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sadistisch

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
sadistisch
Worttrennung
sa·dis·tisch
Komparativ
sadistischer
Superlativ
am sadistischsten

Im allgemeinen Gebrauch stark abwertend. Vergleichsformen sind belegt, liefern aber keine klinische Skala; eine unangenehme Folge allein beweist keine Freude am Quälen.

Formen und Verwendung im Detail

Freude daran zeigend, andere zu quälen oder zu demütigen; außerdem den sexuellen Bedeutungsbereich von Sadismus betreffend. Im allgemeinen Sprachgebrauch stark abwertend.

Was bedeutet sadistisch?

Sadistisch beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch mehr als Härte. Der Ausdruck unterstellt, dass jemand am Leiden oder an der Erniedrigung anderer Gefallen findet. Er wird auf Personen, Handlungen und Verhaltensweisen bezogen. Eine Figur, die einen Unterlegenen absichtlich weiter bedrängt und dessen Verzweiflung genießt, kann in diesem Sinn sadistisch dargestellt sein. Die Freude am Quälen gehört zur Deutung; allein eine unangenehme Folge beweist sie nicht.

Daneben besitzt das Wort einen sexuellen Bedeutungsbereich: Es kann sich auf Lust beziehen, die mit dem Zufügen von Schmerz oder mit Demütigung verbunden ist. Diese Verwendung ist von einer beiläufigen Beschimpfung zu unterscheiden. Eine Worterklärung oder literarische Charakterisierung stellt keine medizinische Diagnose. Auch darf aus der bloßen Benennung einer sexuellen Vorliebe nicht auf fehlendes Einvernehmen oder auf das Verhalten einer Person in allen Lebensbereichen geschlossen werden.

Drei Beispiele für sadistisch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Aufseher verhielt sich sadistisch: Er verlängerte die Demütigung, obwohl sein Ziel längst erreicht war, und erfreute sich sichtbar an der Angst.“

Die eigene Beispielsituation nennt zusätzliche Hinweise auf das Vergnügen am Leid. Damit wird der schwere Ausdruck genauer begründet als durch die bloße Behauptung, der Mann sei unangenehm.

„Nach der schwierigen Klausur nannte er die Aufgaben sadistisch; tatsächlich waren sie anspruchsvoll, aber lösbar.“

Hier dient das Wort als übertriebene Klage. Daraus folgt nicht, dass die Aufgabensteller Freude am Leiden der Prüflinge hatten.

„Die Erzählerin beschreibt sein sadistisches Spiel mit der Hoffnung des Gefangenen: Er verspricht wiederholt Freiheit und lacht über die anschließende Enttäuschung.“

Quälen kann in dieser Verwendung auch psychisch geschehen. Entscheidend ist im Beispiel die absichtliche Verbindung von Täuschung, Enttäuschung und Vergnügen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Grausam
Bezeichnet unbarmherziges, schwer verletzendes Handeln. Sadistisch hebt zusätzlich das empfundene Vergnügen am Quälen hervor.
Streng
Beschreibt hohe Anforderungen oder konsequent durchgesetzte Regeln. Strenge allein rechtfertigt den Vorwurf sadistisch nicht.
Schadenfroh
Meint Freude über fremdes Missgeschick. Sadistisch ist deutlich stärker und richtet den Blick auf Quälen oder Demütigung.

Schreibung und Grammatik

Das Adjektiv wird sadistisch geschrieben: ein sadistischer Kommentar, eine sadistische Handlung, sadistisches Verhalten. Die verwandten Substantive heißen Sadismus, Sadist und Sadistin. In er handelt sadistisch bestimmt das Wort die Art des Handelns. Steigerungsformen sind sprachlich möglich, sollten aber keine scheinbar messbare klinische Abstufung suggerieren.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von sadistisch

Eine sadistische Handlung wird im allgemeinen Gebrauch mit Freude am Quälen verbunden. Eine unangenehme Folge allein reicht für diese weitgehende Zuschreibung nicht aus.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsadistischersadistischesadistischessadistische
Genitivsadistischensadistischersadistischensadistischer
Dativsadistischemsadistischersadistischemsadistischen
Akkusativsadistischensadistischesadistischessadistische
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsadistischesadistischesadistischesadistischen
Genitivsadistischensadistischensadistischensadistischen
Dativsadistischensadistischensadistischensadistischen
Akkusativsadistischensadistischesadistischesadistischen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsadistischersadistischesadistischessadistischen
Genitivsadistischensadistischensadistischensadistischen
Dativsadistischensadistischensadistischensadistischen
Akkusativsadistischensadistischesadistischessadistischen

Herkunft und Wortbildung

Sadistisch gehört zur Wortfamilie von Sadismus. Duden führt das Substantiv auf französisch sadisme zurück; die Benennung bezieht sich auf den französischen Schriftsteller Marquis de Sade. Diese Herkunft erklärt den Namen des Ausdrucks, nicht die Motive einer heute so bezeichneten Person.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Der Aufseher setzt die Demütigung ohne weiteren Zweck fort und reagiert auf die Angst mit offenem Vergnügen. Darin zeigt sich sein sadistisches Verhalten. Ist im Text lediglich eine harte Strafe beschrieben, wäre grausam oder unbarmherzig möglicherweise die vorsichtigere Deutung. Maßgeblich bleibt, ob Erzählerbericht, Handlung oder Äußerung tatsächlich Freude am Leiden erkennen lassen.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Sadistisch in der Übersicht der Charaktereigenschaften