übergenau
Übergenau: Genauer, als es die Aufgabe sinnvollerweise erfordert; übermäßig auf Einzelheiten bedacht.
Was bedeutet übergenau?
Übergenau beschreibt eine Genauigkeit, deren Aufwand oder Strenge nicht mehr zum Zweck passt. Eine Person prüft belanglose Einzelheiten immer wieder, verlangt unnötig feine Angaben oder verliert über Kleinigkeiten das Gesamtziel aus dem Blick.
Hohe Genauigkeit ist in vielen Aufgaben notwendig. Das Urteil übergenau ist deshalb nur sinnvoll, wenn erklärt wird, welche zusätzliche Prüfung wenig beiträgt oder welche wichtigen Aufgaben dadurch zurückstehen. Gründlichkeit allein ist kein Mangel.
Beispiele und Verwendung
Er kontrollierte übergenau die Abstände einer nur intern verwendeten Notiz.
So ist es gemeint: Die Genauigkeit steht möglicherweise nicht im Verhältnis zum Zweck.
Ihre übergenauen Vorgaben ließen für einfache Lösungen keinen Raum.
So ist es gemeint: Die Wirkung der Detailforderungen wird benannt.
Bei dieser Messung wäre dieselbe Sorgfalt nicht übergenau, sondern notwendig.
So ist es gemeint: Der angemessene Maßstab hängt von der Aufgabe ab.
Typische Verbindungen: übergenau arbeiten, eine übergenaue Kontrolle, übergenaue Vorgaben, es übergenau nehmen.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- gründlich
- Betont sorgfältiges und vollständiges Arbeiten, meist anerkennend.
- pedantisch
- Beschreibt häufig kleinliche Regel- und Detailtreue und ist ähnlich abwertend.
- perfektionistisch
- Richtet sich auf ein sehr hohes Ideal der Fehlerfreiheit, das auch andere Aspekte als Genauigkeit betreffen kann.
Zweckmäßig genau und pragmatisch beschreiben mögliche Gegenhaltungen; ungenau wäre nicht automatisch besser.
Übergenau in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte soll Erik für eine interne Probe Namensschilder schreiben. Nachdem alle Namen korrekt sind, misst er mehrfach die Randabstände und beginnt mehrere Schilder neu. Dadurch bleibt keine Zeit, die benötigten Stühle aufzustellen. Die Leitung hatte ausdrücklich um einfache gut lesbare Schilder gebeten.
- Beobachtung: Erik arbeitet an kaum relevanten Abständen weiter, obwohl die vereinbarten Anforderungen erfüllt sind.
- Deutung: Sein Vorgehen ist übergenau, weil der zusätzliche Aufwand eine wichtigere notwendige Aufgabe verdrängt.
- Grenze der Aussage: Für eine Druckvorlage könnten andere Maßstäbe gelten. Die Bewertung hängt an diesem internen Zweck und der vorhandenen Zeit.
Musterformulierung
Erik arbeitet an den Namensschildern übergenau. Er wiederholt die Gestaltung trotz korrekter, lesbarer Namen und versäumt darüber das Aufstellen der Stühle. Das Urteil beruht auf dem Missverhältnis zwischen Detailaufwand und Zweck. Es stellt sorgfältiges Arbeiten nicht grundsätzlich infrage.
Der Absatz macht den verfehlten Zweck sichtbar und begründet dadurch das wertende Übermaß.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- über·ge·nau
- Verwandtes Nomen
- die Übergenauigkeit
Es heißt eine übergenaue Prüfung und mit übergenauen Angaben. Die Endungen werden an übergenau angefügt.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | übergenauer | übergenaue | übergenaues | übergenaue |
| Genitiv | übergenauen | übergenauer | übergenauen | übergenauer |
| Dativ | übergenauem | übergenauer | übergenauem | übergenauen |
| Akkusativ | übergenauen | übergenaue | übergenaues | übergenaue |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der übergenaue | die übergenaue | das übergenaue | die übergenauen |
| Genitiv | des übergenauen | der übergenauen | des übergenauen | der übergenauen |
| Dativ | dem übergenauen | der übergenauen | dem übergenauen | den übergenauen |
| Akkusativ | den übergenauen | die übergenaue | das übergenaue | die übergenauen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein übergenauer | eine übergenaue | ein übergenaues | keine übergenauen |
| Genitiv | eines übergenauen | einer übergenauen | eines übergenauen | keiner übergenauen |
| Dativ | einem übergenauen | einer übergenauen | einem übergenauen | keinen übergenauen |
| Akkusativ | einen übergenauen | eine übergenaue | ein übergenaues | keine übergenauen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Die Vorsilbe über- bezeichnet bei genau ein Zuviel. Das Wort erklärt also nicht bloß große Genauigkeit, sondern eine als unangemessen bewertete Genauigkeit.
