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Sich etwas aus den Fingern saugen

Form & Grammatik

WendungRedewendung
Stichwort
Sich etwas aus den Fingern saugen
Form
Reflexive verbale Wendung: sich etwas aus den Fingern saugen.

Gebrauch: Umgangssprachlich; je nach Zusammenhang scherzhaft oder vorwurfsvoll.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Sich etwas frei ausdenken oder erfinden, etwa eine Geschichte, eine Erklärung oder eine Behauptung.

Bedeutungen

Etwas frei erfinden

Wer sich etwas aus den Fingern saugt, erfindet es frei. Die Wendung kann sich auf eine ausgedachte Geschichte ebenso beziehen wie auf eine Erklärung, für die jemand keine Grundlage hat. Ob sie spielerisch, anerkennend oder vorwurfsvoll klingt, hängt vom Zusammenhang ab.

In einer erfundenen Geschichte probt eine Theatergruppe. Als eine Requisite fehlt, denkt sich Jule sofort einen neuen Schluss aus. „Den hast du dir gerade aus den Fingern gesogen“, sagt ihr Mitspieler und lacht.

Jule hat den neuen Schluss spontan erfunden. Der Mitspieler benennt das freie Ausdenken und verwendet die Wendung hier scherzhaft. In einem Streit über unbelegte Zahlen könnte dieselbe Wendung einen Vorwurf ausdrücken.

Die Wendung besagt für sich allein nicht, dass jemand bewusst täuscht. Dafür kommt es darauf an, ob das Erfundene als Erfindung erkennbar ist oder als Tatsache ausgegeben wird.

Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede

erfinden

Erfinden ist das allgemeinere Verb. Es kann sich auch auf eine technische Neuerung beziehen. Sich etwas aus den Fingern saugen ist eine umgangssprachliche bildhafte Wendung für das freie Ausdenken.

„Sie erfindet einen Schluss“ und „Sie saugt sich einen Schluss aus den Fingern“ können dieselbe Handlung beschreiben; der zweite Satz klingt bildhafter und umgangssprachlich.

aus der Luft gegriffen

Eine Behauptung als aus der Luft gegriffen zu bezeichnen bewertet sie als unbegründet. Sich etwas aus den Fingern saugen kann denselben Vorwurf ausdrücken und auch das freie Erfinden in einer ausdrücklich erfundenen Geschichte benennen.

„Die Zahl ist aus der Luft gegriffen“ und „Die Zahl hat sie sich aus den Fingern gesogen“ können beide eine unbelegte Angabe kritisieren.

Beispiele und Verwendung

Auf fehlende Grundlagen hinweisen

„Diese Zahl kann ich mir nicht einfach aus den Fingern saugen; ich muss erst nachsehen.“

Die Verneinung weist das freie Erfinden einer Zahl zurück. Sie behauptet noch nicht, dass bereits eine geprüfte Zahl vorliegt.

Grammatik

Das Reflexivpronomen steht im Dativ: ich sauge mir etwas aus den Fingern, du saugst dir etwas aus den Fingern. Etwas steht als Akkusativobjekt; aus den Fingern enthält den Dativ Plural. Aus ist hier eine Präposition und kein abtrennbarer Verbzusatz. Belegt sind im Perfekt gesogen und gesaugt mit haben. In der Grundform steht kein Komma.

Varianten

Die historische Satzfassung „Das hat er nicht aus den Fingern gesogen“ verneint das freie Erfinden: Die betreffende Aussage soll also eine andere Grundlage haben. Sie zeigt die Wendung in einem verneinten Satz.