Das Gute lobt mancher und tut's nicht; das Böse tut mancher und sagt's nicht
Form & Grammatik
- Stichwort
- Das Gute lobt mancher und tut's nicht; das Böse tut mancher und sagt's nicht
- Form
- Zwei kontrastierende Satzhälften mit parallel wiederholtem „mancher“.
Gebrauch: Historisch überliefert; im erklärten Zusammenhang bildlich gebraucht.
Definition · kurz erklärt
Menschen können gute Grundsätze loben, ohne danach zu handeln, und eigenes schlechtes Verhalten verschweigen. Der Spruch kritisiert diesen doppelten Abstand zwischen Worten und Taten.
Bedeutungen
Öffentliches Lob und verborgenes Verhalten vergleichen
Die beiden Satzhälften sind spiegelbildlich gebaut. Im ersten Teil fehlt die gelobte gute Tat; im zweiten fehlt das offene Eingeständnis der schlechten Tat. Der Vorwurf geht damit über bloße Untätigkeit hinaus: Die öffentliche Selbstdarstellung kann günstiger aussehen als das tatsächliche Verhalten. Mancher begrenzt die Aussage zugleich. Es wird nicht behauptet, alle Menschen handelten immer so.
„Er lobt im Verein ständig die Offenheit, hält aber seine eigenen Absprachen geheim. Das Gute lobt mancher und tut’s nicht; das Böse tut mancher und sagt’s nicht.“
Der konkrete Widerspruch zwischen geforderter Offenheit und verborgenen Absprachen begründet die Kritik. Der Spruch ist eine zugespitzte Bewertung dieses Verhaltens, kein Beweis für weitere unbekannte Verfehlungen.
Nicht jeder unerfüllte gute Vorsatz ist Heuchelei. Fehlende Möglichkeiten, Fehler oder noch offene Arbeit müssen vom bewussten Verbergen schlechten Handelns unterschieden werden. Ein schwerer Vorwurf braucht konkrete Anhaltspunkte.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Von Worten zu Werken ein weiter Weg
Der weite Weg von Worten zu Werken kann die Mühe einer Umsetzung beschreiben. Hier wird darüber hinaus die beschönigende Darstellung des eigenen Verhaltens kritisiert.
Ein angekündigtes Projekt dauert länger als erwartet. Wer dagegen Ehrlichkeit fordert und eigene Täuschungen verschweigt, schafft einen anderen Widerspruch.
Beispiele und Verwendung
Die eigene Haltung überprüfen
„Ich sollte dieselbe Offenheit zeigen, die ich in jeder Besprechung von anderen verlange.“
Als Selbstprüfung führt der Gedanke zu einer konkreten Verhaltensänderung, statt bloß andere Menschen pauschal abzuwerten.
Grammatik
Das Gute und das Böse sind substantivierte Adjektive und werden großgeschrieben. Beide stehen als vorangestellte Akkusativobjekte. Mancher ist jeweils Subjekt im Singular. Tut’s und sagt’s verkürzen die Verbindungen mit es. Das Semikolon gliedert die beiden umfangreicheren Satzhälften.
