unaufrichtig

Unaufrichtig: Die tatsächliche Meinung, Absicht oder Empfindung nicht ehrlich erkennen lassend und stattdessen einen anderen Eindruck vermittelnd.

Was bedeutet unaufrichtig?

Unaufrichtig ist eine Person, deren gezeigte Haltung nicht mit ihrer tatsächlichen Haltung übereinstimmt. Sie bekundet etwa Zustimmung, obwohl sie heimlich gegen das Vorhaben arbeitet, oder stellt ein eigennütziges Anliegen als reine Fürsorge dar.

Nicht jede Zurückhaltung ist unaufrichtig. Menschen müssen nicht jeden privaten Gedanken offenlegen. Die Einordnung braucht Hinweise darauf, dass ein irreführender Eindruck bewusst erzeugt oder aufrechterhalten wird. Ein freundlicher Ton trotz Ärgers kann auch ein respektvoller Umgang mit dem Gefühl sein.

Auf den PunktUnaufrichtigkeit betrifft den Gegensatz zwischen gezeigter und tatsächlicher Haltung. Bloße Privatheit ist kein ausreichender Beleg.

Beispiele und Verwendung

Unaufrichtig lobte er den Vorschlag, den er kurz zuvor heimlich zu verhindern versucht hatte.

So ist es gemeint: Das widersprüchliche Verhalten stützt den Vorwurf.

Ihre Anteilnahme wirkte unaufrichtig, weil sie das Gespräch sofort für eine eigene Bitte nutzte.

So ist es gemeint: Der Satz beschreibt zunächst einen Eindruck, keinen sicheren Zugang zu ihren Gefühlen.

Sie behielt ihre Sorge für sich, versprach aber nichts Falsches; das war nicht zwingend unaufrichtig.

So ist es gemeint: Nichtaussprechen und Irreführung werden getrennt.

Typische Verbindungen: unaufrichtig wirken, eine unaufrichtige Zusage, unaufrichtige Anteilnahme, gegenüber jemandem unaufrichtig sein.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unehrlich
Ist weiter und umfasst auch falsche Angaben oder betrügerischen Umgang mit fremden Sachen.
heuchlerisch
Betont das Vorspiegeln moralisch guter Absichten oder Gefühle.
verschlossen
Bezeichnet geringe Offenheit. Eine verschlossene Person kann bei dem, was sie sagt, vollkommen aufrichtig sein.

aufrichtig ist der direkte Gegenbegriff. Schonungslos ist kein notwendiges Gegenstück: Ehrlichkeit kann rücksichtsvoll formuliert werden.

Unaufrichtig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte versichert Malte einer Kollegin, er unterstütze ihre Ausstellung. Noch am selben Tag bittet er den Veranstalter heimlich, ihr den Raum zu entziehen, weil er ihn selbst nutzen möchte. Als sie später von Schwierigkeiten berichtet, zeigt er gespieltes Erstaunen und bietet an, beim Veranstalter nachzufragen.

  1. Beobachtung: Maltes ausgesprochene Unterstützung widerspricht seiner verdeckten Bitte; anschließend verbirgt er sein Wissen.
  2. Deutung: Diese Verbindung zeigt Unaufrichtigkeit, weil er Solidarität darstellt, während er ein gegenteiliges eigenes Ziel verfolgt.
  3. Grenze der Aussage: Die Deutung setzt voraus, dass der Text auch das geheime Gespräch mitteilt. Die freundliche Zusage allein würde den Vorwurf nicht beweisen.

Musterformulierung

Malte verhält sich unaufrichtig, indem er Unterstützung zusichert und gleichzeitig auf den Entzug des Raums hinwirkt. Sein späteres Erstaunen verschleiert die eigene Beteiligung. Die Einordnung beruht damit auf dem erzählten Widerspruch zwischen öffentlicher Haltung und verdecktem Handeln.

Die Musterformulierung erklärt, welche zusätzliche Information die scheinbar freundliche Geste in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·auf·rich·tig
Verwandtes Nomen
die Unaufrichtigkeit

Es heißt unaufrichtige Worte und eine unaufrichtige Haltung. Die Ergänzung gegenüber verbindet sich mit dem Dativ: gegenüber der Kollegin.

Grundformunaufrichtig
Komparativunaufrichtiger
Superlativam unaufrichtigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunaufrichtigerunaufrichtigeunaufrichtigesunaufrichtige
Genitivunaufrichtigenunaufrichtigerunaufrichtigenunaufrichtiger
Dativunaufrichtigemunaufrichtigerunaufrichtigemunaufrichtigen
Akkusativunaufrichtigenunaufrichtigeunaufrichtigesunaufrichtige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unaufrichtigedie unaufrichtigedas unaufrichtigedie unaufrichtigen
Genitivdes unaufrichtigender unaufrichtigendes unaufrichtigender unaufrichtigen
Dativdem unaufrichtigender unaufrichtigendem unaufrichtigenden unaufrichtigen
Akkusativden unaufrichtigendie unaufrichtigedas unaufrichtigedie unaufrichtigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unaufrichtigereine unaufrichtigeein unaufrichtigeskeine unaufrichtigen
Genitiveines unaufrichtigeneiner unaufrichtigeneines unaufrichtigenkeiner unaufrichtigen
Dativeinem unaufrichtigeneiner unaufrichtigeneinem unaufrichtigenkeinen unaufrichtigen
Akkusativeinen unaufrichtigeneine unaufrichtigeein unaufrichtigeskeine unaufrichtigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Grundwort aufrichtig bezeichnet in diesem Zusammenhang Offenheit und Ehrlichkeit. Un- verneint diese Übereinstimmung zwischen dem gezeigten Auftreten und der tatsächlichen Haltung. Für die heutige Bedeutung ist entscheidend, was jemand verschweigt, vorspiegelt oder anders darstellt.

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