tumb
Form & Grammatik
- Stichwort
- tumb
- Worttrennung
- tumb
- Komparativ
- tumber
- Superlativ
- am tumbsten
Tumb wird mit einem m und abschließendem b geschrieben. Es heißt ein tumber Blick und mit tumbem Staunen. Das einsilbige Wort wird nicht getrennt. Bei Steigerung tritt kein Umlaut hinzu.
Tumb: Auf einfältige, arglose oder wenig verständige Weise wirkend. Der altertümelnde, häufig spöttische Ausdruck bewertet eine Person und ist keine sachliche Messung ihrer Fähigkeiten.
Was bedeutet tumb?
Tumb bezeichnet meist eine arglos-einfältige Art. Wer so genannt wird, scheint eine Situation nicht zu durchschauen oder hält etwas allzu selbstverständlich für wahr. Das Wort fällt durch seinen altertümelnden Klang auf und kann eine Darstellung bewusst märchenhaft oder spöttisch färben.
Gerade die spöttische Wirkung verlangt Aufmerksamkeit: Ein Erzähler oder eine Figur kann jemanden als tumb abwerten, obwohl ihm lediglich Erfahrung oder eine entscheidende Information fehlt. Die Bezeichnung verrät dann auch etwas über die Haltung der sprechenden Person.
Für eine genaue Analyse ist zu unterscheiden, ob die Figur eine offensichtliche Täuschung nicht bemerkt, ehrlich nachfragt oder nur äußerlich erstaunt wirkt. Eine Frage kann klug sein, auch wenn andere darüber lachen. Ein belastbares Urteil benötigt daher mehr als das Etikett.
Beispiele und Verwendung
Tumb glaubte der Reisende, jedes glänzende Stück Metall müsse wertvoll sein.
So ist es gemeint: Seine unkritische Gleichsetzung erklärt hier die spöttische Bewertung.
Die Nachbarin nannte ihn tumb, nur weil er nach einer unbekannten Abkürzung fragte.
So ist es gemeint: Der Satz zeigt eine mögliche ungerechte Fremdwertung; Unwissen in einer Einzelfrage genügt nicht für ein Gesamturteil.
Hinter seinem vermeintlich tumben Staunen verbarg sich eine sehr genaue Beobachtung.
So ist es gemeint: Die Darstellung kann den ersten Eindruck ausdrücklich korrigieren.
Typische Verbindungen: tumbes Staunen, tumb wirken, ein tumber Blick, jemanden für tumb halten, tumb zustimmen.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- naiv
- Kann eine unerfahrene oder allzu gutgläubige Haltung beschreiben. Tumb klingt meist altertümlicher und stärker spöttisch.
- arglos
- Betont das Fehlen von Misstrauen und enthält nicht zwingend den Vorwurf geringer Einsicht.
- einfältig
- Liegt nahe und bezeichnet eine wenig differenzierte Denkweise. Auch dieses Wort kann herabsetzen und braucht eine konkrete Grundlage.
Scharfsinnig passt bei genauer Einsicht in Zusammenhänge; gewitzt betont praktische Klugheit. Ein misstrauischer Mensch ist allerdings nicht schon deshalb klüger als ein argloser.
Tumb in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte zeigt ein Händler Jorin einen vergoldeten Stein und verspricht, er könne daraus täglich Geld gewinnen. Jorin fragt lediglich, ob der Stein auch an Feiertagen arbeite, und will sein Erspartes holen. Seine Schwester weist ihn darauf hin, dass der Händler weder die behauptete Wirkung zeigt noch erklären kann. Jorin hält inne und verlangt nun einen Nachweis.
- Beobachtung: Jorin übernimmt das unwahrscheinliche Versprechen zunächst ungeprüft und beschäftigt sich nur mit einer Nebensache. Danach reagiert er auf den Einwand seiner Schwester.
- Deutung: Sein erster Umgang mit dem Angebot kann in einem spöttisch erzählten Text tumb erscheinen, weil die entscheidende Prüfung ausbleibt.
- Grenze der Aussage: Die spätere Nachfrage widerspricht der Behauptung, er sei grundsätzlich lernunfähig. Ebenso wenig lässt sich seine gesamte Intelligenz aus dieser Szene beurteilen.
Musterformulierung
Jorins erste Reaktion wirkt tumb, da er das unwahrscheinliche Versprechen des Händlers voraussetzt und nur nach einer nebensächlichen Ausnahme fragt. Nach dem Hinweis seiner Schwester verlangt er jedoch einen Nachweis. Die Szene zeichnet daher zunächst seine Arglosigkeit, lässt aber zugleich eine Korrektur zu.
Der Absatz nennt den Denkfehler präzise und kennzeichnet tumb als Eindruck. Die spätere Verhaltensänderung verhindert, dass ein spöttisches Wort zur unprüfbaren Wesensbehauptung wird.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- tumb
- Verwandtes Nomen
- die Tumbheit
Tumb wird mit einem m und abschließendem b geschrieben. Es heißt ein tumber Blick und mit tumbem Staunen. Das einsilbige Wort wird nicht getrennt. Bei Steigerung tritt kein Umlaut hinzu.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | tumber | tumbe | tumbes | tumbe |
| Genitiv | tumben | tumber | tumben | tumber |
| Dativ | tumbem | tumber | tumbem | tumben |
| Akkusativ | tumben | tumbe | tumbes | tumbe |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der tumbe | die tumbe | das tumbe | die tumben |
| Genitiv | des tumben | der tumben | des tumben | der tumben |
| Dativ | dem tumben | der tumben | dem tumben | den tumben |
| Akkusativ | den tumben | die tumbe | das tumbe | die tumben |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein tumber | eine tumbe | ein tumbes | keine tumben |
| Genitiv | eines tumben | einer tumben | eines tumben | keiner tumben |
| Dativ | einem tumben | einer tumben | einem tumben | keinen tumben |
| Akkusativ | einen tumben | eine tumbe | ein tumbes | keine tumben |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Tumb geht auf die mittelhochdeutsche Form tump zurück und ist sprachgeschichtlich mit dumm verbunden. Die heutige Wirkung ist jedoch besonders durch den altertümelnden, oft spöttischen Gebrauch bestimmt.
