utilitaristisch
Form & Grammatik
- Stichwort
- utilitaristisch
- Worttrennung
- uti·li·ta·ris·tisch
- Komparativ
- utilitaristischer
- Superlativ
- am utilitaristischsten
Als philosophische Zuordnung gewöhnlich die Grundstufe. Die belegten Vergleichsformen können eine stärkere Prägung durch das Nutzenprinzip meinen; dabei sind Gemeinwohlbetrachtung und bloßer Eigennutz auseinanderzuhalten.
Utilitaristisch: Auf den Utilitarismus bezogen: Handlungen oder Regeln vor allem danach beurteilend, wie sie sich insgesamt auf das Wohlergehen der Betroffenen auswirken. Gemeint ist nicht einfach der eigene Vorteil.
Was bedeutet utilitaristisch?
Utilitaristisch bezeichnet eine Orientierung an einer philosophischen Auffassung, nach der die Folgen von Handlungen für das Wohlergehen entscheidend sind. Vereinfacht fragt eine utilitaristische Abwägung: Welche verfügbare Möglichkeit bringt insgesamt das beste Ergebnis für die Betroffenen? Dabei zählt das Wohlergehen anderer grundsätzlich mit; der Nutzen der handelnden Person ist nicht automatisch wichtiger.
Das Wort bedeutet deshalb nicht bloß praktisch, gewinnorientiert oder egoistisch. Auch wer selbst auf einen Vorteil verzichtet, kann utilitaristisch argumentieren, wenn dadurch insgesamt mehr Gutes erreicht wird. Umgekehrt ist ein angenehmes Ergebnis für die Mehrheit nicht schon der vollständige Maßstab: Schwere Nachteile für einzelne Betroffene dürfen in der Abwägung nicht einfach verschwinden.
Es gibt unterschiedliche utilitaristische Ansätze. Manche richten die Prüfung besonders auf die einzelne Handlung, andere auf Regeln und deren Folgen. Für eine Charakterisierung genügt eine erkennbare Argumentationsweise; eine Figur muss nicht einer genau benannten philosophischen Schule angehören. Ein einzelner Satz über einen nützlichen Zweck belegt allerdings noch keine umfassende utilitaristische Haltung.
Beispiele und Verwendung
Sie begründete den gemeinsamen Fahrdienst utilitaristisch: Er sollte insgesamt mehr Menschen den Zugang ermöglichen.
So ist es gemeint: Der erwartete Nutzen für die Betroffenen ist der ausdrücklich genannte Maßstab.
Seine utilitaristische Überlegung schloss den eigenen Verzicht ein, weil dadurch mehrere dringende Bedürfnisse erfüllt werden konnten.
So ist es gemeint: Das Beispiel widerspricht der Gleichsetzung mit Egoismus.
Die Gruppe stritt darüber, ob die kurzfristig nützliche Ausnahme langfristig eine hilfreiche Regel schwächen würde.
So ist es gemeint: Auch die Folgen von Regeln und die längere Perspektive können Teil der Abwägung sein.
Typische Verbindungen: utilitaristisch argumentieren, eine utilitaristische Abwägung, utilitaristische Ethik, ein utilitaristischer Ansatz.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- egoistisch
- Stellt den eigenen Vorteil in den Vordergrund. Eine utilitaristische Betrachtung berücksichtigt dagegen das Wohlergehen aller Betroffenen.
- berechnend
- Bezeichnet häufig ein planvolles Vorgehen zum eigenen Vorteil. Utilitaristisch benennt einen ethischen Maßstab und nicht einfach eine kühle Rechenhaltung.
- folgenorientiert
- Ist die weitere Beschreibung: Nicht jede Betrachtung von Folgen gehört bereits zum Utilitarismus.
Eine pflichtenorientierte Begründung kann eine Handlung unabhängig vom erwarteten Gesamtnutzen gebieten oder verbieten. Das ist eine andere Art der Rechtfertigung, nicht automatisch eine unvernünftige oder menschenfeindliche Haltung.
Utilitaristisch in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Erzählung reichen die Mittel eines Vereins entweder für eine aufwendige eigene Feier oder für mehrere offene Lesetermine mit Fahrdienst. Nela stimmt gegen ihre bevorzugte Feier. Sie erklärt, dass durch die zweite Möglichkeit mehr Menschen regelmäßig teilnehmen könnten und besonders diejenigen profitieren würden, die sonst ausgeschlossen blieben. Ein anderer Teilnehmer fragt, ob dabei eine frühere Zusage verletzt würde.
- Beobachtung: Nela vergleicht Folgen für die Betroffenen und stellt ihren persönlichen Wunsch zurück. Die Gegenrede bringt eine Verpflichtung ins Gespräch.
- Deutung: Ihre Begründung lässt sich als utilitaristisch geprägt beschreiben, weil das erwartete gemeinsame Wohlergehen ausschlaggebend sein soll.
- Grenze der Aussage: Die Szene entscheidet nicht abschließend, welche Alternative moralisch richtig ist. Sie belegt auch keine Zugehörigkeit Nelas zu einer bestimmten philosophischen Schule.
Musterformulierung
Nela argumentiert utilitaristisch geprägt, indem sie die Möglichkeiten nach ihrem erwarteten Nutzen für die Betroffenen vergleicht. Obwohl sie selbst die Feier bevorzugt, unterstützt sie die offenen Lesetermine. Die Nachfrage nach der früheren Zusage macht zugleich sichtbar, dass neben den Folgen auch Verpflichtungen als Entscheidungsgründe auftreten.
Der Absatz erläutert den erkennbaren Maßstab und setzt ihn in Beziehung zur Gegenposition. Die vorsichtige Formulierung beschreibt die konkrete Argumentation, ohne der Figur ein vollständig ausgearbeitetes philosophisches System zuzuschreiben.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- uti·li·ta·ris·tisch
- Verwandtes Nomen
- der Utilitarismus
Das Wort wird mit t nach utili- und der Endung -istisch geschrieben: utilitaristisch. Es wird klein geschrieben und wie ein Adjektiv gebeugt: ein utilitaristischer Ansatz, mit einer utilitaristischen Begründung. Die fehlende übliche Steigerung verhindert diese Beugung nicht.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | utilitaristischer | utilitaristische | utilitaristisches | utilitaristische |
| Genitiv | utilitaristischen | utilitaristischer | utilitaristischen | utilitaristischer |
| Dativ | utilitaristischem | utilitaristischer | utilitaristischem | utilitaristischen |
| Akkusativ | utilitaristischen | utilitaristische | utilitaristisches | utilitaristische |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der utilitaristische | die utilitaristische | das utilitaristische | die utilitaristischen |
| Genitiv | des utilitaristischen | der utilitaristischen | des utilitaristischen | der utilitaristischen |
| Dativ | dem utilitaristischen | der utilitaristischen | dem utilitaristischen | den utilitaristischen |
| Akkusativ | den utilitaristischen | die utilitaristische | das utilitaristische | die utilitaristischen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein utilitaristischer | eine utilitaristische | ein utilitaristisches | keine utilitaristischen |
| Genitiv | eines utilitaristischen | einer utilitaristischen | eines utilitaristischen | keiner utilitaristischen |
| Dativ | einem utilitaristischen | einer utilitaristischen | einem utilitaristischen | keinen utilitaristischen |
| Akkusativ | einen utilitaristischen | eine utilitaristische | ein utilitaristisches | keine utilitaristischen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Utilitaristisch ist eine Bildung zum Fachwort Utilitarismus. Dieses wurde aus dem englischen utilitarianism übernommen. Die heutige philosophische Bedeutung ist genauer als der alltägliche Gebrauch von nützlich; aus einem bloßen Nutzenhinweis folgt daher noch keine utilitaristische Position.
