undankbar

Undankbar: Erhaltene Hilfe oder Zuwendung nicht angemessen anerkennend; bei Aufgaben auch wenig Anerkennung oder befriedigenden Ertrag versprechend.

Was bedeutet undankbar?

Undankbar bewertet das Verhältnis zu einer empfangenen Leistung. Eine Figur behandelt Hilfe als selbstverständlich, verschweigt den Beitrag anderer oder weist die Helfenden anschließend ab. Der Vorwurf braucht jedoch einen nachvollziehbaren Anlass.

Ein Geschenk verpflichtet nicht zu beliebiger Gegenleistung. Wer eine unerwünschte Einflussnahme zurückweist, ist deshalb nicht automatisch undankbar. Ebenso ist eine undankbare Aufgabe keine moralisch schlechte Aufgabe: Sie bringt häufig viel Mühe und wenig Anerkennung mit sich.

Auf den PunktDankbarkeit bedeutet Anerkennung, nicht unbegrenzte Verpflichtung.

Beispiele und Verwendung

Undankbar schrieb er den gemeinsamen Erfolg allein sich selbst zu.

So ist es gemeint: Der Beitrag der Helfenden wird ausgeblendet.

Die Verteilung der unbeliebten Dienste war eine undankbare Aufgabe.

So ist es gemeint: Die Tätigkeit verspricht wenig Zustimmung oder Anerkennung.

Sie bedankte sich für die Hilfe, lehnte aber eine weitere Forderung ab.

So ist es gemeint: Eine Grenze beweist keine Undankbarkeit.

Typische Verbindungen: undankbar sein, ein undankbarer Umgang, undankbar gegenüber Helfern, eine undankbare Aufgabe.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

rücksichtslos
Beschreibt das Übergehen anderer allgemeiner, auch ohne zuvor empfangene Hilfe.
anspruchsvoll
Bezeichnet hohe Erwartungen, nicht automatisch fehlende Anerkennung.
selbstverständlich
Ist kein Personenmerkmal, kann aber erklären, wie eine Leistung als nicht dankenswert behandelt wird.

dankbar ist der direkte Gegenbegriff. Gefügigkeit ist keine notwendige Form des Dankes.

Undankbar in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte hilft eine Gruppe Finn, ein beschädigtes Bühnenbild rechtzeitig zu reparieren. Bei der Aufführung erzählt Finn dem Publikum, er habe die Arbeit allein geschafft. Als eine Helferin ihn später darauf anspricht, sagt er, die anderen hätten doch ohnehin nichts Besseres zu tun gehabt. Die Gruppe fühlt sich übergangen.

  1. Beobachtung: Finn verschweigt die erhaltene Hilfe und wertet anschließend den Einsatz der anderen ab.
  2. Deutung: Das Verhalten ist undankbar, weil er einen tatsächlich geleisteten Beitrag weder öffentlich noch im Nachgespräch anerkennt.
  3. Grenze der Aussage: Der Vorwurf beruht nicht darauf, dass Finn keine beliebige Gegenleistung erbringt. Entscheidend sind Verschweigen und Abwertung.

Musterformulierung

Finn verhält sich gegenüber seinen Helfern undankbar. Er stellt die gemeinsame Reparatur als eigene Leistung dar und erklärt den Einsatz der anderen anschließend für selbstverständlich. Die Szene zeigt fehlende Anerkennung, ohne eine bestimmte Gegenleistung als Pflicht vorauszusetzen.

Der Absatz benennt, worin die Undankbarkeit liegt, und trennt Anerkennung von einem unbegrenzten Anspruch auf Erwiderung.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·dank·bar
Verwandtes Nomen
die Undankbarkeit

Es heißt ein undankbarer Empfänger und mit undankbaren Reaktionen. Der Bezug wird häufig mit gegenüber und Dativ ausgedrückt.

Grundformundankbar
Komparativundankbarer
Superlativam undankbarsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativundankbarerundankbareundankbaresundankbare
Genitivundankbarenundankbarerundankbarenundankbarer
Dativundankbaremundankbarerundankbaremundankbaren
Akkusativundankbarenundankbareundankbaresundankbare
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder undankbaredie undankbaredas undankbaredie undankbaren
Genitivdes undankbarender undankbarendes undankbarender undankbaren
Dativdem undankbarender undankbarendem undankbarenden undankbaren
Akkusativden undankbarendie undankbaredas undankbaredie undankbaren
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein undankbarereine undankbareein undankbareskeine undankbaren
Genitiveines undankbareneiner undankbareneines undankbarenkeiner undankbaren
Dativeinem undankbareneiner undankbareneinem undankbarenkeinen undankbaren
Akkusativeinen undankbareneine undankbareein undankbareskeine undankbaren

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Undankbar verneint dankbar und gehört zur Wortfamilie von Dank. Bei Personen wird die fehlende Anerkennung empfangener Hilfe bezeichnet. Die übertragene Wendung eine undankbare Aufgabe verschiebt den Bezug: Hier bleibt der erwartete Dank oder befriedigende Ertrag der Arbeit aus.

Zur Übersicht der Charaktereigenschaften