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Gnade ziemt wohl bei der Macht

Form & Grammatik

Sprichwort
Stichwort
Gnade ziemt wohl bei der Macht
Form
Aussagesatz mit dem älteren Verbgebrauch „ziemen“.

Gebrauch: Historisch überliefert; im erklärten Zusammenhang bildlich gebraucht.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Wer Macht besitzt, soll auch Nachsicht und Milde zeigen können. Der Spruch betrachtet Gnade als angemessene Ergänzung zur Fähigkeit, sich durchzusetzen oder zu strafen.

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Bedeutungen

Macht mit Milde verbinden

Gnade bezeichnet hier das freiwillige Absehen von einer möglichen Härte. Gerade wer eine Entscheidung tatsächlich durchsetzen könnte, zeigt durch maßvolle Nachsicht einen verantwortlichen Umgang mit seiner Stellung. Ziemen bedeutet in diesem Satz, zu etwas zu passen oder ihm angemessen zu sein. Der Spruch lobt also keinen bloßen Mangel an Durchsetzungsvermögen, sondern eine bewusste Begrenzung der eigenen Macht.

„Die Leiterin könnte den kleinen Fehler streng ahnden, lässt aber eine Korrektur zu. Gnade ziemt wohl bei der Macht.“

Sie hat die Möglichkeit zur Sanktion, entscheidet sich jedoch nach Prüfung für eine mildere Reaktion. Der Fehler wird benannt und behoben; Nachsicht bedeutet hier nicht Gleichgültigkeit.

Milde muss nachvollziehbar und fair bleiben. Willkürliche Bevorzugung, das Übergehen Betroffener oder das Dulden wiederholter Schädigung werden durch den Spruch nicht gerechtfertigt.

Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede

Tugend macht edel, aber Adel gibt keine Tugend

Der Tugend-Spruch trennt moralischen Wert von gesellschaftlichem Rang. Die Gnadenformel nennt eine konkrete Verhaltensweise, die bei vorhandener Macht angemessen sein soll.

Ein hoher Titel beweist noch keinen guten Charakter. Eine maßvolle Reaktion auf einen korrigierbaren Fehler kann dagegen tatsächlich für verantwortliches Handeln sprechen.

Beispiele und Verwendung

Eine Reaktion abwägen

„Wir müssen nicht jede mögliche Strenge ausschöpfen, wenn eine klare Rückmeldung genügt.“

Der Satz passt zu einer begründeten Entscheidung über die Art des Umgangs, nicht zu einem Anspruch auf folgenlose Regelverstöße.

Grammatik

Gnade ist das Subjekt im Singular; dazu steht ziemt. Wohl bedeutet hier etwa gut oder angemessen und drückt nicht bloß eine Vermutung aus. Bei der Macht enthält einen Dativ. Die artikellose Verwendung von Gnade bezeichnet die Haltung allgemein.