Gewohnheit will Recht haben
Form & Grammatik
- Stichwort
- Gewohnheit will Recht haben
- Form
- Personifizierender Aussagesatz mit Modalverb und Infinitiv.
Gebrauch: Historisch überliefert; kritisch gegenüber dem bloßen Verweis auf eine bisherige Übung.
Definition · kurz erklärt
Was lange üblich ist, wird leicht für richtig oder berechtigt gehalten. Der Spruch kritisiert den Anspruch einer Gewohnheit, allein durch ihr Bestehen schon gerechtfertigt zu sein.
Bedeutungen
Vertrautheit nicht mit Berechtigung verwechseln
Die Gewohnheit wird wie eine Person dargestellt, die auf ihrem Recht besteht. Gemeint ist der Einwand, etwas müsse so bleiben, weil es schon immer so gemacht worden sei. Der Spruch trennt die Erklärung eines Ablaufs von seiner Begründung: Eine alte Übung erklärt, warum Menschen sie erwarten, aber noch nicht, warum sie unter heutigen Bedingungen angemessen ist.
„Die erfahrenen Mitglieder beanspruchen die besten Termine, weil sie diese seit Jahren erhalten. Gewohnheit will Recht haben.“
Die Wiederholung wird im Beispiel als Anspruch auf weitere Bevorzugung verwendet. Der Spruch fordert dazu auf, zusätzlich nach sachlichen Kriterien zu fragen, etwa nach Bedarf und einer fairen Verteilung.
Gewohnheiten können hilfreich sein und auf guten Gründen beruhen. Sie werden nicht allein dadurch falsch, dass sie alt sind. Der Spruch richtet sich gegen ihre ungeprüfte Rechtfertigung, nicht gegen verlässliche Routinen oder jede gewachsene Tradition.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
Das Gewohnheitstier beschreibt die menschliche Neigung zu vertrauten Abläufen. „Gewohnheit will Recht haben“ kritisiert den zusätzlichen Schluss, diese Abläufe müssten deshalb berechtigt sein.
Jemand setzt sich aus Vertrautheit immer auf denselben Platz; daraus einen Anspruch abzuleiten, andere dürften ihn niemals benutzen, ist ein weiterer Schritt.
Beispiele und Verwendung
Eine bisherige Praxis überprüfen
„Dass wir es lange so machen, erklärt den Ablauf, aber noch nicht seine Vorteile. Gewohnheit will Recht haben.“
Eine passende Anschlussfrage lautet, welche Gründe für oder gegen die bestehende Praxis sprechen. Ein bloßer Wechsel um seiner selbst willen folgt aus dem Spruch nicht.
Grammatik
Gewohnheit ist das Subjekt im Singular. Will ist die finite Form von wollen; haben steht als Infinitiv am Ende. Recht wird im überlieferten Wortlaut als Nomen großgeschrieben und bezeichnet hier den beanspruchten richtigen oder berechtigten Standpunkt. Die Personifizierung verleiht einer abstrakten Gewohnheit einen eigenen Willen. Die Grundform enthält kein Komma.
