Kein Blatt vor den Mund nehmen
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kein Blatt vor den Mund nehmen.
- Form
- Feste verbale Wendung mit nehmen und der verneinten Wortgruppe kein Blatt.
Gebrauch: Bildlicher Ausdruck für betont offene Worte. Die historische Fassung mit Maul klingt derber als die Fassung mit Mund.
Definition · kurz erklärt
Kein Blatt vor den Mund nehmen heißt, seine Meinung offen und deutlich auszusprechen.
Bedeutungen
Die eigene Meinung ohne Verhüllung sagen
Die Wendung hebt die offene Art des Sprechens hervor. Wer kein Blatt vor den Mund nimmt, umschreibt einen Einwand nicht bloß vorsichtig, sondern sagt, was er meint. Das kann als Mut zur klaren Aussage gelobt oder wegen eines harten Tons kritisiert werden. Die Direktheit allein entscheidet weder über die Richtigkeit der Meinung noch über die Angemessenheit der Wortwahl.
Bei der Besprechung sagt Lina: „Die Ordner sind so beschriftet, dass ich die Entwürfe kaum wiederfinde. Wir brauchen eindeutigere Namen.“ Ihr Kollege meint: „Du nimmst wirklich kein Blatt vor den Mund.“
Lina benennt ihr Problem direkt und schlägt eine konkrete Änderung vor. Der Kommentar würdigt oder bemerkt die Offenheit; er macht aus ihrer Einschätzung noch keinen allgemein bewiesenen Fehler.
Offen zu reden ist nicht dasselbe wie jemanden zu beleidigen. Ob die Worte sachlich und angemessen sind, muss am Inhalt und am Umgangston geprüft werden.
Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede
unverblümt
Unverblümt sagen und kein Blatt vor den Mund nehmen liegen in dieser Verwendung sehr nahe. Das Adjektiv beschreibt die unverhüllte Ausdrucksweise; die feste Wendung formuliert denselben Gedanken als anschauliche Verbindung mit nehmen.
„Lina sagt unverblümt, was sie stört“ und „Lina nimmt kein Blatt vor den Mund“ können dieselbe offene Kritik beschreiben. Keine der Formulierungen garantiert, dass jede Kritik berechtigt ist.
Blatt
Das Nomen kann Papier, einen Pflanzenteil und weitere Dinge bezeichnen. In der festen Wendung ist kein tatsächliches Blatt vor dem Gesicht nötig.
„Sie hält ein Blatt vor den Mund“ kann eine wirkliche Bewegung beschreiben. „Sie nimmt kein Blatt vor den Mund“ wird als feste Wendung für offene Worte gebraucht.
Beispiele und Verwendung
Die Sprechweise einer Figur erklären
„Die Figur nennt den Einwand ohne Umschweife. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund.“
Eine Textanalyse sollte die konkreten Worte zeigen, an denen sich diese Direktheit erkennen lässt.
Grammatik
Nehmen ist im Stichwort ein Infinitiv. Im Satz heißt es sie nimmt kein Blatt vor den Mund; nimmt steht in der dritten Person Singular. Kein Blatt ist das Akkusativobjekt. In der festen Verbindung steht vor den Mund mit Akkusativ; Mund ist maskulin. Historisch lautet die Fassung auch vors Maul. Vors ist dort vor das, weil das Nomen Maul sächlich ist. Die beiden Formen dürfen nicht zu vor das Mund vermischt werden.
Varianten
Die historische Quelle hat Er nimmt kein Blatt vors Maul. Mit Mund statt Maul lautet die Wendung kein Blatt vor den Mund nehmen.
