Stino
Form & Grammatik
- Stichwort
- Stino
- Worttrennung
- Sti·no
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Stinos
- Plural
- die Stinos
- Form
- Dativ Plural: den Stinos.
Jugend- und Szenesprache sowie homosexueller Jargon; auch abwertend.
Als allgemeine Szenebezeichnung kann der Plural gemischte Gruppen meinen. Die engere zweite Bedeutung bezeichnet einen heterosexuellen Mann.
Definition · kurz erklärt
Stino bezeichnet in Jugend- und Szenesprache jemanden, der als gewöhnlich gilt oder keiner besonderen Szene zugerechnet wird. Im homosexuellen Jargon kann das Wort dagegen einen heterosexuellen Mann bezeichnen. Beide Verwendungen können abwertend wirken.
Bedeutungen
1. Ein gewöhnlicher Mensch oder jemand außerhalb einer Szene
Wer eine Person einen Stino nennt, ordnet sie einer vermeintlich unauffälligen Mehrheit zu. In einer Jugendszene kann damit jemand gemeint sein, der deren Kleidung, Musik oder Lebensstil nicht teilt. Der Maßstab kommt von der sprechenden Gruppe: Die Bezeichnung sagt zunächst, wen diese Gruppe zu sich zählt und wen nicht.
„Für die anderen in der Band bin ich ein Stino, weil ich außerhalb der Proben keine Szenekleidung trage.“
Die Person schildert eine Fremdbezeichnung und nennt deren Anlass. Gemeint ist ihr Verhältnis zum Stil der Gruppe. Über ihre musikalischen Fähigkeiten oder ihre sexuelle Orientierung sagt das Wort hier nichts aus.
Stino kann spöttisch klingen und Angepasstheit oder fehlende Besonderheit unterstellen. Es kann aber auch eine lockere Selbstbezeichnung sein. Wer sich so nennt, muss damit weder alle Erwartungen der Umgebung erfüllen noch jede individuelle Vorliebe abstreiten.
In älteren Beschreibungen von Jugendkulturen stehen Stinos neben den Namen einzelner Szenen. Das Wort fasst dabei gerade Personen zusammen, die keiner solchen Szene zugeordnet werden. Es ist kein Name einer einheitlich organisierten Gruppe.
2. Ein heterosexueller Mann im homosexuellen Jargon
In diesem Sprachgebrauch bezeichnet Stino einen Mann, der sich zu Frauen hingezogen fühlt. Entscheidend ist die sexuelle Orientierung, nicht ein unauffälliges Auftreten. Diese engere Bedeutung ist deshalb von der allgemeinen Szenebezeichnung zu unterscheiden.
„Er nennt mich einen Stino, weil ich heterosexuell bin.“
Die Begründung legt die zweite Lesart fest. Der Satz berichtet eine Bezeichnung durch einen anderen Menschen; er erklärt Heterosexualität weder zum besseren noch zum einzig normalen Lebensentwurf.
Die Bezeichnung gehört zum Jargon und kann Distanz oder Abwertung ausdrücken. Für eine sachliche Aussage ist ein heterosexueller Mann eindeutiger. Die allgemeine Bedeutung aus Jugend- und Szenesprache lässt sich nicht automatisch auf diese engere Lesart übertragen.
Synonyme für Stino im Zusammenhang
Normalo und gewöhnlicher Mensch
Normalo ist bei der ersten Bedeutung eine nahe saloppe Alternative. Ein gewöhnlicher Mensch kann denselben Gegensatz zu einer auffälligen oder besonders angesehenen Gruppe ausdrücken, ohne deren Szenewort zu verwenden. Der Zusammenhang muss jeweils zeigen, worin die vermeintliche Gewöhnlichkeit besteht.
„Neben den Szeneleuten waren auch Stinos auf dem Konzert“ teilt die Gäste in Gruppen ein. „Auf dem Konzert waren auch Gäste, die sonst andere Musik hören“ benennt den gemeinten Unterschied genauer. Ein musikalisches Interesse schließt die Zugehörigkeit zu einer anderen Szene nicht aus.
Normal und spießig
Das Adjektiv normal setzt einen Maßstab voraus. Stino überträgt eine solche Einordnung auf eine Person. Die Aussage „Sein Alltag verläuft normal“ beschreibt einen Ablauf; „Er ist ein Stino“ kann dagegen wie ein Urteil über den ganzen Menschen wirken.
Spießig kritisiert besonders eine enge Orientierung an Konventionen. Stino allein belegt eine solche Haltung nicht: „Er bevorzugt schlichte Kleidung“ beschreibt einen Geschmack. „Er lehnt jeden ab, der anders lebt“ beschreibt ein Verhalten gegenüber anderen.
Heterosexueller Mann
Bei der zweiten Bedeutung ist heterosexuell die genaue Bezeichnung der gemeinten Orientierung. Normalo wäre hier kein zuverlässiger Ersatz, weil es die Orientierung nicht benennt. Ebenso lässt eine Einordnung als Stino im Musik- oder Kleidungskontext keinen Schluss darauf zu, zu wem sich jemand hingezogen fühlt.
Beispiele und Verwendung
„Ich bin eher ein Stino; meine Lieblingsmusik höre ich zu Hause, und zu einer festen Szene gehöre ich nicht.“
Der Sprecher erklärt, in welchem Sinn er sich selbst einordnet. Dass er keiner Szene angehört, bedeutet nicht, dass ihm Musik unwichtig wäre.
„In der alten Jugendstudie werden Jungen und Mädchen gemeinsam als Stinos bezeichnet.“
Hier beschreibt der Plural eine gemischte Gruppe außerhalb bestimmter Jugendszenen. Das ist die erste Lesart. Die engere Bezeichnung für heterosexuelle Männer ist damit nicht gemeint.
„Du hältst ihn für einen Stino, aber auf Konzerten kennen ihn alle“, entgegnet Nora.
Nora stellt eine Einordnung infrage. Bekanntheit auf Konzerten widerlegt für sich genommen allerdings nicht jede mögliche Verwendung von Stino; zuerst müsste klar sein, welchen Maßstab das Gegenüber anlegt.
Der Ausdruck ist schon in älterem Jugend- und Szenesprachgebrauch belegt. Seine Vertrautheit und Wirkung unterscheiden sich zwischen Gruppen. Außerhalb eines geteilten Sprachgebrauchs kann unklar bleiben, welche Bedeutung gemeint ist. Eine konkrete Beschreibung ist dann verständlicher als das Personenetikett.
Grammatik und Beugung
Stino ist ein maskulines Substantiv: der Stino. Die Worttrennung lautet Sti·no. Der Genitiv Singular heißt des Stinos; der Plural lautet die Stinos. Im Dativ Plural kommt kein zusätzliches n hinzu: mit den Stinos.
Genus und Personenbezug sind getrennt zu betrachten. In der allgemeinen Szenebezeichnung kann der Plural auch eine Gruppe aus männlichen und weiblichen Personen meinen. Die zweite Bedeutung bezeichnet dagegen ausdrücklich einen heterosexuellen Mann.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Stino | die Stinos |
| Genitiv | des Stinos | der Stinos |
| Dativ | dem Stino | den Stinos |
| Akkusativ | den Stino | die Stinos |
Wie ist Stino gebildet?
Stino ist aus stinknormal verkürzt. Der Wortanfang bezieht sich hier nicht auf einen unangenehmen Geruch, sondern verstärkt die Vorstellung von Gewöhnlichkeit. Die kurze Personenbezeichnung kann diese Vorstellung spöttisch zuspitzen. Die Wortbildung liefert aber keinen sachlichen Maßstab dafür, welche Lebensweise als normal gelten müsste.
