skrupellos
Ohne moralische Hemmungen handelnd und sich durch Gewissensbedenken nicht von einem schädigenden oder unredlichen Vorgehen abhalten lassend; deutlich abwertend.
Was bedeutet skrupellos?
Skrupellos beschreibt jemanden, der sich durch moralische Bedenken nicht von seinem Vorgehen abhalten lässt. Gemeint ist nicht bloß ein rascher Entschluss: Das Wort kritisiert, dass mögliche Verletzungen anderer, Unrecht oder Unredlichkeit für die handelnde Person keine wirksame Grenze bilden. Es ist deutlich abwertend und kann eine Person, eine einzelne Handlung oder eine Vorgehensweise kennzeichnen.
Die Zuschreibung betrifft damit das Verhältnis zwischen einem Ziel und den dafür eingesetzten Mitteln. Wer einen Vorteil ohne Rücksicht auf Gewissensbedenken verfolgt, kann als skrupellos beschrieben werden. Sichtbare Folgen allein reichen jedoch nicht immer aus, um innere Hemmungslosigkeit zu belegen: Ein versehentlicher Fehler kann großen Schaden verursachen, ohne skrupellos zu sein. Besonders aussagekräftig sind Stellen, an denen eine Figur mögliche Schäden erkennt und sie bewusst in Kauf nimmt.
Drei Beispiele für skrupellos
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Skrupellos schob er den eigenen Fehler einer Kollegin zu, obwohl er wusste, dass sie dadurch ihre Stellung verlieren konnte.“
Der erkannte Schaden hält ihn nicht davon ab, die andere Person zum eigenen Vorteil zu belasten. Darauf richtet sich das moralische Urteil.
„Die skrupellose Figur nutzte eine vertrauliche Mitteilung als Druckmittel, sobald ihr das einen Vorteil verschaffte.“
Der Vertrauensbruch wird gezielt eingesetzt. Das Beispiel begründet die Zuschreibung durch die gewählte Handlung und ihren Zweck.
„Sie setzte ihren berechtigten Anspruch entschieden durch, blieb aber bei der Wahrheit; entschlossenes Auftreten machte sie deshalb noch nicht skrupellos.“
Die Abgrenzung zeigt, dass Härte im Verfolgen eines Ziels nicht automatisch Gewissenlosigkeit bedeutet. Die eingesetzten Mittel sind entscheidend.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Rücksichtslos
- Betont, dass Interessen oder Gefühle anderer nicht ausreichend beachtet werden. Skrupellos hebt besonders das Fehlen moralischer Hemmungen gegenüber den gewählten Mitteln hervor.
- Entschlossen
- Beschreibt eine klare Entscheidung und die Bereitschaft, sie umzusetzen. Ob die Person moralische Grenzen wahrt, ist damit noch nicht festgelegt.
- Schonungslos
- Kann eine unverhüllte Darstellung oder harte Kritik bezeichnen, die unangenehme Tatsachen offenlegt. Das ist nicht notwendig unredlich; skrupellos enthält dagegen ein deutliches moralisches Unwerturteil.
Schreibung und Grammatik
Skrupellos wird mit zwei l geschrieben: Skrupel plus -los. Formen sind ein skrupelloser Gegner, eine skrupellose Handlung und skrupelloses Vorgehen. Die Steigerung lautet skrupelloser, am skrupellosesten. Das Substantiv heißt Skrupellosigkeit. In sie handelt skrupellos steht das Adjektiv adverbial; in ihr Vorgehen ist skrupellos prädikativ. Bei der Wendung keine Skrupel haben steht Skrupel üblicherweise im Plural.
Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Das Adjektiv ist aus Skrupel und der Endung -los gebildet. Skrupel geht auf lateinisch scrupulus zurück, das neben einem Gefühl von Unruhe ursprünglich ein kleines spitzes Steinchen bezeichnete. Duden nennt als Grundlage scrupus, spitzer Stein. Im deutschen Substantiv steht die moralische Hemmung im Vordergrund; -los bezeichnet deren Fehlen. Daraus ergibt sich der heutige Sinn des Adjektivs.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Leon erkennt, dass sein erfundener Vorwurf eine Unschuldige treffen wird, hält aber daran fest, um selbst ungeschoren zu bleiben. Sein Vorgehen ist skrupellos. Die Analyse verbindet sein Wissen um die Folgen mit dem bewussten Festhalten an der Täuschung. Behauptet dagegen nur eine feindliche Figur seine Skrupellosigkeit, muss geprüft werden, ob die erzählten Handlungen dieses Urteil tatsächlich stützen.
Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.
