Er ist wie der Zeiger an der Uhr, er geht, wie man ihn stellt
Form & Grammatik
- Stichwort
- Er ist wie der Zeiger an der Uhr, er geht, wie man ihn stellt.
- Form
- Bildhafte Vergleichsformel über eine Person; zwei Hauptsätze mit einem wie-Satz.
Gebrauch: Historisch belegter bildhafter Vergleich; als Kritik an fehlender Eigenständigkeit verständlich.
Definition · kurz erklärt
Die bildhafte Bemerkung beschreibt jemanden, der sich nach den Vorgaben anderer richtet, statt selbst eine Richtung zu bestimmen.
Bedeutungen
Sich nach fremden Vorgaben richten
Der Zeiger einer Uhr wird von außen gestellt. Die ganze überlieferte Vergleichsformel überträgt dieses Bild auf eine Person: Wie sie handelt, hängt davon ab, wie andere sie ausrichten. Damit kann ein Sprecher ihre fehlende Eigenständigkeit kritisieren. Das Bild berichtet zunächst seine Sicht auf das Verhalten; es erklärt noch nicht, weshalb die Person Vorgaben folgt.
In einer erfundenen Erzählung überlässt ein Gruppenleiter sämtliche Entscheidungen seinem Vorgesetzten. Er sagt ausdrücklich, er wolle sich gar kein eigenes Urteil bilden und werde einfach jede neue Vorgabe übernehmen. Eine Mitarbeiterin kommentiert: „Er ist wie der Zeiger an der Uhr, er geht, wie man ihn stellt.“
Die Szene nennt nicht nur das Befolgen einer einzelnen Anweisung, sondern den ausdrücklichen Verzicht auf eine eigene Entscheidung. Darauf bezieht die Mitarbeiterin ihren kritischen Vergleich.
Wer eine Anweisung bewusst für sinnvoll hält oder unter Druck nachgibt, ist deshalb nicht schon ohne eigenen Willen. Die Gründe des Verhaltens müssen mitgelesen werden.
Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede
willenlos
Willenlos ist eine starke Bezeichnung für scheinbar fehlenden eigenen Willen. Die Zeiger-Formel veranschaulicht besonders die Ausrichtung durch andere. Beide können denselben Eindruck ausdrücken; weder das Adjektiv noch das Bild beweist allein, dass keine eigenen Wünsche vorhanden sind.
„Auf die Beobachterin wirkt er willenlos“ nennt ihren Eindruck. „Er richtet jede Entscheidung nach der jeweils letzten Vorgabe“ beschreibt das Verhalten, das sie mit dem Zeiger-Bild kritisiert.
Den Mantel nach dem Wind hängen
Die Mantel-Wendung beschreibt, wie jemand seine Haltung zum persönlichen Vorteil nach wechselnden Verhältnissen ausrichtet. Das Zeiger-Bild hebt die Ausrichtung durch andere hervor. Beide können dieselbe Figur und dieselbe Entscheidung betreffen; daraus folgt keine Trennung verschiedener Personen oder Motive.
„Er übernimmt die Vorgabe des Vorgesetzten“ beschreibt den äußeren Einfluss. „Er schließt sich jeweils der mächtigsten Seite an, um selbst zu profitieren“ nennt zusätzlich eine opportunistische Absicht. Ob diese Absicht vorliegt, muss der Zusammenhang zeigen.
Beispiele und Verwendung
Die Beobachtung vom Urteil trennen
„Sie übernimmt die neue Vorgabe sofort. Ob sie ihr zustimmt oder sich nur nicht widersetzen kann, erfahren wir noch nicht.“
Bei einer Textdeutung begrenzt dieser offene Grund den Vergleich. Eine einzelne angepasste Handlung rechtfertigt kein umfassendes Urteil über die Person.
Grammatik
Er ist das Subjekt der beiden Hauptsätze; ist und geht stehen in der dritten Person Singular. Wie der Zeiger an der Uhr ist der erste Vergleich. An der Uhr enthält den Dativ. Im abschließenden Nebensatz wie man ihn stellt ist man das Subjekt; ihn steht als Objekt im Akkusativ. Das finite Verb stellt steht am Ende dieses Nebensatzes. Die Kommas gliedern Hauptsätze und Nebensatz. Zeiger ist ein maskulines Nomen: der Zeiger, des Zeigers, die Zeiger.
Varianten
Eine historische Kurzfassung lautet: „Der Zeiger an der Uhr geht, wie man ihn stellt.“ Sie nennt nur den Bildgegenstand und lässt die Anwendung auf eine Person offen.
