheit
Notgeil wird zusammengeschrieben. Vor einem Nomen erhält es die üblichen Adjektivendungen, etwa in der ausdrücklich als Beschimpfung gekennzeichneten Wendung ein notgeiler Typ. Das Nomen Notgeilheit wird großgeschrieben.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | notgeiler | notgeile | notgeiles | notgeile |
| Genitiv | notgeilen | notgeiler | notgeilen | notgeiler |
| Dativ | notgeilem | notgeiler | notgeilem | notgeilen |
| Akkusativ | notgeilen | notgeile | notgeiles | notgeile |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der notgeile | die notgeile | das notgeile | die notgeilen |
| Genitiv | des notgeilen | der notgeilen | des notgeilen | der notgeilen |
| Dativ | dem notgeilen | der notgeilen | dem notgeilen | den notgeilen |
| Akkusativ | den notgeilen | die notgeile | das notgeile | die notgeilen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein notgeiler | eine notgeile | ein notgeiles | keine notgeilen |
| Genitiv | eines notgeilen | einer notgeilen | eines notgeilen | keiner notgeilen |
| Dativ | einem notgeilen | einer notgeilen | einem notgeilen | keinen notgeilen |
| Akkusativ | einen notgeilen | eine notgeile | ein notgeiles | keine notgeilen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Die Wortbildung verbindet Not und geil. Geil steht hier in seiner sexuellen Bedeutung; die Gesamtbildung verstärkt den Eindruck eines drängenden Verlangens. Daraus lässt sich weder eine medizinische Ursache noch ein berechtigter Anspruch auf andere Menschen ableiten.
