schlapp

Umgangssprachlich kraftlos oder erschöpft; abwertend auch ohne genügend Antrieb und Entschlossenheit. Daneben: locker oder schlaff herabhängend.

Was bedeutet schlapp?

Wer sich schlapp fühlt, hat gerade wenig Kraft oder Energie. Das Wort gehört zur Umgangssprache und beschreibt häufig einen vorübergehenden Zustand, etwa nach einer anstrengenden Unternehmung. Auch Bewegungen oder eine Stimme können schlapp wirken. Die Bezeichnung sagt zunächst nur etwas über den wahrgenommenen Kräftezustand aus; sie erklärt dessen Ursache nicht.

Anders liegt der Fall, wenn jemand als schlapp kritisiert wird, weil er angeblich keinen Einsatz zeigt oder einer Auseinandersetzung ausweicht. Dann enthält das Wort ein abwertendes Urteil über Antrieb oder Entschlossenheit. Eine wohlüberlegte Pause kann aus einer ungeduldigen Perspektive ebenso abgewertet werden wie tatsächliche Gleichgültigkeit. Außerhalb der Personenbeschreibung bezeichnet schlapp auch etwas Lockeres oder Herabhängendes. Vor Mengenangaben kann es salopp ausdrücken, dass ein Betrag als gering erscheint.

Drei Beispiele für schlapp

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Nach dem langen Umzug war sie zu schlapp, um am Abend noch die letzten Kisten auszupacken.“

Die zeitliche und situative Einordnung macht Erschöpfung verständlich. Eine dauerhafte Eigenschaft wie mangelnder Fleiß lässt sich daraus nicht ableiten.

„Er nannte die Mannschaft schlapp, weil sie den Rückstand ohne erkennbaren neuen Versuch hinnahm.“

Hier wird fehlender Einsatz vorgeworfen. Die Wertung gehört zunächst dem Sprecher; eine Analyse müsste prüfen, was die Mannschaft noch leisten konnte.

„Mit dem alten Fahrrad schaffte sie die Strecke in schlappen zwanzig Minuten.“

In dieser saloppen Mengenangabe erscheint die benötigte Zeit gering. Das Wort beschreibt weder ihre körperliche Verfassung noch ihre Haltung.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Erschöpft
Benennt einen Zustand aufgebrauchter Kräfte deutlicher. Schlapp ist alltagssprachlicher und kann auch ein weniger starkes Gefühl von Kraftlosigkeit ausdrücken.
Antriebslos
Betrifft fehlenden inneren Anstoß zum Handeln. Jemand kann handeln wollen und trotzdem körperlich schlapp sein.
Faul
Unterstellt mangelnde Bereitschaft zur Anstrengung. Diese Bewertung folgt nicht daraus, dass eine Person sich schwach fühlt oder eine Pause braucht.

Schreibung und Grammatik

Schlapp wird mit pp geschrieben: ein schlapper Händedruck, eine schlappe Haltung, schlappe Muskeln. Die Steigerung lautet schlapper, am schlappsten. In ich bin schlapp steht das Adjektiv prädikativ; in der Stoff hängt schlapp herunter beschreibt es adverbial das Herabhängen. Das Verb schlappmachen wird zusammengeschrieben, im Satz aber getrennt: Er macht nach der ersten Runde schlapp.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden nennt mittelniederdeutsch und mitteldeutsch slap mit der Bedeutung schlaff. Die Form gelangte demnach mit niederländischer Aussprache ins Hochdeutsche. Der Zusammenhang mit dem lockeren, nicht gespannten Zustand ist im heutigen Gebrauch neben der Beschreibung fehlender Kraft weiterhin erkennbar.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach mehreren Stunden Tragen lässt sich Mira erschöpft auf eine Kiste sinken. Sie wirkt schlapp. Der Beleg beschreibt ihren Zustand nach einer Belastung und trägt kein Urteil über ihren Charakter. Wenn eine andere Figur sie dafür verspottet, kann gerade dieser Kommentar etwas über deren Ungeduld oder fehlendes Verständnis verraten. Zustand, Fremdurteil und dauerhafte Eigenschaft sollten getrennt werden.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Schlapp in der Übersicht der Charaktereigenschaften