stur

Eigensinnig an einer Vorstellung oder Absicht festhaltend und Einwänden wenig zugänglich; auch ohne Abweichung auf dieselbe Weise fortfahrend.

Was bedeutet stur?

Stur beschreibt häufig eine Person, die sich auf Einwände, Bitten oder veränderte Umstände nicht einstellen will oder kann. Sie hält eigensinnig an ihren Vorstellungen fest. Das Wort ist dabei meist kritisch: Das Festhalten erscheint als unnötig unnachgiebig oder uneinsichtig. Ob diese Bewertung berechtigt ist, lässt sich nur aus dem Anlass und den vorgebrachten Gründen erkennen.

Daneben kann stur die Art eines Vorgehens beschreiben, das ohne Abweichung fortgesetzt wird. Wer stur eine Reihenfolge abarbeitet, bleibt bei diesem Ablauf, auch wenn andere Möglichkeiten bestehen. Darin kann ein Vorwurf mechanischen Handelns liegen; in vertrauter Rede kann die Beharrlichkeit gelegentlich auch anerkennend gemeint sein. Die umgangssprachliche Wendung auf stur schalten bezeichnet ein gezieltes Verschließen gegenüber Bitten oder Argumenten. Sie hebt eher eine Reaktion in einer bestimmten Situation hervor als einen unveränderlichen Charakter.

Drei Beispiele für stur

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Obwohl die Zahlen seinen Vorschlag widerlegten, blieb er stur bei seiner ursprünglichen Forderung.“

Ein überprüfbarer Einwand steht seinem Festhalten gegenüber. Dadurch wird verständlich, weshalb es als uneinsichtig bewertet wird.

„Sie arbeitete die Liste stur von oben nach unten ab, obwohl die letzte Aufgabe inzwischen am dringendsten war.“

Das Wort beschreibt die fehlende Anpassung des Ablaufs. Es muss nicht bedeuten, dass die Person auch in anderen Angelegenheiten eigensinnig ist.

„Als ihr Bruder sie zum Nachgeben drängte, schaltete sie auf stur und beantwortete keine seiner Fragen mehr.“

Die Wendung markiert den Übergang zu einer Verweigerungshaltung. Welche Gründe dahinterstehen, muss aus dem weiteren Zusammenhang hervorgehen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Standhaft
Standhaft betont das bewusste Durchhalten gegen Druck und wird oft anerkennend gebraucht. Stur stellt eher die fehlende Bereitschaft heraus, auf gute Gründe einzugehen.
Sturköpfig
Sturköpfig bezeichnet vor allem den persönlichen Eigensinn und ist in dieser Bedeutung weitgehend gleichbedeutend. Stur kann zusätzlich einen mechanisch beibehaltenen Ablauf beschreiben.
Strikt
Strikt hebt die genaue, ausnahmslose Befolgung einer Vorgabe hervor. Stur kann stärker kritisieren, dass dabei sinnvolle Einwände oder notwendige Anpassungen übergangen werden.

Schreibung und Grammatik

Die Formen lauten stur, sturer, am stursten. Attributiv heißt es ein sturer Gesprächspartner, prädikativ Der Gesprächspartner bleibt stur und adverbial Er hält stur an seinem Plan fest. Die Verbindung an etwas festhalten verlangt den Dativ. In auf stur schalten bleibt stur kleingeschrieben. Die zugehörigen Substantive heißen Sturheit und Sturkopf.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Stur wurde aus dem Niederdeutschen übernommen. Duden führt es auf mittelniederdeutsch stūr zurück, das unter anderem Standfestigkeit sowie etwas Dickes oder Breites bezeichnete und zu stehen gehört. Im heutigen Personenurteil wird vor allem das unbewegliche Festhalten an einer Haltung oder Absicht hervorgehoben.

Verwendung in einer Charakterisierung

Ein eigener Charakterisierungsbeleg wäre: Nachdem mehrere Helfer auf den gesperrten Zugang hinweisen, wiederholt Arno lediglich seinen ursprünglichen Auftrag. Er wirkt stur, weil er die veränderte Lage nicht in seine Entscheidung einbezieht. Bleibt eine Figur hingegen bei einer gut begründeten Grenze, ist das bloße Nein kein ausreichender Beleg. Wer sie stur nennt, kann damit auch den eigenen Wunsch nach ihrem Nachgeben ausdrücken.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Stur in der Übersicht der Charaktereigenschaften