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sensitiv

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
sensitiv
Worttrennung
sen·si·tiv
Komparativ
sensitiver
Superlativ
am sensitivsten

Bildungssprachlich, bei Personen auch Überempfindlichkeit betonend. Vergleichsformen benötigen einen genauen Bezug; besondere Empfänglichkeit ist nicht einfach gleichbedeutend mit Freundlichkeit.

Formen und Verwendung im Detail

Sehr empfindlich und feinfühlig, bei Personen häufig im Sinn einer gesteigerten Empfänglichkeit bis hin zur Überempfindlichkeit gebraucht.

Was bedeutet sensitiv?

Sensitiv ist ein bildungssprachliches Adjektiv für besondere Empfindlichkeit oder Feinfühligkeit. Bei Personen kann es betonen, dass Eindrücke sehr stark aufgenommen werden und schon geringe Anlässe eine deutliche Reaktion auslösen. Gemeint sein kann dabei eine bis zur Überempfindlichkeit gesteigerte Feinfühligkeit. Das Wort sollte deshalb nicht automatisch als bloß gehobene Bezeichnung für freundlich oder verständnisvoll gelesen werden.

Außerhalb der Personenbeschreibung begegnet sensitiv auch für empfindlich reagierende Verfahren oder Einrichtungen. Dort geht es um die Reaktion auf kleine Veränderungen, nicht um Gefühle. Der Bezug muss jeweils genannt oder aus dem Satz erkennbar sein. Bei einer Figur bleibt zudem offen, ob die starke Empfindlichkeit in einer Situation auftritt oder als wiederkehrender Zug dargestellt wird. Eine genaue Analyse benennt die wahrgenommenen Reize und die Reaktion, statt aus dem Adjektiv weitere Fähigkeiten abzuleiten.

Drei Beispiele für sensitiv

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die Erzählerin schildert ihn als sensitiv: Schon eine beiläufige Änderung im Tonfall beschäftigte ihn noch lange nach dem Gespräch.“

Der Satz konkretisiert die ausgeprägte Empfänglichkeit. Ob seine Deutung des Tonfalls zutrifft, ist eine davon getrennte Frage.

„In dieser angespannten Phase reagierte sie sensitiv auf jede Unterbrechung und empfand sie sofort als persönliche Zurückweisung.“

Die Reaktion wird ausdrücklich an eine Lage gebunden. Der Ausdruck muss hier nicht als unveränderliche Persönlichkeitseigenschaft verstanden werden.

„Das sensitivere Messverfahren erfasste bereits geringe Veränderungen, die beim früheren Verfahren unbemerkt geblieben waren.“

Hier bezeichnet das Wort eine technische Empfindlichkeit. Der Vergleich betrifft die Erfassungsleistung und enthält keine Aussage über Feinfühligkeit im menschlichen Umgang.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Sensibel
Ist im Alltag geläufiger und kann Feinfühligkeit ohne Übersteigerung beschreiben. Zudem hat es die Bedeutung heikel, etwa bei einem sensiblen Thema. Sensitiv ist dafür kein durchweg austauschbarer Ersatz.
Empathisch
Benennt das Nachvollziehen fremder Gefühle und Sichtweisen. Eine starke eigene Empfindlichkeit beweist dieses Verständnis nicht automatisch.
Überempfindlich
Enthält ausdrücklich die Bewertung, eine Reaktion gehe über ein angemessenes Maß hinaus. Sensitiv kann diese Wertung tragen; im technischen Gebrauch ist Empfindlichkeit dagegen zunächst eine Eigenschaft des Verfahrens.

Schreibung und Grammatik

Sensitiv wird auf der letzten Silbe betont und mit v geschrieben. Formen sind ein sensitiver Mensch, eine sensitive Reaktion und ein sensitives Verfahren. Die Steigerung lautet sensitiver, am sensitivsten. Das Substantiv heißt Sensitivität. In sie reagiert sensitiv steht das Adjektiv adverbial, in das Verfahren ist sensitiv prädikativ. Ein Zusatz wie sensitiv gegenüber kleinen Veränderungen bestimmt, worauf sich die Empfindlichkeit richtet.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von sensitiv

Eine sensitive Reaktion zeigt besondere Empfindlichkeit. Das bildungssprachliche Wort kann Überempfindlichkeit betonen und ist kein beliebiges Synonym für freundlich.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsensitiversensitivesensitivessensitive
Genitivsensitivensensitiversensitivensensitiver
Dativsensitivemsensitiversensitivemsensitiven
Akkusativsensitivensensitivesensitivessensitive
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsensitivesensitivesensitivesensitiven
Genitivsensitivensensitivensensitivensensitiven
Dativsensitivensensitivensensitivensensitiven
Akkusativsensitivensensitivesensitivesensitiven
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsensitiversensitivesensitivessensitiven
Genitivsensitivensensitivensensitivensensitiven
Dativsensitivensensitivensensitivensensitiven
Akkusativsensitivensensitivesensitivessensitiven

Herkunft und Wortbildung

Das Wort geht über französisch sensitif auf mittellateinisch sensitivus zurück. Die ältere Grundlage ist lateinisch sentire, also empfinden oder wahrnehmen. Damit gehört sensitiv zur gleichen weiteren Wortfamilie wie sensibel. Die verwandte Herkunft erklärt ihre Nähe, macht die beiden Adjektive im heutigen Gebrauch aber nicht bedeutungsgleich.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach einem kaum hörbaren Seufzer ihres Gegenübers verändert Maren ihr Verhalten und beschäftigt sich in ihren Gedanken lange mit dessen möglicher Bedeutung. Sie wird als sensitiv dargestellt. Die Analyse beschreibt ihre starke Empfänglichkeit und trennt sie von der Frage, ob der Seufzer tatsächlich ihr galt. So bleibt die beobachtete Reaktion von einer ungesicherten Deutung fremder Absichten unterschieden.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Sensitiv in der Übersicht der Charaktereigenschaften