Der Schein trügt
Form & Grammatik
- Grundform
- Der Schein trügt.
- Eintragstyp
- Sprichwort
- Thema
- Entscheidungen, Glück und Folgen
- Form
- Kurzer Aussagesatz mit dem Verb „trügen“.
Definition · kurz erklärt
Der erste Eindruck kann von der tatsächlichen Beschaffenheit abweichen. Etwas wirkt besser oder schlechter, als es bei genauerem Hinsehen ist.
Bedeutung
Erscheinung und Wirklichkeit unterscheiden
Schein meint hier den äußeren Eindruck, nicht einen Geldschein oder ein Dokument. Trügen bedeutet täuschen. Die Wendung kann vor voreiligen Urteilen warnen oder eine bereits erkannte Abweichung kommentieren. Dabei muss die Täuschung nicht absichtlich erzeugt worden sein: Ein unauffälliger Gegenstand kann hochwertig sein, ein eindrucksvolles Auftreten wenig Substanz haben.
„Die schlichte Kiste sah nach Verpackung aus, enthielt aber sorgfältig gebautes Werkzeug. Der Schein trügt.“
Hier fällt das genauere Urteil positiver aus als der erste Eindruck. Der Spruch beschränkt sich also nicht auf enttäuschende Enthüllungen.
Ein erster Eindruck kann auch zutreffen. Die Wendung fordert genaueres Prüfen, liefert selbst aber keinen Beweis dafür, dass eine Person oder Sache anders ist als sie erscheint.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Außen hui, innen pfui
„Außen hui, innen pfui“ legt die Richtung fest: außen gut, innen schlecht. „Der Schein trügt“ lässt offen, ob die Wirklichkeit günstiger oder ungünstiger ausfällt.
Eine prunkvolle, mangelhafte Tasche enttäuscht; ein unscheinbares, ausgezeichnetes Werkzeug überrascht erfreulich.
Beispiele und Verwendung
Ein vorschnelles Urteil bremsen
„Das Gebäude sieht verlassen aus, wird aber jeden Abend genutzt. Der Schein trügt.“
Eine konkrete Beobachtung erklärt hier, weshalb der äußere Eindruck korrigiert werden muss.
Form und Varianten
Trügt ist Präsens, dritte Person Singular. Die Vergangenheitsform lautet trog. Der Schein ist ein Nomen im Nominativ und das Subjekt des Satzes.
Varianten und Abwandlungen
Die Vergangenheitsfassung „Der Schein trog“ ist belegt und bezieht die Aussage auf einen zurückliegenden Eindruck.
Herkunft
Die Wendung begegnet auch als Titel eines Theaterstücks von Thomas Bernhard. Der Werktitel ist von der allgemeinen sprichwörtlichen Aussage zu unterscheiden und begründet allein keine Urheberschaft am Spruch.
