Anamnese
Form & Grammatik
- Stichwort
- Anamnese
- Worttrennung
- Anam·ne·se
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Anamnese
- Plural
- die Anamnesen
Anamnesis ist in der philosophischen Lesart eine weitere Form; die Tabelle zeigt die Formen von Anamnese.
Gebrauch: Vor allem medizinische Vorgeschichte und ihre Erhebung; daneben philosophischer und liturgischer Fachgebrauch.
Definition · kurz erklärt
Eine Anamnese erfasst im medizinischen Zusammenhang die Vorgeschichte und die berichteten Beschwerden eines Menschen. Daneben hat das Wort besondere Bedeutungen in der Philosophie und in der christlichen Liturgie. Gemeinsam ist diesen Verwendungen der Bezug auf Vergangenes oder Erinnerung.
Bedeutungen
Medizin: die Vorgeschichte erfassen
Bei der Anamnese werden Informationen über Beschwerden und ihre Vorgeschichte erhoben. Angaben können von der betroffenen Person selbst oder von anderen Personen stammen. Die Anamnese trägt zur Einordnung bei, ist aber nicht schon mit einer gesicherten Diagnose gleichzusetzen.
„Bei der Anamnese fragt die Ärztin, seit wann die beschriebenen Beschwerden bestehen.“
Das eigene Beispiel zeigt die Erhebung des zeitlichen Verlaufs. Eine einzelne Antwort würde noch keine bestimmte Erkrankung beweisen.
Philosophie: Wiedererinnerung
In der platonischen Erkenntnislehre bezeichnet Anamnese, auch Anamnesis, die Wiedererinnerung der Seele an Wahrheiten, die sie vor der Verbindung mit dem Körper geschaut habe. Das ist ein bestimmtes philosophisches Modell von Erkenntnis.
„Das Seminar erläutert Platons Anamnese als Wiedererinnerung und stellt ihr andere Erkenntnismodelle gegenüber.“
Der Satz beschreibt eine philosophische Auffassung. Er behauptet nicht, dass eine vorgeburtliche Kenntnis empirisch nachgewiesen sei.
Liturgie: erinnerndes Gedenken
In der christlichen Liturgie kann Anamnese das Gedenken an Gottes Heilshandeln bezeichnen. Im eucharistischen Hochgebet ist damit insbesondere das Gedächtnis von Tod und Auferstehung Jesu verbunden.
„Die Erklärung des Hochgebets unterscheidet Anamnese und die Bitte um den Heiligen Geist.“
Das Beispiel ordnet Teile einer religiösen Feier ein. Es beschreibt deren Bedeutung innerhalb des christlichen Glaubens.
Anamnese: Synonyme und andere Wörter
Vorgeschichte, Gespräch und Diagnose
Krankengeschichte oder medizinische Vorgeschichte können den Inhalt der Anamnese verständlicher benennen. Anamnesegespräch bezeichnet genauer das Gespräch zur Erhebung. Eine Diagnose ist dagegen eine Feststellung oder Einordnung auf Grundlage geeigneter Informationen.
„Die Anamnese hält den geschilderten Verlauf fest. – Weitere Informationen helfen, die Beschwerden diagnostisch einzuordnen.“
Die Sätze trennen Erhebung und Einordnung. Das Adjektiv diagnostisch bezeichnet den Zweck der Erkennung.
Erinnerung und Gedenken
Erinnerung ist der allgemeine Ausdruck. Die philosophische Wiedererinnerung und das liturgische Gedenken sind besondere Verwendungen; sie lassen sich nicht auf jede Alltagserinnerung übertragen.
„Sie erinnert sich an einen Ausflug. – Der philosophische Text spricht von Anamnese als einem Modell der Erkenntnis.“
Der erste Satz nennt einen persönlichen Eindruck. Der zweite verwendet einen abgegrenzten Fachbegriff.
Beispiele und Verwendung
Eigen- und Fremdanamnese unterscheiden
„Die Dokumentation trennt die Eigenanamnese von den Angaben eines Angehörigen.“
Eigenanamnese beruht auf Angaben der betroffenen Person, Fremdanamnese auf Angaben anderer. Der Satz entscheidet nicht automatisch, welche einzelne Angabe zutreffender ist.
Den Fachbereich nennen
„Die Arbeit untersucht die Anamnese im eucharistischen Hochgebet.“
Die Ergänzung verhindert, dass das Wort als medizinisches Gespräch verstanden wird.
Grammatik und Beugung
Es heißt die Anamnese, im Genitiv der Anamnese. Die Mehrzahl lautet die Anamnesen, im Dativ den Anamnesen.
Die philosophische Form Anamnesis ist keine gebeugte Form von Anamnese. Sie wird hier als bedeutungsbezogene Variante erklärt und erhält keinen künstlichen zweiten Artikel. Das Nomen bezeichnet keine Person.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Anamnese | die Anamnesen |
| Genitiv | der Anamnese | der Anamnesen |
| Dativ | der Anamnese | den Anamnesen |
| Akkusativ | die Anamnese | die Anamnesen |
Eine Anamnese aufnehmen
Eine Anamnese aufnehmen bedeutet, die medizinische Vorgeschichte und die berichteten Angaben zu erheben und festzuhalten.
„Vor der weiteren Untersuchung nimmt die Ärztin eine Anamnese auf.“
Aufnehmen bedeutet hier erfassen. Eine Ton- oder Videoaufnahme ist damit nicht vorausgesetzt.
Herkunft
Anamnese wurde über spätlateinisch anamnēsis aus griechisch anámnēsis übernommen. Das griechische Wort bedeutet Erinnerung. Der gemeinsame Herkunftsbezug macht die medizinischen, philosophischen und liturgischen Verwendungen verständlich, ohne sie gleichzusetzen.
