unvoreingenommen

Unvoreingenommen: Eine Person oder Sache ohne vorab festgelegtes, vorurteilsbestimmtes Urteil betrachtend und offen für die tatsächlich vorliegenden Informationen.

Was bedeutet unvoreingenommen?

Unvoreingenommen ist eine Betrachtung, wenn ihr Ergebnis nicht schon feststeht, bevor die Sache geprüft wird. Jemand hört sich beispielsweise eine unbekannte Sichtweise an, beurteilt eine Arbeit nach ihrem Inhalt oder überprüft eine negative Erwartung. Die Person muss dafür nicht ohne jedes Vorwissen sein. Entscheidend ist, ob neue Informationen ihr Urteil tatsächlich verändern können.

Unvoreingenommenheit verlangt auch keine Zustimmung zu allem. Nach sorgfältiger Prüfung kann ein Vorschlag abgelehnt werden. Die Ablehnung widerspricht der offenen Haltung nicht, sofern sie sich auf nachvollziehbare Gründe stützt. Umgekehrt macht ein freundliches Willkommen eine spätere Entscheidung noch nicht frei von Vorurteilen.

In einer Charakterisierung sollte sich das Wort deshalb auf den Umgang mit Informationen beziehen. Gleiche Kriterien, ernsthaftes Nachfragen und die Korrektur einer ersten Vermutung können passende Anzeichen sein. Niemand lässt sich anhand eines einzigen Gesprächs als in jeder Lebensfrage völlig vorurteilsfrei darstellen. Die Reichweite der Aussage gehört zur Erklärung.

Auf den PunktDas Urteil bleibt zunächst offen, die Prüfung nicht beliebig. Unvoreingenommenheit zeigt sich daran, wie jemand zu einer begründeten Bewertung kommt.

Beispiele und Verwendung

Sie las die anonymisierten Vorschläge unvoreingenommen und erfuhr erst danach, wer sie geschrieben hatte.

So ist es gemeint: Die Reihenfolge schützt die inhaltliche Prüfung vor einer vorschnellen Bewertung der Verfasser.

Obwohl er zunächst Zweifel hatte, hörte er der neuen Mitschülerin unvoreingenommen zu und änderte seine Einschätzung.

So ist es gemeint: Vorwissen und Zweifel schließen eine offene Prüfung nicht aus.

Sein unvoreingenommenes Urteil fiel kritisch aus, weil mehrere Angaben nachweislich fehlten.

So ist es gemeint: Eine negative Bewertung kann das Ergebnis einer fairen Prüfung sein.

Typische Verbindungen: unvoreingenommen zuhören, unvoreingenommen prüfen, ein unvoreingenommenes Urteil, einer Person unvoreingenommen begegnen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

aufgeschlossen
Betont Interesse und Offenheit für Neues. Unvoreingenommen richtet den Blick genauer auf das Fehlen eines vorab festgelegten Urteils.
fair
Umfasst angemessene Maßstäbe und den gerechten Umgang. Unvoreingenommene Prüfung kann dazu beitragen, deckt aber nicht jede Fairnessfrage ab.
kritisch
Beschreibt prüfendes Hinterfragen. Wer unvoreingenommen ist, darf sehr kritisch prüfen, solange nicht nur eine vorgefasste Ansicht bestätigt werden soll.

Voreingenommen oder vorurteilsgeleitet sind naheliegende Gegenbeschreibungen. Distanziert ist kein unmittelbares Gegenteil: Auch mit persönlichem Abstand lässt sich offen urteilen.

Unvoreingenommen in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Schulgeschichte hält Ben seine neue Mitschülerin zunächst für unerfahren. Als sie eine andere Lösung für das Bühnenbild vorschlägt, bittet er sie dennoch, den Plan vollständig zu erklären. Er vergleicht Materialbedarf und Stabilität mit dem eigenen Entwurf und entscheidet sich für ihre Lösung, weil sie die vereinbarten Anforderungen besser erfüllt.

  1. Beobachtung: Ben lässt die Erklärung zu, verwendet dieselben Kriterien für beide Vorschläge und korrigiert seine erste Erwartung.
  2. Deutung: Sein Vorgehen ist in dieser Entscheidung unvoreingenommen: Die frühere Einschätzung verhindert das neue Urteil nicht.
  3. Grenze der Aussage: Dass Ben seine Meinung hier ändert, beweist weder völlige Vorurteilsfreiheit noch eine allgemeine Überlegenheit der Mitschülerin. Die Aussage bleibt auf den Vergleich der Entwürfe bezogen.

Musterformulierung

Ben prüft den Vorschlag der Mitschülerin unvoreingenommen, obwohl er anfangs wenig von ihrer Erfahrung erwartet. Er lässt sich die Lösung erklären und vergleicht beide Entwürfe anhand derselben Anforderungen. Dass er sich anschließend für ihren Plan entscheidet, zeigt die tatsächliche Korrigierbarkeit seines ersten Urteils.

Nicht die bloße Behauptung, Ben sei offen, trägt die Deutung, sondern das nachvollziehbare Prüfverfahren. Der Absatz nennt außerdem die anfängliche Erwartung, statt sie aus der Figurendarstellung zu entfernen.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·vor·ein·ge·nom·men
Verwandtes Nomen
die Unvoreingenommenheit

Das lange Wort wird ohne Leerzeichen geschrieben: unvoreingenommen. Formen sind ein unvoreingenommener Blick und mit unvoreingenommenem Blick. Die Steigerung ist möglich, wenn ein relativ offeneres Vorgehen verglichen wird; absolute Vorurteilsfreiheit lässt sich daraus nicht ableiten.

Grundformunvoreingenommen
Komparativunvoreingenommener
Superlativam unvoreingenommensten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunvoreingenommenerunvoreingenommeneunvoreingenommenesunvoreingenommene
Genitivunvoreingenommenenunvoreingenommenerunvoreingenommenenunvoreingenommener
Dativunvoreingenommenemunvoreingenommenerunvoreingenommenemunvoreingenommenen
Akkusativunvoreingenommenenunvoreingenommeneunvoreingenommenesunvoreingenommene
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unvoreingenommenedie unvoreingenommenedas unvoreingenommenedie unvoreingenommenen
Genitivdes unvoreingenommenender unvoreingenommenendes unvoreingenommenender unvoreingenommenen
Dativdem unvoreingenommenender unvoreingenommenendem unvoreingenommenenden unvoreingenommenen
Akkusativden unvoreingenommenendie unvoreingenommenedas unvoreingenommenedie unvoreingenommenen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unvoreingenommenereine unvoreingenommeneein unvoreingenommeneskeine unvoreingenommenen
Genitiveines unvoreingenommeneneiner unvoreingenommeneneines unvoreingenommenenkeiner unvoreingenommenen
Dativeinem unvoreingenommeneneiner unvoreingenommeneneinem unvoreingenommenenkeinen unvoreingenommenen
Akkusativeinen unvoreingenommeneneine unvoreingenommeneein unvoreingenommeneskeine unvoreingenommenen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unvoreingenommen ist mit un- zu voreingenommen gebildet. In der heutigen Bedeutung wird ein Urteil verneint, das bereits durch Vorurteile bestimmt ist. Die Wortbildung beschreibt damit die Offenheit des Prüfens; sie bedeutet nicht, dass ein Mensch ohne Erfahrungen oder Erwartungen an jede Sache herangehen muss.

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