Gib dem Buben einen Dreier und tu es selbst
Form & Grammatik
- Stichwort
- Gib dem Buben einen Dreier und tu es selbst.
- Form
- Zwei mit und verbundene Aufforderungen: gib und tu.
Gebrauch: Historisch überlieferter, spöttischer Rat; die ältere Rollenbezeichnung Bube gehört zum überlieferten Bild.
Definition · kurz erklärt
Wer sich von einer beauftragten Hilfskraft keine verlässliche Erledigung verspricht, tut die Arbeit nach diesem spöttischen Rat besser selbst. Die bloße Bezahlung garantiert noch kein Ergebnis.
Bedeutungen
Bezahlen und trotzdem selbst arbeiten
Der Dreier ist hier eine kleine frühere Münze. Bube kann im älteren Wortgebrauch einen Jungen oder jungen Diener bezeichnen. Die Aufforderung verbindet eine Zahlung mit dem überraschenden Zusatz, die Arbeit trotzdem selbst zu erledigen. Gerade dieser Widerspruch macht den Spott aus: Eigentlich sollte die bezahlte Hilfe eigene Arbeit ersparen.
In einer erfundenen Szene mit historischem Hintergrund soll ein junger Helfer ein dringend benötigtes Paket zustellen, lässt es aber wiederholt liegen. Die Auftraggeberin bezahlt die vereinbarte Kleinigkeit und bringt das Paket schließlich selbst. Ihr Nachbar kommentiert: „Gib dem Buben einen Dreier und tu es selbst.“
Die Bemerkung richtet sich hier auf die konkrete ausgebliebene Hilfe. Sie erklärt weder alle jungen Menschen für unzuverlässig noch einen bestimmten niedrigen Lohn für angemessen.
Manchmal fehlen einer Hilfskraft Zeit, Kenntnisse oder klare Anweisungen. Aufgaben selbst zu übernehmen ist deshalb nicht immer die beste Lösung. Wer dauerhaft alles an sich zieht, kann andere vom Lernen ausschließen und sich selbst überlasten.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Viele Hände, schnelles Ende
Viele Hände würdigt eine sinnvoll verteilte Mitarbeit. Der Dreier-Spruch spottet dagegen über eine Hilfe, die die erwartete Entlastung nicht bringt. Welche Sicht passt, hängt vom tatsächlichen Ablauf ab.
Mehrere Personen tragen gleichzeitig die Stühle: Die Zusammenarbeit spart Zeit. Das bezahlte Paket bleibt liegen: Die Auftraggeberin erledigt den Weg selbst.
Beispiele und Verwendung
Den Grund der Verzögerung klären
„Bevor ich dir die Aufgabe abnehme: Welche Information oder Unterstützung fehlt dir?“
Die Rückfrage prüft eine mögliche Ursache. So wird aus dem spöttischen Urteil keine feste Zuschreibung von Unfähigkeit.
Grammatik
Gib ist der Imperativ Singular von geben, tu der Imperativ Singular von tun. Ein du ist mitgemeint. Dem Buben steht im Dativ Singular; Bube erhält hier die schwache Endung -n. Einen Dreier ist das Akkusativobjekt zu gib, es das Akkusativobjekt zu tu. Selbst betont die handelnde Person.
