Ungleiche Schüsseln machen schielende Brüder
Form & Grammatik
- Stichwort
- Ungleiche Schüsseln machen schielende Brüder.
- Form
- Bildhafter Aussagesatz mit machen in der dritten Person Plural.
Gebrauch: Historisch überliefertes Bild für Neid oder Spannungen infolge ungleicher Zuteilung.
Definition · kurz erklärt
Eine ungleiche Verteilung von Vorteilen kann Neid und Unzufriedenheit untereinander wecken.
Bedeutungen
Ungleiche Zuteilung und Neid verbinden
Im Bild erhalten die Brüder nicht das Gleiche auf den Tisch. Die ungleichen Schüsseln stehen für unterschiedlich bemessene Anteile oder Vorteile. Schielend beschreibt hier den neidischen Blick auf das, was der andere bekommen hat. Übertragen warnt der Spruch vor Spannungen, die eine Bevorzugung oder Zurücksetzung auslösen kann.
In einer erfundenen Vereinsgeschichte helfen Ina und Lea gleich lange beim Bühnenaufbau. Als Dank erhält Ina vier Freikarten, Lea nur eine. Lea wünscht sich dieselben zusätzlichen Karten und ärgert sich über Inas Vorteil. Eine dritte Figur kommentiert: „Ungleiche Schüsseln machen schielende Brüder.“
Die Geschichte nennt die unterschiedliche Zuteilung und Leas Wunsch ausdrücklich. Der Spruch verbindet den größeren Vorteil der einen mit dem neidischen Vergleich der anderen. Brüder steht im übertragenen Beispiel für Personen in einer gemeinsamen Gruppe.
Unterschiedliche Anteile sind nicht von selbst ungerecht. Umgekehrt ist eine begründete Nachfrage nach der Verteilung noch kein Beweis für Neid.
Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede
neidisch
Neidisch beschreibt das Gefühl beim Vergleich mit einem fremden Vorteil. Der Spruch nennt mit der ungleichen Verteilung eine mögliche Situation, in der dieses Gefühl entsteht. Er erklärt damit nicht jeden Fall von Neid.
„Lea ist neidisch auf die zusätzlichen Karten“ beschreibt ihr Gefühl. „Die ungleiche Zuteilung hat diesen Vergleich ausgelöst“ nennt den im Spruch betonten Zusammenhang.
Wenn Neid brennte wie Feuer, wäre das Holz nicht so teuer
Das Feuerbild spottet darüber, wie viel Neid es angeblich gibt. Die ungleichen Schüsseln stellen genauer eine Verbindung zwischen Verteilung und neidischer Reaktion her. Beide Sprüche können dieselbe Gruppe betreffen.
„Überall hören wir missgünstige Bemerkungen“ passt zum übertriebenen Mengenbild. „Seit der ungleichen Zuteilung schaut einer auf den Vorteil des anderen“ nennt den Zusammenhang der Schüsseln.
Beispiele und Verwendung
Den Grund eines Vergleichs benennen
„Wir sollten erklären, weshalb die Anteile verschieden groß sind. Ungleiche Schüsseln machen schielende Brüder.“
Der Spruch kann auf mögliche Spannungen hinweisen. Die Gründe der Verteilung müssen dennoch konkret geprüft werden.
Grammatik
Ungleiche Schüsseln ist das Subjekt im Plural; dazu gehört machen in der dritten Person Plural. Schielende Brüder ist eine Akkusativgruppe. Schielend ist das Partizip I von schielen und wird hier wie ein Adjektiv gebeugt. Brüder ist der Plural von Bruder mit Umlaut. Die Nomen werden großgeschrieben.
Varianten
Eine historische Parallelfassung spricht von ungleichen Schüsseln, die scheele Augen machen. Auch dieses Bild verbindet eine unterschiedliche Begünstigung mit dem neidischen Blick.
