Freundschaft und guter Wille macht kein Recht
Form & Grammatik
- Stichwort
- Freundschaft und guter Wille macht kein Recht.
- Form
- Historischer Aussagesatz mit der Verbindung Freundschaft und guter Wille; überliefert ist das Singularverb macht.
Gebrauch: Historisch überliefert; pointierter Einwand gegen eine aus Freundschaft oder Entgegenkommen abgeleitete weitergehende Forderung.
Definition · kurz erklärt
Freundschaft und Entgegenkommen machen nicht jeden Wunsch zu einem Anspruch. Der Spruch unterscheidet freiwillige Zuwendung von etwas, das man selbstverständlich verlangen möchte.
Bedeutungen
Aus Wohlwollen keinen beliebigen Anspruch ableiten
Eine freundschaftliche Beziehung kann Anlass zu Hilfe und Rücksicht sein. Der Spruch wendet sich aber gegen den nächsten Schritt: Aus dieser Bereitschaft zu schließen, der andere müsse nun jede gewünschte Gefälligkeit leisten oder die eigenen Vorlieben aufgeben. Recht bezeichnet hier einen beanspruchten Vorrang oder eine als verbindlich behandelte Forderung. Die freundliche Haltung allein begründet sie nach der Aussage des Spruchs nicht.
Toni hilft seiner Freundin freiwillig beim Vorbereiten eines Leseabends. Als sie später verlangt, er müsse wegen ihrer Freundschaft auch seine eigene Teilnahme an einem anderen Abend absagen, widerspricht er: „Freundschaft und guter Wille macht kein Recht. Ich helfe dir gern, aber das haben wir nicht verabredet.“
Tonis bisherige Hilfe war freiwillig. Die neue Forderung geht darüber hinaus und wird allein mit der Freundschaft begründet. Sein Einwand trennt die beiden Dinge.
Eine tatsächlich getroffene Absprache wird durch den Spruch nicht bedeutungslos. Er ist eine Aussage über Erwartungen im Umgang miteinander, keine allgemeine Regel zur Entscheidung rechtlicher Streitfälle.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Eine Hand wäscht die andere
Die Hände beschreiben eine Hilfe, auf die eine Gegenleistung folgt. Freundschaft und guter Wille fragt dagegen, ob aus Zuwendung bereits eine weitergehende Forderung abgeleitet werden darf. Ein freiwilliger Austausch und eine vorausgesetzte Pflicht sind nicht dasselbe.
„Du hilfst mir beim Aufbau, ich dir beim Streichen“ ist ein vereinbarter Austausch. „Weil wir befreundet sind, musst du jeden neuen Wunsch erfüllen“ geht darüber hinaus.
Freundes Unrecht gestatten ist selber Unrecht tun
Beide Sprüche setzen einer unbeschränkten Berufung auf Freundschaft Grenzen. Der Unrecht-Spruch betrifft die Billigung eines als falsch erkannten Handelns. Hier geht es um eine Forderung, die allein aus Wohlwollen abgeleitet wird.
Eine falsche Geschichte für einen Freund zu bestätigen betrifft die Billigung von Unrecht. Aus einer freiwilligen Hilfe unbegrenzte weitere Hilfe zu verlangen betrifft die beanspruchte Verpflichtung.
Beispiele und Verwendung
Freiwillige Hilfe genau benennen
„Ich kann heute eine Stunde helfen. Über weitere Termine haben wir noch nicht gesprochen.“
Die Aussage hält die angebotene Zuwendung fest und begrenzt zugleich, was daraus erwartet werden kann.
Grammatik
Freundschaft und guter Wille bilden die Subjektgruppe. Guter gehört zum maskulinen Nomen Wille und trägt ohne Artikel die starke Endung -er. Auffällig ist macht im Singular; diese Form bleibt als Teil des historischen Zitats erhalten. Ein heutiger frei formulierter Satz mit zwei einzeln betrachteten Subjekten würde gewöhnlich machen verwenden. Kein Recht steht als Akkusativobjekt zum Verb. Recht ist hier ein Nomen und wird großgeschrieben.
