Personal- und Possessivpronomen: Übungen mit Lösungen
Wer ist mit sie gemeint? Warum heißt es einmal ihn und einmal ihm? Und wovon hängt die Endung in ihrem Rucksack ab? In diesen Übungen verbindest du die Wahl einer Form mit der Aussage des Textes. Du brauchst dafür die Grundbegriffe Nomen, Singular und Plural sowie Nominativ, Akkusativ und Dativ.
Bearbeite zuerst die Aufgaben und notiere jeweils eine kurze Begründung. Die Lösungen stehen anschließend zusammen. Bei offenen Aufgaben sind mehrere Fassungen möglich; entscheidend ist, dass sie den vorgegebenen Bezug erhalten.
Zuerst den Bezug, dann die Form klären
Personalpronomen wie er, sie, es greifen im Text Personen oder Dinge auf. Ich und du beziehen sich dagegen auf die sprechende und die angesprochene Person. Welche Formen zur Gruppe gehören, erklärt die Übersicht zu den Pronomen.
Beispiel: „Der Nachbar wartet. Ich gehe mit ihm zum Bus.“ Gemeint bleibt der Nachbar. Trotzdem steht im zweiten Satz nicht er: Nach mit wird hier der Dativ gebraucht. Der Fall eines früheren Ausdrucks wird also nicht einfach übernommen. Falls du die Fälle wiederholen möchtest, hilft die Übersicht zum Kasus.
Für die folgenden Aufgaben helfen drei Fragen: Wer oder was ist gemeint? Welche Rolle hat der Ausdruck jetzt? Welche Form passt dazu? Bei possessiven Formen kommt die Zugehörigkeit hinzu. Sie kann etwa Eigentum, eine Verwandtschaft oder eine Zusammenarbeit bezeichnen.
Aufgaben
1. Bezüge im Text erkennen
Schreibe zu jedem hervorgehobenen Personalpronomen den Bezugsausdruck auf. Erkläre außerdem, woran du im dritten Beispiel den Plural erkennst.
- Eine Brücke führt über den Bach. Sie ist gesperrt.
- Das Paket liegt im Flur. Es ist für mich bestimmt.
- Die Besucher warten vor der Tür. Sie möchten hinein.
2. Mehrdeutige Bezüge auflösen
„Elif trifft Paula vor dem Kino. Sie hat die Karten.“ Beide Personen können gemeint sein. Schreibe den zweiten Satz zweimal um: einmal mit Elif, einmal mit Paula als Karteninhaberin. Erkläre, weshalb die Regel „Das Pronomen meint immer den zuletzt genannten Namen“ hier keine sichere Lösung liefert.
3. Den Fall neu bestimmen
Ersetze nur die hervorgehobene Wortgruppe durch ein Personalpronomen. Behalte den Bezug und den restlichen Satz bei. Notiere die Präposition und den Fall.
- Ich fahre mit meinem Bruder zur Ausstellung.
- Die Einladung ist für meine Schwester.
- Wir arbeiten mit den neuen Mitgliedern.
- Die Trainerin hat Zeit für mich und dich.
Zusatz: Kannst du an der Form sie allein erkennen, ob sie im Nominativ oder im Akkusativ steht? Begründe mit einem eigenen Satzpaar.
4. Zugehörigkeit und Endung unterscheiden
Ergänze passende possessive Formen. Die Zugehörigkeit ist jeweils vorgegeben. Benenne zuerst die Bezugsperson oder Gruppe und danach den Fall der gesamten Wortgruppe.
- Der Rucksack gehört Tarek. Tarek reist mit ___ Rucksack.
- Der Rucksack gehört Alina. Alina reist mit ___ Rucksack.
- Zwei Kinder haben gemeinsam einen Rucksack. Sie packen ___ Rucksack.
- Die Fahrräder gehören mir. Ich suche ___ Fahrräder.
Vergleiche besonders die ersten beiden Sätze: Was bleibt an der Form gleich, und was verändert sich? Erkläre beim dritten Satz, warum die zwei Kinder nicht automatisch eine Pluralform für Rucksack verlangen.
5. Mit oder ohne Nomen?
Beide Gegenstände im jeweiligen Beispiel gehören mir. Ergänze die Formen zu mein. Bestimme, ob die Form ein genanntes Nomen begleitet oder selbstständig gebraucht wird.
- Das ist ___ Mantel. Der Mantel dort ist auch ___.
- Das ist ___ Fahrrad. Das Fahrrad dort ist auch ___.
Warum ist „Der Mantel dort ist mein“ für die hier geübte neutrale Standardsprache keine passende Lösung? Es geht um die ausformulierte Besitzangabe, nicht um eine poetische Wendung.
6. Einen kurzen Text überarbeiten
Feststehende Angaben: Jule hat einen Bruder namens Ben. Das Fernglas gehört Ben. Jule benutzt es. Ben reicht Jule außerdem eine Karte.
Überarbeite diesen Entwurf so, dass die Angaben klar erkennbar bleiben:
Jule trifft Ben am Aussichtsturm. Sie benutzt ihr Fernglas. Er reicht ihr seine Karte.
Prüfe besonders ihr Fernglas und seine Karte. Darfst du aus den feststehenden Angaben ableiten, wem die Karte gehört? Nutze Pronomen, wo sie verständlich sind, und Namen, wo sie helfen.
Lösungen mit Begründungen
1. Der Bezug muss zum Satz passen
- Sie bezieht sich auf eine Brücke, feminin, Singular.
- Es greift das Paket auf, Neutrum, Singular.
- Sie meint die Besucher. Die Verbform möchten passt zum Plural; bei der einzelnen Tür müsste es möchte heißen. Auch die Aussage, hineinzuwollen, passt hier zu den Besuchern.
Du prüfst somit Form und Inhalt gemeinsam. Das grammatische Geschlecht eines Nomens ist dabei nicht einfach mit dem Geschlecht einer Person gleichzusetzen.
2. Ein Name beseitigt die Unklarheit
„Elif hat die Karten.“ Oder: „Paula hat die Karten.“ Aus den zwei ursprünglichen Sätzen allein lässt sich die Karteninhaberin nicht sicher bestimmen. Sie passt zu beiden. Die Nähe eines Namens kann das Lesen beeinflussen, legt den Bezug aber nicht zwingend fest. Wenn Eindeutigkeit wichtig ist, darf ein Name wiederholt werden.
3. Derselbe Bezug kann eine andere Form brauchen
- Ich fahre mit ihm zur Ausstellung: Dativ, Bezug auf den Bruder.
- Die Einladung ist für sie: Akkusativ, Bezug auf die Schwester.
- Wir arbeiten mit ihnen: Dativ Plural, Bezug auf die Mitglieder.
- Die Trainerin hat Zeit für uns: Akkusativ. Uns umfasst hier die sprechende und die angesprochene Person.
Bei diesen Aufgaben fordert mit den Dativ, für den Akkusativ. Der Zusatz zeigt eine Formgleichheit: „Sie singt“ enthält einen Nominativ; „Ich höre sie“ einen Akkusativ. Die Buchstaben allein reichen zur Bestimmung nicht aus.
4. Zwei Entscheidungen stecken in einer Form
- Tarek reist mit seinem Rucksack.
- Alina reist mit ihrem Rucksack.
- Die Kinder packen ihren Rucksack.
- Ich suche meine Fahrräder.
In den ersten beiden Sätzen wechselt sein- zu ihr-, weil eine andere Person gemeint ist. Die Endung -em bleibt: mit verlangt den Dativ, und Rucksack ist maskulin und steht im Singular.
Beim dritten Satz verweist ihr- auf die Kinder. Die Form ihren Rucksack steht im Akkusativ Singular: Gepackt wird ein Rucksack, obwohl er mehreren Personen gehört. Im vierten Satz zeigt mein- die Zugehörigkeit zur sprechenden Person; meine Fahrräder steht im Akkusativ Plural. Eine entsprechende Unterscheidung mit mehreren angesprochenen Personen erklärt der Artikel zu euer.
5. Begleiter und selbstständige Formen
„Das ist mein Mantel. Der Mantel dort ist auch meiner.“ Und: „Das ist mein Fahrrad. Das Fahrrad dort ist auch meines.“ Auch meins ist bei der letzten Lücke gebräuchlich.
Vor dem genannten Nomen wird mein als Possessivartikel gebraucht. Selbstständig stehen hier meiner und meines als Possessivpronomen. Manche Schulgrammatiken fassen beide Verwendungen unter Possessivpronomen zusammen. Für die Aufgabe zählt die Funktion: Du kannst nicht jedes Nomen streichen und die vorausgehende Form unverändert stehen lassen.
6. Nur gesicherte Angaben übernehmen
Eine mögliche Fassung lautet: „Jule trifft ihren Bruder Ben am Aussichtsturm. Sie benutzt Bens Fernglas. Er reicht ihr eine Karte.“
Ihr Fernglas würde im Ausgangstext nahelegen, dass das Fernglas Jule gehört. Die ausdrückliche Namensangabe stellt den vorgesehenen Bezug her. Sein Fernglas wäre ebenfalls möglich, wenn Ben als Bezug klar bleibt. Bei er ist Ben gemeint, bei ihr Jule; ihr ist in diesem letzten Satz ein Personalpronomen im Dativ.
Seine Karte fügt eine Zugehörigkeit zu Ben hinzu, die nicht vorgegeben ist. Dass jemand eine Karte weiterreicht, beweist keinen Besitz. Deshalb ist eine Karte hier die sorgfältige Lösung. Ihren Bruder bezeichnet dagegen eine ausdrücklich bekannte Verwandtschaft, kein Eigentum.
Eigene Texte prüfen
Nimm einen kurzen selbst geschriebenen Absatz mit mehreren Personen. Markiere jedes Personalpronomen und jede possessive Form. Schreibe daneben, wer oder was gemeint ist. Prüfe dann den Fall an der jeweiligen Satzstelle. Bleiben zwei Lesarten möglich, formuliere beide ausdrücklich und wähle diejenige, die du sagen möchtest.
Diese Übungen behandeln alltägliche Bezüge und häufige Formen. Reflexivpronomen, höfliche Anrede und der Perspektivwechsel in indirekter Rede brauchen zusätzliche Entscheidungen. Auch seltene Genitivformen lassen sich nicht aus den Aufgaben ableiten. Für einen verständlichen Text ist weniger Austausch manchmal besser: Ein wiederholter Name kann genauer sein als ein formal passendes, aber mehrdeutiges Pronomen.
