Kaufen ist wohlfeiler denn bitten
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kaufen ist wohlfeiler denn bitten.
- Form
- Vergleichender Aussagesatz mit ist, dem Komparativ wohlfeiler und dem historischen Vergleichswort denn.
Gebrauch: Historisch überliefert; als zugespitzte persönliche Abwägung verständlich. Wohlfeil und das vergleichende denn wirken altertümlich.
Definition · kurz erklärt
Eine Sache unmittelbar zu kaufen kann weniger Belastung verursachen, als sie durch Bitten zu erhalten. Der Spruch rechnet beim Bitten mögliche Mühe oder Abhängigkeit mit, obwohl dafür kein Kaufpreis verlangt wird.
Bedeutungen
Den Aufwand einer erbetenen Leistung mitbedenken
Wohlfeiler bedeutet hier günstiger oder billiger; denn steht im älteren Vergleich für als. Der zugespitzte Satz stellt den sichtbaren Preis des Kaufs den möglichen anderen Kosten einer Bitte gegenüber. Dazu können langes Nachfragen, Warten oder erwartete Gegenleistungen gehören. Das sind mögliche Anwendungen des Vergleichs, keine notwendigen Folgen jeder Bitte.
„Für die kleine Schachtel müsste ich immer wieder um einen Abholtermin bitten und einen langen Umweg machen. Ich kaufe sie lieber hier. Kaufen ist wohlfeiler denn bitten.“
Die eigene Entscheidung bezieht Zeit und Mühe ein. Die gekaufte Schachtel kostet Geld, erspart in diesem Fall aber den umständlichen Zugang zur erbetenen Sache. Ein allgemeiner Preisvergleich aller Käufe und Geschenke wäre damit nicht begründet.
Hilfsbereitschaft und eine offene Bitte können sehr wertvoll sein. Wer nichts kaufen kann, wird dadurch nicht weniger selbstständig oder würdig. Der Spruch sollte eine konkrete Abwägung erklären und nicht Menschen beschämen, die Unterstützung benötigen.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Borgen macht Sorgen
Beide Formeln machen Belastungen sichtbar, die neben einem unmittelbaren Geldpreis entstehen können. Borgen macht Sorgen betrifft insbesondere Verpflichtungen aus Geliehenem. Eine Bitte kann sich dagegen auch auf eine Gabe oder Hilfe richten, die gar nicht zurückgegeben werden soll.
Bei einem geliehenen Werkzeug müssen Rückgabe und mögliche Schäden bedacht werden. Bei einer erbetenen Schachtel kann schon die aufwendige Terminabstimmung den Ausschlag für einen Kauf geben.
Beispiele und Verwendung
Eine persönliche Abwägung erläutern
„Für den Druck bitte ich diesmal nicht um einen Gefallen, sondern bezahle den kleinen Auftrag. Kaufen ist wohlfeiler denn bitten.“
Die Figur kann damit Aufwand oder unausgesprochene Erwartungen vermeiden wollen. Aus ihrer Entscheidung folgt nicht, dass die andere Person tatsächlich eine unangemessene Gegenleistung verlangt hätte.
Grammatik
Kaufen und bitten nennen die verglichenen Tätigkeiten. Die überlieferte Fassung verwendet beim zweiten Infinitiv die Kleinschreibung; Kaufen steht ohnehin am Satzanfang. Wohlfeiler ist die Vergleichsstufe von wohlfeil und steht ohne zusätzliche Beugungsendung. Denn bedeutet hier als, nicht weil. Da nach denn nur der verglichene Infinitiv folgt, wird dort kein Komma gesetzt.
Varianten
Belegt ist auch „Kaufen ist wohlfeiler als Bitten.“ Diese Fassung ersetzt das ältere denn durch als und schreibt Bitten als Tätigkeitsbezeichnung groß.
