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Durch ein Brett sehen können, wenn es ein Loch hat

Form & Grammatik

WendungRedewendung
Stichwort
Durch ein Brett sehen können, wenn es ein Loch hat
Form
Historische verbale Redewendung mit einer nachgestellten Bedingung durch wenn.

Gebrauch: Historisch belegte, ironische Formulierung. Sie kann einen anderen Menschen verspotten oder ein Lob der eigenen Einsicht selbstironisch zurücknehmen.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Die historische Wendung verspottet eine angeblich besondere Einsicht: Durch ein Brett zu sehen ist keine Kunst, wenn ein Loch den Blick freigibt.

Bedeutungen

Scheinbaren Scharfsinn ironisch kommentieren

Der erste Teil klingt nach einer erstaunlichen Fähigkeit. Der angefügte Wenn-Satz nimmt das vermeintliche Kunststück zurück: Die Person erkennt nur, was ihr ohnehin offen vor Augen liegt. Die Formulierung kann als Spott über einen anderen Menschen oder als selbstironische Antwort auf ein Kompliment eingesetzt werden.

Jonas erklärt stolz, warum der Saal dunkel ist: Der Lichtschalter stehe auf Aus. Edda antwortet trocken: „Du kannst auch durch ein Brett sehen, wenn es ein Loch hat.“

Edda hält Jonas' Erklärung für eine naheliegende Feststellung. Das scheinbare Lob seiner besonderen Beobachtungsgabe ist ironisch gemeint.

Der Spott kann herabsetzen. Für eine sachliche Kritik lässt sich genauer sagen, welche Beobachtung bereits offensichtlich war.

Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede

ein Brett vor dem Kopf haben

Ein Brett vor dem Kopf haben beschreibt, dass jemand etwas gerade nicht begreift. Der Lochvergleich beginnt dagegen mit einem scheinbaren Lob der Einsicht und entwertet dieses Lob durch die einfache Voraussetzung. Beide Wendungen können in derselben Situation spöttisch auf fehlende Einsicht zielen.

„Da hatte ich ein Brett vor dem Kopf“ gesteht ein Verständnisproblem ein. „Durch ein Brett kann ich sehen, wenn es ein Loch hat“ kann selbstironisch auf ein Lob der eigenen Beobachtungsgabe antworten.

Beispiele und Verwendung

Ein Kompliment scherzhaft zurücknehmen

„Du durchschaust aber auch alles.“ – „Ja, durch ein Brett sehe ich auch, wenn es ein Loch hat.“

Die Antwort stellt die eigene vermeintliche besondere Fähigkeit bescheidener dar. Ob der Scherz freundlich wirkt, hängt von Ton und Verhältnis der Beteiligten ab.

Grammatik

Können verbindet sich mit dem Infinitiv sehen ohne zu: ich kann sehen, du kannst sehen, sie kann sehen. Im Perfekt mit beiden Verben heißt es etwa: Er hat durch das Brett sehen können. Durch steht hier mit Akkusativ: durch ein Brett. Im Wenn-Satz bezieht sich es auf das neutrale Brett; ein Loch ist das Akkusativobjekt zu hat. Zwischen Hauptsatz und Wenn-Satz steht ein Komma. Historisches wenn's steht verkürzt für wenn es.

Varianten

Überliefert ist unter anderem „Er kann durch ein Brett sehen, wenn's ein Loch hat“. In einem historischen Erzählbeleg lautet die Bedingung „wenn ein Loch drin ist“.