unantastbar

Unantastbar: So geschützt oder als so verbindlich angesehen, dass etwas nicht angegriffen, verletzt oder infrage gestellt werden darf; bei Personen auch eine entsprechende Machtstellung beschreibend.

Was bedeutet unantastbar?

Unantastbar betrifft einen Schutzanspruch oder eine Stellung. Ein Grundsatz, ein geschützter Bereich oder ein reservierter Geldbetrag kann unantastbar sein. Bei einer Person kann gemeint sein, dass ihre Umgebung Kritik oder Konsequenzen kaum zulässt.

Das Wort beschreibt daher nicht von sich aus einen inneren Charakterzug. Wer sich für unantastbar hält, kann Selbstüberschätzung zeigen; wer tatsächlich vor Kritik geschützt ist, befindet sich zunächst in einer bestimmten sozialen Lage. Beides muss unterschieden werden.

Auf den PunktUnantastbar bezeichnet vor allem Schutz, Geltung oder Machtstellung. Daraus folgt noch keine moralische Fehlerlosigkeit.

Beispiele und Verwendung

Für die Gruppe blieb die vereinbarte Notreserve unantastbar.

So ist es gemeint: Der Betrag darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.

Seit Jahren galt der Leiter als unantastbar, obwohl Beschwerden vorlagen.

So ist es gemeint: Die Aussage betrifft seinen Schutz vor Kritik oder Konsequenzen.

Sie behandelte ihre eigene Entscheidung als unantastbar.

So ist es gemeint: Hier wird die Weigerung sichtbar, eine Entscheidung prüfen zu lassen.

Typische Verbindungen: als unantastbar gelten, unantastbare Grundsätze, eine unantastbare Stellung, etwas für unantastbar halten.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unnahbar
Beschreibt persönliche Distanz. Eine unnahbare Person kann trotzdem kritisiert oder abgesetzt werden.
unverletzlich
Betont Schutz vor Verletzung oder Eingriff und kann je nach Zusammenhang sehr nahe liegen.
unfehlbar
Würde behaupten, dass keine Fehler gemacht werden. Unantastbarkeit garantiert das nicht.

Angreifbar ist ein möglicher Gegensatz. Kritikfähig beschreibt dagegen eine innere Haltung und gehört deshalb auf eine andere Ebene.

Unantastbar in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte verwaltet Bruno allein die Kasse eines Vereins. Als Mitglieder Belege sehen möchten, erklärt die Vorsitzende, seine Verdienste verböten solche Fragen. Bruno lehnt daraufhin jede Auskunft ab. Erst nach einer gemeinsamen Satzungsprüfung verlangt die Gruppe dieselbe Rechenschaft, die für alle anderen Zuständigen gilt.

  1. Beobachtung: Die Vorsitzende schützt Bruno zunächst vor Nachfragen; er nutzt diesen Schutz, um Auskünfte zu verweigern.
  2. Deutung: Bruno gilt innerhalb der Gruppe zeitweise als unantastbar. Sein Verhalten lässt zusätzlich erkennen, dass er diese Sonderstellung beansprucht.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene beweist weder tatsächliche Unfehlbarkeit noch einen bereits feststehenden finanziellen Missbrauch. Belegt sind die verweigerte Prüfung und ihre spätere Aufhebung.

Musterformulierung

Bruno nimmt zunächst eine unantastbare Stellung im Verein ein, weil seine Verdienste als Grund gegen jede Nachfrage dienen. Er nutzt diese Haltung zur Verweigerung von Auskünften. Die spätere gemeinsame Prüfung beendet den Sonderstatus, ohne dass die Szene bereits einen konkreten Kassenfehler nachweist.

Der Absatz trennt Machtstellung, beobachtbares Verhalten und noch ungeklärte Vorwürfe. So wird aus fehlender Kontrolle keine erfundene Schuld.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·an·tast·bar
Verwandtes Nomen
die Unantastbarkeit

Es heißt ein unantastbarer Grundsatz und mit unantastbaren Reserven. Das Wort ist ein Adjektiv und wird vor Nomen normal gebeugt.

SteigerungIm strengen Sinn ist etwas unantastbar oder nicht; eine gewöhnliche Steigerung ist dann nicht sinnvoll. In politischen oder sozialen Beschreibungen kann noch unantastbarer wirken eine rhetorische Abstufung des zugeschriebenen Schutzes ausdrücken.

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunantastbarerunantastbareunantastbaresunantastbare
Genitivunantastbarenunantastbarerunantastbarenunantastbarer
Dativunantastbaremunantastbarerunantastbaremunantastbaren
Akkusativunantastbarenunantastbareunantastbaresunantastbare
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unantastbaredie unantastbaredas unantastbaredie unantastbaren
Genitivdes unantastbarender unantastbarendes unantastbarender unantastbaren
Dativdem unantastbarender unantastbarendem unantastbarenden unantastbaren
Akkusativden unantastbarendie unantastbaredas unantastbaredie unantastbaren
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unantastbarereine unantastbareein unantastbareskeine unantastbaren
Genitiveines unantastbareneiner unantastbareneines unantastbarenkeiner unantastbaren
Dativeinem unantastbareneiner unantastbareneinem unantastbarenkeinen unantastbaren
Akkusativeinen unantastbareneine unantastbareein unantastbareskeine unantastbaren

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unantastbar verneint antastbar, das zu antasten gehört. Dieses Verb kann außer einer Berührung auch einen Angriff auf Rechte, Geltung oder Ansehen meinen. Im übertragenen Gebrauch geht es darum, dass etwas nicht angegriffen werden darf oder eine Person gegen Kritik abgeschirmt erscheint.

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