Besser alte Schuld denn alte Fehde
Form & Grammatik
- Stichwort
- Besser alte Schuld denn alte Fehde.
- Form
- Verkürzter Vergleich ohne ausdrücklich genanntes finites Verb.
Gebrauch: Historisch überlieferter wertender Vergleich; Fehde wirkt im übertragenen Gebrauch nachdrücklich und gehoben.
Definition · kurz erklärt
Eine alte Geldschuld ist das kleinere Übel gegenüber einer lange anhaltenden Feindschaft. Der Spruch stellt den Wert friedlicher Beziehungen über das Festhalten am Streit.
Bedeutungen
Eine Geldschuld gegen eine Feindschaft abwägen
Schuld meint hier eine noch offene Geldforderung. Fehde bezeichnet eine anhaltende feindselige Auseinandersetzung. Der Vergleich nennt beides als alte Belastung und zieht die Geldschuld vor. Er erklärt die offene Forderung damit nicht für wertlos; er gewichtet den dauernden gegenseitigen Hass als das größere Übel.
In einer erfundenen Nachbarschaftsgeschichte sind gemeinsame Reparaturkosten noch nicht vollständig ausgeglichen. Seit Jahren gehen die Nachbarn deshalb jeder Begegnung aus dem Weg und machen einander Vorwürfe. Eine Freundin sagt: „Besser alte Schuld denn alte Fehde. Klärt die offene Summe, ohne euren Streit weiter zu nähren.“
Die Freundin will die Geldfrage nicht leugnen. Sie hält die verfestigte Feindschaft für die größere Belastung und unterscheidet deshalb das Klären einer Forderung vom Fortsetzen des persönlichen Streits.
Der Spruch entscheidet keinen einzelnen Geldkonflikt und verpflichtet niemanden, eine Forderung aufzugeben. Er formuliert eine Wertung der beiden Belastungen.
Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede
Beim Geld hört die Freundschaft auf
Der Geld-und-Freundschaft-Spruch warnt davor, dass Geldinteressen eine Beziehung beschädigen können. Alte Schuld und alte Fehde werden dagegen ausdrücklich gegeneinander gewichtet. Dieselbe unbezahlte Forderung und derselbe Streit können beiden Aussagen Anlass geben.
„Beim Geld hört die Freundschaft auf“ kann den entstandenen Bruch beklagen. „Besser alte Schuld denn alte Fehde“ bewertet die fortgesetzte Feindschaft als das größere Übel.
Fehde
Fehde kann eine historische Form bewaffneter Auseinandersetzung oder übertragen eine anhaltende Feindschaft bezeichnen. Der kurze Vergleich lässt sich als Wertung eines verhärteten Streits verstehen; nicht jeder Ärger ist schon eine Fehde.
„Zwischen den Familien besteht eine Fehde“ beschreibt den Konflikt. „Besser alte Schuld denn alte Fehde“ stellt ihm die offene Geldschuld als kleineres Übel gegenüber.
Beispiele und Verwendung
Eine verhärtete Beziehung ansprechen
„Die offene Forderung ist ein Problem; die jahrelange Feindschaft belastet uns zusätzlich.“
Die sachliche Umschreibung benennt beide Belastungen, ohne den Ausgang der Geldfrage vorwegzunehmen.
Grammatik
Besser leitet den Vergleich ein. Denn bedeutet hier in älterem Gebrauch als; es verbindet nicht zwei begründende Hauptsätze. Schuld und Fehde sind feminine Nomen im Singular. Das vorangestellte alte trägt bei beiden dieselbe Endung -e. Alte beschreibt jeweils, dass die Belastung schon länger besteht.
Varianten
Als verständliche heutige Umschreibung lässt sich sagen: „Besser eine alte Geldschuld als eine alte Feindschaft.“ Das ist eine Erläuterung des Vergleichs.
