unsensibel

Unsensibel: Für Empfindungen, Bedürfnisse oder feine Unterschiede zu wenig empfänglich beziehungsweise rücksichtsvoll.

Was bedeutet unsensibel?

Unsensibel wirkt jemand, der die Gefühle anderer übersieht oder erkennbare Empfindlichkeiten nicht berücksichtigt. Das kann durch eine achtlose Bemerkung, eine unpassende Frage oder den Umgang mit einer belastenden Situation sichtbar werden. Nicht jede verletzende Wirkung ist dabei beabsichtigt.

Das Wort kann auch die geringe Wahrnehmung feiner Unterschiede betreffen. In einer Charakterisierung ist meist der zwischenmenschliche Sinn gemeint. Dann sollte gezeigt werden, welche Hinweise vorhanden waren und wie die Figur darauf reagiert hat.

Auf den PunktUnsensibel bezeichnet mangelndes Gespür oder fehlende Rücksicht. Eine verletzende Wirkung beweist noch keine bewusste Verletzungsabsicht.

Beispiele und Verwendung

Unsensibel fragte er vor allen nach dem Grund ihrer Trennung.

So ist es gemeint: Die Frage missachtet einen erkennbar privaten Bereich.

Ihre unsensible Bemerkung traf ihn stärker, als sie erwartet hatte.

So ist es gemeint: Wirkung und Absicht können auseinanderfallen.

Er reagierte unsensibel auf den vorsichtigen Hinweis, dass das Thema belastend sei.

So ist es gemeint: Die vorhandene Rückmeldung macht das Urteil nachvollziehbar.

Typische Verbindungen: unsensibel reagieren, eine unsensible Frage, unsensibel mit etwas umgehen, unsensibel wirken.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

taktlos
Betont den Verstoß gegen das angemessene Verhalten in einer empfindlichen Situation.
gefühllos
Ist stärker und kann den Eindruck fehlenden Mitgefühls insgesamt ausdrücken.
unaufmerksam
Kann bloßes Übersehen meinen; unsensibel richtet den Blick genauer auf Empfindungen und Feinheiten.

Sensibel, einfühlsam und taktvoll sind mögliche Gegenbegriffe.

Unsensibel in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte sagt Ina beim Mittagessen, sie wolle über eine gerade erfolgte Absage nicht sprechen. Hanno fragt trotzdem vor der ganzen Gruppe nach und macht einen Witz über ihren misslungenen Versuch. Erst als Ina den Tisch verlässt, bemerkt er, dass sein vermeintlich auflockernder Ton verletzend war.

  1. Beobachtung: Ina setzt eine ausdrückliche Grenze; Hanno übergeht sie und macht den Misserfolg öffentlich zum Scherz.
  2. Deutung: Sein Verhalten ist unsensibel, weil er einen klaren Hinweis auf ihre Empfindungen nicht berücksichtigt.
  3. Grenze der Aussage: Der spätere Moment des Erkennens spricht gegen die sichere Behauptung, er habe Ina gezielt verletzen wollen.

Musterformulierung

Hanno verhält sich gegenüber Ina unsensibel. Er ignoriert ihren Wunsch, die Absage nicht zu besprechen, und macht vor anderen einen Witz darüber. Damit fehlt ihm in diesem Moment das nötige Gespür für ihre Grenze. Dass er die Wirkung erst später erkennt, lässt seine ursprüngliche Absicht offen.

Der Absatz belegt den Mangel an Rücksicht und trennt ihn von einer nicht gesicherten Schädigungsabsicht.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·sen·si·bel
Verwandtes Nomen
die Unsensibilität

Bei der Beugung entfällt das unbetonte e der Endung -el: eine unsensible Frage, mit unsensiblem Verhalten. Der Komparativ lautet unsensibler.

Grundformunsensibel
Komparativunsensibler
Superlativam unsensibelsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunsensiblerunsensibleunsensiblesunsensible
Genitivunsensiblenunsensiblerunsensiblenunsensibler
Dativunsensiblemunsensiblerunsensiblemunsensiblen
Akkusativunsensiblenunsensibleunsensiblesunsensible
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unsensibledie unsensibledas unsensibledie unsensiblen
Genitivdes unsensiblender unsensiblendes unsensiblender unsensiblen
Dativdem unsensiblender unsensiblendem unsensiblenden unsensiblen
Akkusativden unsensiblendie unsensibledas unsensibledie unsensiblen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unsensiblereine unsensibleein unsensibleskeine unsensiblen
Genitiveines unsensibleneiner unsensibleneines unsensiblenkeiner unsensiblen
Dativeinem unsensibleneiner unsensibleneinem unsensiblenkeinen unsensiblen
Akkusativeinen unsensibleneine unsensibleein unsensibleskeine unsensiblen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unsensibel verneint sensibel in der Bedeutung feinfühlig oder empfindsam. Im sozialen Gebrauch geht es besonders um das Wahrnehmen und Berücksichtigen fremder Empfindungen.

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