beim Lesen

Richtig ist beim Lesen, mit großem L. Beim setzt sich aus bei dem zusammen. Der Infinitiv Lesen bezeichnet hier die Tätigkeit als Nomen. Anders ist „Ich möchte lesen“: Dort bleibt lesen ein Verb und wird kleingeschrieben.

Während einer Tätigkeit

Beim Lesen bedeutet häufig während des Lesens. Der Satz „Beim Lesen mache ich Notizen“ verbindet zwei gleichzeitig ablaufende Tätigkeiten. Welche Art von Text gelesen wird, kann anschließend ergänzt werden.

Die Wendung kann auch einen Zusammenhang statt strikter Gleichzeitigkeit betonen: „Diese Strategie hilft beim Lesen schwieriger Texte.“ Gemeint ist die Unterstützung einer Tätigkeit. Die Hilfe muss nicht in genau demselben Augenblick von jemandem geleistet werden.

In beiden Fällen geht es um die Tätigkeit Lesen, nicht um ein einzelnes gelesenes Werk. Für den Inhalt braucht es eine zusätzliche Angabe: beim Lesen des Romans, beim Lesen der Anleitung oder beim Lesen einer Nachricht.

Die Substantivierung erkennen

Ein als Nomen verwendeter Infinitiv wird großgeschrieben. Beim enthält bereits den Artikel dem und ist deshalb ein gutes Erkennungszeichen. Vergleichbare Verbindungen sind beim Schreiben, beim Lernen und beim Vorlesen.

Man sollte daraus aber keine Regel „alles nach beim wird groß“ machen. In „beim schnellen Lesen“ ist schnellen ein normales Adjektiv und bleibt klein. Großgeschrieben wird das substantivierte Lesen. Ebenso wenig werden gewöhnliche Verbformen groß: „Während ich lese, höre ich keine Musik.“

Mit substantiviertem InfinitivMit Verb
beim Lesenwährend ich lese
beim lauten Lesenwenn ich laut lese
das Lesen eines Romanseinen Roman lesen
Freude am Lesengern lesen

Artikel, Fall und Ergänzung

Lesen ist hier ein substantivierter Infinitiv mit sächlichem Geschlecht: das Lesen, des Lesens, dem Lesen, das Lesen. Nach bei steht Dativ, daher bei dem Lesen, verkürzt beim Lesen. Im gewöhnlichen Sinn der Tätigkeit verwendet man keinen Plural.

Die Ergänzung des Textes bezeichnet das Gelesene: „beim Lesen des Textes“. Sie steht im Genitiv. Ein Adjektiv kann die Art der Tätigkeit beschreiben: beim aufmerksamen Lesen. Der Artikel steckt im beim, daher trägt aufmerksamen die Endung -en.

Drei eigene Beispiele mit Erklärung

„Beim Lesen der Anleitung unterstreicht Tarek die Arbeitsschritte.“
Lesen ist substantiviert. Der Genitiv der Anleitung nennt den Gegenstand der Tätigkeit.

„Beim zweiten Lesen fällt ihr ein Widerspruch auf.“
Zweiten beschreibt den wiederholten Lesevorgang und bleibt klein; Lesen bleibt groß.

„Sie möchte den Text erst lesen und dann besprechen.“
Hier ist lesen Teil einer Verbgruppe mit möchte. Es steht kein substantivierter Infinitiv vor.

Vom Lesen zur Analyse

Für eine Textanalyse hilft es, Beobachtungen beim Lesen zunächst knapp festzuhalten. Markiere etwa einen wiederkehrenden Ausdruck oder einen Perspektivwechsel. Die spätere Deutung sollte dann erklären, was diese Beobachtung im konkreten Text bewirkt; bloßes Unterstreichen ist noch keine Analyse.

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