Gut ist der Freunde Rat, aber ihn nicht brauchen ist besser
Form & Grammatik
- Stichwort
- Gut ist der Freunde Rat, aber ihn nicht brauchen ist besser.
- Form
- Zwei mit aber gegenübergestellte Aussagen; der zweite Teil enthält die Infinitivgruppe ihn nicht brauchen.
Gebrauch: Historisch überliefert; kann den Wert eigener Orientierung pointiert neben die Wertschätzung freundschaftlicher Beratung stellen.
Definition · kurz erklärt
Ein guter Rat von Freunden ist wertvoll. Noch günstiger erscheint es dem Spruch, auch ohne diesen Rat weiterzukommen und nicht darauf angewiesen zu sein.
Bedeutungen
Rat schätzen, ohne darauf angewiesen zu sein
Der erste Teil würdigt ausdrücklich die Ratschläge vertrauter Menschen. Aber führt dann einen Vergleich ein: Den Rat nicht zu brauchen wird noch höher bewertet. Brauchen bedeutet hier nötig haben. Wer den nötigen Überblick bereits selbst hat, muss einen Ausweg nicht erst von anderen erfahren. Das ist etwas anderes, als aus Stolz einen hilfreichen Hinweis grundsätzlich abzulehnen.
Für die Vorbereitung der Ausstellung bietet Leas Freundin Unterstützung beim Zeitplan an. Lea freut sich darüber, hat die offenen Schritte aber inzwischen selbst geklärt. Rückblickend sagt sie: „Gut ist der Freunde Rat, aber ihn nicht brauchen ist besser.“
Lea wertet das Angebot nicht ab. Die noch günstigere Lage besteht für sie darin, bereits ohne zusätzliche Beratung weiterzuwissen. Hilfe anzunehmen wäre in einer anderen Lage ebenso möglich.
Der Spruch ist kein Maßstab für den Wert einer Person. Wer einen Rat benötigt, handelt durch das Fragen nicht schon unselbstständig oder unvernünftig.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Guter Rat ist teuer
Beide Sprüche erkennen den Wert eines hilfreichen Rats an. Teuer hebt hervor, wie schwer eine brauchbare Lösung zu finden sein kann. Der Freunde-Rat-Spruch stellt dem wertvollen Rat die Lage gegenüber, in der man ihn gar nicht benötigt.
Eine Lösung fehlt und niemand weiß weiter: Guter Rat ist teuer. Die Lösung ist bereits gefunden, ein zusätzliches Angebot bleibt dennoch willkommen: Den Rat nicht brauchen.
Beispiele und Verwendung
Das Angebot und den Bedarf trennen
„Danke, dass ich dich fragen kann. Diesen Schritt habe ich inzwischen selbst geklärt.“
Die Antwort schätzt die Bereitschaft der Freundin und beschreibt zugleich den begrenzten aktuellen Bedarf.
Grammatik
Der Freunde ist ein vorangestellter Genitiv Plural zu Rat. Rat steht im ersten Teil als Subjekt im Nominativ Singular. Ihn nimmt denselben Rat als Akkusativobjekt zu brauchen wieder auf. Die Gruppe ihn nicht brauchen übernimmt im zweiten Teil die Subjektfunktion zu ist. Besser ist der Komparativ von gut; beide stehen hier prädikativ ohne Flexionsendung. Das Komma steht vor dem entgegensetzenden aber.
